2. September 2010
The Hawk & The Elve
Good@Wise Musiktipp:
Isobel Campbell and Mark Lanegan / Hawk
Wäre es nicht so abgeschmackt, man würde ohne Umschweife die Kollaboration von Isobel Campbell und Mark Lanegan als „The Beauty and the Beast“ bezeichnen. Gegensätzlicher könnten zwei Musiker nicht sein, und doch gelingt es Ihnen bereits auf drei Alben einen gemeinsamen musikalischen Nenner zu finden, welcher schöner und spannender nicht sein. Mark Lanegan war in den 90er Jahren Vorstand der Grunge Rabauken Screaming Trees, mit denen er dreckigen Garagenrock spielte, der selbst Pearl Jam Angst und Respekt einjagte. Zur selben Zeit säuselte Isobel Campbell für die soften Folk–Popper Belle & Sebastian sanfte Liedchen. 2006 veröffentlichte das ungleiche Paar ihr erstes gemeinsames Album, das hervorragende „Ballad of the broken Sea“ und überraschte damit Fans und Kritiker. Nach dem zweiten Werk „Sunday at devil`s Dirt“ von 2008 folgt nun mit „Hawk“ der dritte Streich und ist schon jetzt Anwärter für die schönste Herbstplatte des Jahres.
Lanegan`s von Whiskey & Nikotin zerstörte Stimme entpuppt sich erneut als grandiose Unterlage für Campbell`s elfenhaften Gesang. Die Kompositionen pendeln geschickt zwischen störrischen Blues, gebremsten Rock und melodietrunkenen Folk. Einer der vielen Höhepunkte stellt „Time of the Season“ dar, wo beide Sänger im harmonischen Gleichklang die Geschichte einer verlorenen Liebe erzählen und dabei den Hörer scheinbar mühelos mit auf die Reise nehmen. Anders im großartigen „You won`t let me down again“ wo Lanegan getrieben von bösartigen Bluesgitarren, wie ein grollender Wolf die Worte ins Mikro bellt. Campell`s Stimme verliert sich dabei im Hintergrund, wie ein verschreckter Windstoß im Herbst. Im wunderbaren „Sunrise“ wiederum, verzichtet Campbell auf das Raubein und sing die traurigen Zeilen ganz alleine, gleich einem verträumten Engel.
„Too much pain, to much pressure – And why must I wait so long – for the One I treasure – Tommorrow that´s when I´ll be gone – at sunrise”Ein Lied über Vampire? Wer weiß das schon. Geschrieben hat die Lieder welche durchwegs Schmerz und Verlust behandeln Isobel Campell, bis auf zwei hervorragende Coverversionen aus der Feder des großen Townes van Zandt. Ein Mann der auch wusste wie man Leid und Einsamkeit buchstabiert. Ihr schönstes Lied „Lately“ platzierte Campbell am Ende der Platte und überlässt den Gesangspart – ganz Ladylike – allein ihrem Gefährten.
„Lately I`ve been looking out für the bells when the ring – bells for you and bells for me, a beautiful thing – been a long time coming soon my ship will come in – Lately”
Auch für die Einsamen gibt es noch Hoffnung.
