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10. April 2011

Sir Bob wird 70

Am 24.5. wird Bob Dylan seinen 70. Geburtstag feiern.
Wahrscheinlich irgendwo auf einer Konzertbühne, da der gute Bob seit 1988 auf seiner „Neverending Tour“ ist. Seit 1960 veröffentlicht Dylan bei ein und derselben Plattenfirma seine Musik - Columbia/Sonybmg. Und da die Tante Sony derzeit aus dem toten Michael Jackson nix mehr rauskriegt und es gerade dieses Jahr mit Elvis nichts zu feiern gibt (76. Geburtstag gibt nichts her), wird wird der hilflose Konsument ab Mai von einer unwiderstehlichen Bob Dylan-marketingwelle überrollt werden. „Du müssen kaufen“ wird es unweigerlich aus allen Äthern schallen.

Nicht jedoch für den Leser dieses Blogs, welcher hier wiederum die Rolle des gallischen Dorfes wahrnimmt. Wir werden dem Wahnsinn standhalten und liefern schon jetzt den einzigen objektiven (ich habe die Dylan-Wahrheit) „Bob Dylan-kauf-empfehlungs-guide“. Geordnet für Einsteiger, Kenner, Sammler, Angeber, Besserwisser und Ignoranten.

Für Ignoranten & Komplettisten

Sie interessieren sich nicht wirklich für Pop & Rockmusik, haben von Bob Dylan gehört und das dieser wichtig sei und wollen eine CD von ihm kaufen - weil man so was haben muß. Abgesehen davon, daß Sie offensichtlich im - für Sie – falschen Blog gelandet sind, kann ich Ihnen nicht wirklich helfen. Bob Dylan hat in einem Zeitraum von über 50 Jahren Hunderte Songs und über 32 Studioalben aufgenommen (Livealben, Soundtracks & Anderes nicht mitgezählt). Fast jedes Album spielte Dylan mit anderen Musikern ein und bewegte sich dabei in nahezu allen Stilen von Blues & Folk über Rock & Country zu Gospel & Pop und wieder zurück. Wer glaubt, daß man das Werk dieses Mannes auf eine simple „Greatest Hits –CD“ bannen kann, sollte gleich die Finger von Sir Bob lassen. Und wenn es dann unbedingt sein muß kaufen Sie:

The Best of
  und schämen Sie sich.

 Für interessierte Einsteiger:

26. September 2010

Sunday Morning Coming Down..…….und ich will auch mehr Aufmerksamkeit

Das Leben ist einfacher geworden seit wir in einer Mediengesellschaft leben, man weiß wie es läuft und ist gefeit vor Überraschungen. Das uralte Spiel „ich provoziere – du entrüstest dich – und wir kommen beide in die Zeitungen“ läuft mittlerweile erfolgreich auf