Andi Bauer
1. September 2010
John Mellencamp - “Fighting man`s Springsteen”
Kein Springsteen für Arme
„Poor man`s Springsteen“ – der Springsteen für Arme – so nannte man John Mellencamp in den 80er-Jahren. Eine Bezeichnung die den Versuch darstellt, den unbequemen Rocker zu schubladisieren. Unbequem, weil immer schon stur, rastlos und rebellisch. Mellencamps Karriere scheint ein einziger Kampf zu sein, mit unendlichen Schlachten an verschiedensten Fronten. Gegen gierige Plattenfirmen, inkompetente Musikmanager, korrupte und ignorante Behörden, eine intolerante Gesellschaft, verständnislose Ehefrauen und letztlich gegen sich selbst, wegen diverser Krankheiten, Schlaganfällen und dem nahenden Tod. Kein amerikanischer Musiker scheint patriotischer und zugleich rebellischer zu sein. Keine Karriere kann größere Sprünge verzeichnen und reiht so eng Großtaten und Erfolge neben Peinlichkeiten und Misserfolge. Von einem derzeitigen Comeback bei John Mellencamp zu sprechen ist falsch wie überflüssig. Seine letzten beiden großartigen Alben Life Death love and Freedom & No Better Than This, sind vielmehr eine Heimkehr. John Mellencamp scheint mit seiner aktuellen Musik endlich bei sich angekommen zu sein. Ein langer Weg von Johny Cougar zu John Mellencamp und eine Gelegenheit für das Porträt eines Unbequemen, der in Europa immer noch zu wenig wahrgenommen wird.
Der langwierige Start einer wechselhaften Karriere
Aufgeschlossene Beobachter wundern sich heute noch, dass Mellencamp`s Karriere überhaupt zündete. Seine ersten vier Studioalben (1979-84) sind unhörbarer Quatsch und servieren eine furchtbare musikalische Melange aus New Wave, melodiearmen Pop und verunsicherten Rock N´Roll. Es mag an der damaligen Großzügigkeit und Geduld der Plattenfirma gelegen haben – heute kriegt kein Künstler nach zwei verhauten Album eine weitere Chance – und auch an dem kleinen Hit „I need a lover“ (top 10 in Australien), dass John Cougar noch die Gelegenheit bekam, ein fünftes Album aufzunehmen. American Fool erschien 1982, als der große Bruder Bruce Springsteen mit dem introvertierten Nebraska eine Auszeit aus dem Rockzirkus nahm und passte perfekt in die frühen 80er-Jahre. Gefälliger, patriotischer Roots-Rock, glatt produziert und auf Hitparade getrimmt. Und diesmal hatte Mellencamp sogar einige zwingende Melodien eingebaut. Die fetzige Single Hurt so good schaffte es sogar auf Platz eins der US-Charts und zog das Album mit, welches auch auf an der Spitze der Albumcharts landete. Es sollte kurioserweise Mellencamps einzige Nummer eins bleiben. Der Nachfolger Uh-Uh warf zwei weitere Hits ab und propellte den Musiker zum neuen US-Superstar. Zwischenzeitlich veröffentlichte Springsteen Born in the USA. Patriotischer Rock war das neue große Ding zwischen New York und L.A. Neben dem großen Bruce war 1985 jedoch wenig Platz und Mellencamp kassierte rasch den Begleitsatz: „Springsteen für Arme“. Unpassend und schlicht falsch. Mellencamp spielte nie den pathostriefenden Breitwandrock wie sein erfolgreicher Kollege. Seine Lieder waren immer schon inwendiger, was er mit seinem siebten und charakteristischsten Album beweisen sollte.
Der Regen auf die Vogelscheuche brachte die großen Hits
Rain on the Scarecrow ist immer noch das Referenzwerk des störrischen Musikers. Mellencamp wuchs in einer Kleinstadt im Bundesstaat Indiana auf, war schon immer politisch aufgeweckt und hasste aus ganzen Herzen die Reagan-Administration, seiner Ansicht nach, die USA für immer verändern würde. Sein Album Scarecrow war ein Statement über die Missstände des Landes. Der Titelsong behandelt mit schmerzhaft deutlichen Worten den Verlust der Würde der heimischen Farmer.
Rain on the scarecrow Blood on the plow
This land fed a nation This land made me proud
And Son I'm just sorry there's no legacy for you now
When you take away a man's dignity he can't work his fields and cows
Mellencamp machte aus seinem Herzen nie eine Mördergrube. Seine offene Kritik an die Republikaner, welche er bis in die Bush-Jahre fortsetzte, schuf ihm in der eigenen Nachbarschaft viele Feinde. Für viele Amerikaner hat sich der Künstler aufgrund seiner konsequenten Kritik des Landesverrats schuldig gemacht. Wahrlich kein kluger Schritt für die Karriere in „Gods own country“, jedoch ein konsequenter. „Scarecrow“ war auch die erste „Americana“-Platte, bevor es dieses Genre überhaupt gab und kann stilistisch als einleitendes Album für die „No Depression“ Bewegung betrachtet werden, welche Anfang der 90er-Jahre alternativ Country-Bands wie Wilco, Sixteen Horsepower, Uncle Tupelo und Musiker wie Ryan Adams, Connor Oberst & Bonnie Prince Billie eine Karriere ermöglichte. Auch die restlichen 80er-Jahre waren gut zu Mellencamp. Zwei weitere Hitalben (The Lonesome Jubilee 1987 & Big Daddy 1989) und erfolgreiche Tourneen füllten die Kriegskasse. Ferner wurden zum ersten Mal die Kritiker auf ihn aufmerksam und lobten den melodiösen und fein arrangierten Countryrock.
Von Scheidungen, Herzinfarkten und anderen Karrierestolpersteinen
Der Preis für den Erfolg wurde, wie allzu oft, an der häuslichen Front bezahlt.1989 ging der Musiker durch eine hässliche Scheidung. Diese wurde offensichtlich mit einer trotzig wütenden Platte voller Pessimismus und apokalyptischen Warnungen bearbeitet. Whenever We Wanted von 1991verstörte viele Fans. Der gefällige Countryrock wurde von lärmenden E-Gitarren und kreischenden Bläsern verdrängt. In den 90ern entdeckte der Künstler auch die Malerei, was eine Veränderung im Fokus bedeutete. Die Alben dieser Zeit bedeuteten selbst für Fans besseren Durchschnitt und vermittelten trotz einiger starker Titel eine generelle Lustlosigkeit. Frustriert von der eigenen Stagnation und der Tatsache seit zehn Jahre keinen Hit mehr gelandet zu haben, wechselte Mellencamp 1998 Plattenfirma und Management und suchte bei traditionellen Rocklabel Columbia (Springsteen, Billy Joel) eine neue Heimat. Auch ein mühsam überwundener Herzinfarkt zwang den Künstler neue Wege zu gehen. Der Neuanfang sollte gleich mit einem selbstbetitelten Werk dokumentiert werden. Das Album war jedoch zu schwach und einer der Titel – „Pissing against the Wind“ – entpuppte sich als Orakel für Mellencamp`s Karriere. Nach einem weiteren Flop tauchte der Musiker unter. Auch die treuesten Fans waren sich sicher, dass hier ein weiterer alternder Rockstar seine Karriere endgültig zu Grabe getragen hat. Alle irrten.
Auferstehung durch Rückbesinnung
Um den unnötigen Springsteen Vergleich endgültig zu beenden, sollte die derzeitige erstaunliche Revitalisierung von Mellencamps Karriere mit der des Bob Dylan verglichen werden. Amerikas größter Songwriter ist in den 80er-Jahren auch am Ende seiner Weisheit angelangt. Schwache Alben und lustlose Tourneen ließen den Meister an sich selbst zweifeln und das Karriereende ernsthaft in Betracht ziehen. Es war dann das hervorragende Oh Mercy, welches Dylan aus der Ecke rausholte. Vollends befreit haben ihn dann seine beiden Alben mit Blues und Folkklassikern, welche er 1992 und 1993 veröffentlichte. Dylan besann sich seiner Wurzeln und veröffentlichte schließlich seine besten Alben seit Jahrzehnten. Auch John Mellencamp nahm 2003 ein Album mit Folk-Klassikern auf. Trouble no more wurde zwar kein großer Hit, befreite jedoch den Künstler von Zwängen und selbstgestellten Erwartungen. Sein darauffolgendes Studioalbum (Freedom Road 2007) entpuppte sich als zorniger Countryrock im Geiste von Scarecrow. In den Texten rechnete Mellencamp gnadenlos mit der Bush-Administration ab. Aber dies sollte nur die Aufwärmrunde für Life Death Love and Freedomsein, welches sein bestes Album bis heute werden sollte und 2008 erschien.
Zuhause angekommen mit Leben, Tod, Liebe und Freiheit
Fans und Kritiker zeigten sich verwundert und erfreut was in dem alten Knaben noch steckte. Man hat es vermutet aber nie zu erwarten gewagt. Nicht unwesentlich am künstlerischen Erfolg war Produzent T. Bone Burnett mitbeteiligt, der Mellencamp endgültig von den Konzepten befreite, dass seine Lieder eine radiofreundliche Produktion bräuchten. Burnett reduzierte die teils erschütternd direkten Lieder zum musikalischen Skelett. Textlich ist Mellencamp nach seinem nationalen Rundumschlag inzwischen bei sich selbst angekommen und beschreibt die letzten Dinge mit einer Endgültigkeit, die dem Hörer die Sprache verschlägt.
If I die sudden, Please don't tell anyone
There ain't nobody that needs to know that I'm gone
Das Album ist ein Meisterwerk amerikanischer Songwriterkunst und verdient einen Platz zwischen Springsteen und Dylans besten Werken. Das aktuelle Album No better than This setzt diesen Konzept noch konsequenter fort und orientiert sich am Sound alter Blues und Folkballaden aus den 1930er-Jahren. Aufgenommen im trotzig knarrenden Monosound, in traditionellen amerikanischen Studios, bietet No better than This eine spannenden Zeitreise in die USA des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Mellencamp hingegen, ist endgültig bei sich angekommen und macht offensichtlich nur noch das, was ihm am Herzen liegt. Dazu gehört auch das Projekt Farm-Aid, welches der Musiker gemeinsam mit Neil Young und Willie Nelson betreibt. Seit 20 Jahren findet jährlich ein Farm-Aid Musikfestival statt. Inzwischen wurden dadurch bereits Millionen für notleidende Farmer gesammelt.
Musikalisch hat Mellencamp inzwischen auch seine Vergangenheit geordnet. Nachzuhören bei seinem im Juni erschienen Vier-CD-Set On the Rural Route 7609, welches einen Karriereüberblick bietet. Die eigenwillige Songauswahl stellt für derartige Box-Sets ein Novum dar. Üblicherweise versammeln Künstler auf diesen Retrospektiven ausreichend Hits und eine Sammlung Raritäten für die Fans. Mellencamp hat das Konzept überworfen und bietet einen thematisch geordneten Blick auf seine Karriere mit Titeln, welche seiner Ansicht nach mehr Beachtung finden sollten. So finden sich auf Rural Route fast keine Hits, dafür jedoch 15 Titel aus den letzten beiden Alben und interessante Albumtracks aus den letzten 25 Jahren. Keine Konzessionen an den Markt, dafür eine spannende Einführung in das Werk eines der interessantesten und immer noch unterschätztesten Künstler der letzten drei Jahrzehnte. Einfach war er John Mellencamp nie, aber er hat immer für seinen Standpunkt gekämpft. Wie er das auf einem Titel aus dem 1985er-Album Scarecrow verdeutlichte.
You've got to stand for something
Or you're gonna fall for anything
Andi Bauer
Empfehlungen
Words and Music 2004 Mercury (Universal) ASIN: B00065VRXS
On the Rural Road 2010 Island (Universal) ASIN: B002GYHIWG
No better than This 2010 Decca (Universal) ASIN: B003NWS5DQ
14. Februar 2010
Sunday Morning Coming Down - Die Musik & Filmkolumne am Sonntag
Warum wir
Inzwischen forcierte Peter Gabriel seine Solokarriere und gab seinen Platten nicht mal einen Titel. Bis heute werden seine Werke chronologisch geheißen: die Erste, die zweite, usw. Ein Albtraum für die Marketingabteilung der Plattenfirma. Erst das Album SO aus dem Jahre 1986, durfte sich mit einem Titel schmücken. Musikalisch zeigte sich deutlich, dass hier kein Musiker auf der Suche nach Starruhm unterwegs ist, sondern vielmehr ein Getriebener auf der der Suche nach Klängen, Rhythmen und Melodien welche er als adäquate Ausdrucksformen einsetzten kann. Musik als Sprache. Gabriels erste vier Alben (1977-82), pendeln zwischen (sehr großzügig ausgelegten) Pop, Rock & äh Kunst. Gabriels Werke sind schwierige und faszinierende Klangkörper welche Aufmerksamkeit fordern. Sein fünftes Album SO brachte 1986 nicht nur einen Albumtitel, sonder auch den großen kommerziellen Durchbruch. Das Album hatte mit „Sledgehammer“ und dem wunderbaren Duett „Don`t give up“ mit der göttlichen Kate Bush zwei Monsterhits, und war auch sonst zugänglicher und massentauglicher – was in diesem Zusammenhang nicht „schlechter“ bedeutet. Gabriel nutzte zu jener Zeit auch das Musikvideo als neue Ausdrucksmöglichkeit und schuf grandiose Clips welche heute noch zu den Klassikern des Genres zählen. Die Tantiemen der Millionenverkäufe des SO Albums sprudelten und Gabriel investierte das Geld in sein Herzensprojekt – die REALWORLD Studios. 1988 eröffnete der Künstler das Studio in England und wurde zu einem wesentlichen, wenn nicht der ausschlaggebende, Initiator für die Globalisierung von Worldmusic. „Worldmusic“ gilt als Sammelbegriff für Musik, welche nicht dem Westen (Europa, USA) entspringt. Die Realworld Studios wurden zu einem Treffpunkt für Musiker aus der ganzen Welt. Von Afrika bis Südamerika gaben sich die renommiertesten Künstler dieser Regionen die Klinke in die Hand und nahmen in den Realworld Studios ihre Musik auf. Studiobesitzer
Andi Bauer
27. Januar 2010
CD des Monats zu gewinnen
Liebe Film & Musikfreunde
An dieser Stelle eine Mitteilung in eigener Sache. Ich möchte mich bei allen Blog-Lesern für die rege Teilnahme an „meiner“ Musik & Filmwelt bedanken. Im Besonderen geht der Dank an jene, welche bereits begonnen haben meinen Blog mit „missionarischem“ Eifer weiter zu empfehlen. Die soll nicht unbelohnt bleiben. Ab jetzt gibt es für jede Empfehlung die Möglichkeit die CD des Monats zu gewinnen. Die Teilnahme an der Verlosung ist einfach. Schreibt ein kurzes E-Mail an andibauer@goodatwise.com mit dem Betreff „Verlosung“ und der E-Mail Adresse des neu gewonnenen Blog-Lesers. Name wäre schön, ist aber nicht Pflicht. Manche bleiben gerne anonym. Der neue Blog-Leser wird in meinen Verteiler aufgenommen und kriegt dann regelmäßig per E-mail Nachrichten über aktuelle Blog-Einträge. Alle Mails welche bis 1. Februar 2010 an mich gehen nehmen an der Verlosung zur CD des Monats teil.
Diese ist im Monat Jänner: The XX.
Der Links - und Rechtsweg ist ausgeschlossen – ab durch die Mitte.
Für weitere Fragen, einfach schreiben
Andi Bauer
7. Januar 2010
Das letzte Wort zur Postweihnachtsdepression..
…..hat natürlich unsere liebste deutsche Band - Element of Crime
und singen dort das Lied vom Schädelweh.
Tritt nicht auf das Laub, darunter wohnt das Grauen
und das Gelbe daneben ist der Schnee.
Freu dich nicht zu früh auf den Sommer
Weihnachten ist gerade erst vorbei
Im Treppenhaus riecht es noch nach Glühwein
Und im Fernsehen läuft der weiße Hai
Hart verdient das Brot, härter die Erkenntnis
und am härtesten ein ganzer Tag mit dir.
Ruf mich einfach an, wenn du Inventur machst
und Hilfe brauchst von einem, wie mir.
Und dazu spielt die Band einen entspannten Countrygroove der sich irgenwie an einem französischen Chanson reibt. So soll es sein – so darf es sein.
Die Band spielt übrigens im Jänner Konzerte - in Wien, Linz & Innsbruck.
Für Liebende, liebeskranke und hoffnungslose
Andi Bauer
5. Januar 2010
Kalt wie Eis und Schwarz wie eine mondlose Nacht
THE XX
Auch so genannte Experten – wie der Autor dieser Zeilen – übersehen oft schwergewichtiges. So folgt an dieser Stelle ein reumütiger Nachtrag zu den besten Platten des Jahres 2009. THE XX.- ein beachtliches Debütalbum.. Um die 20 Jahre alt sind die 4 Mitglieder der Londoner Band und machen Musik welche wie aus der Zeit gefallen scheint, und doch den Zeitgeist oder zumindest den Wunsch der „Entschleunigung“ gerecht wird. Wenn Weniger wirklich Mehr ist – dann geht nicht mehr „Weniger“. Die vorliegenende Sammlung an Liedern ist mehr als „Mehr“. Minimalistische Instrumentierung trifft auf kühl distanzierten Gesang. Man fühlt sich angenehm, schaurig erinnert an die schwarzen musikalischen Löcher welche die großen Joy Divison produzierten und natürlich an die einzigartigen Young marble Giants und an die frühen Echo & the Bunnyman. Und doch ist THE XX ein eigenständiges in sich schlüssiges Debüt das es verdient gehört zu werden. Was sage ich verdient – jeder Musikfreund hat die verdammte Pflicht hier mal reinzuhören. In Chritalized trifft eine nervöse Gitarre auf einen sich immer wieder verlierenden Basslauf. Dazu singen Romy Craft und Oliver Sim und spielen sich die Worte gegenseitig zu, als ob Sie Ping Pong am Mond spielen würden – jenseits der Schwerkraft. In Shelter singt Romy bedrückend gespenstisch: „Maybe I have said something, that was wrong – Can I make it better with the lights turn on“. Dazu eine Gitarre – kalt wie Eis und ein bedrohlich unruhiger Basslauf. Das Licht geht aber nicht an – es bleibt dunkel und kalt.
Andi Bauer
26. Juni 2009
Der König ist tot
Michael Jackson ist tot – gestorben am 25. Juni in Los Angeles. Ab 29. August 2008 feierte der Künstler seinen 50sten Geburtstag.. Die Welt feierte Ihn mit Best of CDs, Shows, Berichten und vielem mehr. Als er 1982 sein Meisterstück „Thriller“ aufnahm war er 24 Jahre alt. Dazwischen passierte viel. Der ganz große Erfolg. Hunderte Millionen verkaufter Platten, Welttourneen mit Millionen von Besuchern, unzählige Preise und erzielte Rekorde. Und es passierte auch der immer größer werdende Wahnsinn. Operationen und Sauerstoffzelte, Hochzeiten und Scheidungen, veröffentlichte Probleme und öffentliche Sorgen, Anklagen, Gerichte und Vergleiche.
Michael Jackson ist eine der erfolgreichsten und eine der öffentlichsten Persönlichkeiten aller Zeiten. Jeder glaubt alles über Ihn zu wissen – was natürlich Quatsch ist. Wir wissen nichts. Wir urteilen nur aufgrund eines Bildes welches sich nach jahrzehntelangem Medienbombardements formte. Natürlich ist Jackson an seinem Image nicht ganz unschuldig. Heute wird er nur noch als kauzige, gebrochene Kunstfigur wahrgenommen. Trotzdem hat sich diese Behandlung durch die Medien – meiner Ansicht nach – niemand verdient. Sein Image ist inzwischen ein Selbstläufer geworden und wahrscheinlich irreparabel.
Was bleibt ist die Musik und die ist noch immer großartig. Seine Aufnahmen von 1979 bis 1987 sind mit Abschlägen Zeugnisse eines ganz großen Genies. „Thriller“ (1982) ist immer noch das meistverkaufte Album aller Zeiten (ca. 60 Millionen Einheiten) und bis heute ein makelloses Meisterwerk der Popgeschichte. Neun Titel sind darauf zu finden. Nur Hits, kein Füller, kein Gramm Fett. Sieben davon wurden als Singles ausgekoppelt und erreichten die US-Top Ten. Aber all diese Fakten sind nur Beiwerk. Wesentlich ist, dass die Musik den Test der Zeit überstanden hat – mühelos. Kramen sie ihre alte Cd oder Langspielplatte hervor und legen sie das Teil auf. (Sie besitzen die Platte nicht ??? – kaufen!).
Die mitreißende Melodie von „Billie Jean“, der unwiderstehliche Groove von „Wanna be starting something“, die Hardrock Gitarren in „Beat it“, die perlenden Gitarrenläufe und Keyboards in „P.Y.T.“, das bezaubernde „Human Nature“ begeistern noch heute. Quincy Jones produzierte superb, vereinte Pop mit Groove, Schwarz mit Weiß und Eleganz mit Leidenschaft. Und Michael Jackson – tanzte und sang wie von Göttern geküsst. Besser wurde er nicht mehr - und Popmusik auch nicht.
May He find peace in the other world.
Andi Bauer
Anbei ein Bericht in Billboard mit dem legendären Auftritt von 1983
Ps. inzwischen sind die Plätze 1-15 der Amazon.com Verkaufscharts ausschließlich von Michael Jackson CDs belegt - hat auch noch niemand geschafft.
28. Mai 2008
hungry
Pling, Pling . . . ein schüchternes Klavier eröffnet mit einsamen Tönen diese Platte. Langsam gesellen sich andere Instrumente dazu: Gitarre, elektrisches Piano, Orgel schön aufgereiht. Eine Vorstellung gelehriger Schüler? Es ist der seltsam subtile Einstieg in ein neues Werk der Tindersticks. Jener wunderbaren britischen Band welche in den frühen 90ern die Musikszene mit einzigartigen Meisterwerken beglückte. 1993 veröffentlichten Sie ihr Debütalbum – ein Jahrhundertwerk welches überall als Platte des Jahres gefeiert wurde. Dieser einzigartige melancholische Stil zwischen Folk, Blues und Pop zwischen verzerrten Gitarren und betörenden Arrangements, mit Texten zwischen dunklen Leidenschaften und gebrochenen Herzen hielt zwei weitere Alben. „Tindersticks II“ 1995 und „Curtains“ 1997 begeisterten die Presse und betörten die Fans. Anschließend versuchte sich die Band 3 Alben lang am Soul und verhob sich auf höchstem Niveau. Polierte Arrangement und ein croonender Sänger sollte nicht ganz das Ihre sein. Und dann waren Sie weg – nach einer letzten Tour 2003 tauchte die Band unter. Sänger und Songwriter Stuart Staples zog nach Frankreich veröffentlichte zwei kauzige Soloplatten und spielte beim Donaufestival in Krems.
Mit einem neuen Album hat eigentlich niemand mehr gerechnet.
Comeback rufen die unwissenden. Ach, was sind schon 5 Jahre für eine Band welche immer schon Musik für die Ewigkeit machte und es sich zwischen allen Stilen und jenseits des Zeitgeistes bequem machte. „The Hungry Saw“ klingt auch als ob die Band nie weg war. Alles ist wieder da was die Musik so unwiderstehlich machte. Die Orgel, der Kitsch und das Grauen, Die Streicher diesmal ein bisschen weniger, das Klavier diesmal ein bisschen mehr und Stuart Staples Stimme zwischen murmeln und seufzen. Und ein weiteres Mal werden die blutenden Herzen ausgepackt und seziert: „We wanted so much more, we wanted something else“ Schonungsloser kann man das Älterwerden und der damit unweigerliche Verlust einstiger Ideale nicht in einen Satz packen. Natürlich bleiben die Tindersticks ewige Romantiker und waten dabei ohne sich je im Zynismus zu verlieren durch den Sumpf von Enttäuschungen, wehmütiger Erinnerungen, unerwiderter Liebe und gebrochener Herzen. Und trotz der Besinnung auf alte Stärken ist die Musik vorwärts gewandt. Die französische Landluft hat gut getan. „Die flicker of a girl“ ist von einer frühlingshaften Leichtigkeit getragen und „Come Feel the Sun“ atmet schon fast den Sommer. Nur lange scheint sie nicht – die Sonne. Der Titeltrack schneidet böse ins Fleisch und „Yesterdays Tommorws“ sucht vergeblich den Trost in der Vergangenheit. Aber am Ende bleiben dann doch die Balladen welche sich majestätisch über den Hörer erheben. Der finale Dreier ist ganz großes Drama. „Boobar come back to me“, “All the Love” und „All the turns we took“ lassen alle Dämme brechen. Welch eine Platte – Welch erhebende Musik. Es gibt nicht mehr viel davon.
Wir haben die Einladung zu einer königlichen musikalischen Audienz erhalten. Nehmen wir diese dankbar war.
(copyright:) Andreas Bauer
24. Mai 2008
third
Was sind schon 11 Jahre? 1994 veröffentlichten Portishead ihr erstes Album. „Dummy“ gilt nach wie vor als Meilenstein in der Musiklandschaft; es begründete ein neues Genre (Triphop) und prägte die darauffolgende Musikepoche. Nach dem zweiten Album und einer Live-LP (1998) verschwand die Band – einfach so. Natürlich wurde auch in der Zwischenzeit „ähnliche“ Musik gemacht. „Tricky“, „Massive Attack“, „Radiohead“, „Morcheeba“, „Björk“ und viele mehr bastelteten an den Knöpfen und verbreiteten ihre traurigen Melodien. Und jetzt kann man all ihre Platten nehmen und entsorgen. Man wird sich nun fragen, ob man in Zukunft überhaupt neue Musik benötigt, denn wir haben die neue LP von Portishead gehört. Was für ein Werk. Unbeschreiblich, unfassbar. Entrückt und anziehend wie ein schwarzes Loch. Ein Monolith, welcher sich jeder Beschreibung entzieht. Man hört zu und fasst es nicht: Krautrock? Industrial? Freejazz? Trip Hop? Avantgarde? Nichts von all dem und doch alles und vieles mehr. In einer Zeit, in der die Musikindustrie unentwegt jammert (über das „böse“ Internet) und das Crossmarketing vorherrscht, wo alles mit jedem verkauft werden muss; in einer Zeit, in der Bands wie Radiohead glauben, dass der Zukunftserfolg im Verschenken von Musik liegt, zeigen Portishead, dass die Zukunft der kriselnden Musikindustrie nur in guter Musik liegen kann. In einer Zeit, in der die kleinste Indie-Band einen Marketing- und Stylingplan hat, wirft eine Band wie Portishead ein Album auf den Markt, das weder seiner Zeit entspricht, noch irgendwo hinpasst und sich nicht vermarkten lässt. Sie veröffentlichen somit die einzige richtige Platte für unsere Zeit. Niemand in der ganzen Branche hat die Innovation, den Mut und die Konsequenz solche Musik zu veröffentlichen. Portishead tun es – weil Sie es können und weil sie es wollen. Die beste Platte des Jahrzehnts?
Mindestens!
copyright: Andreas Bauer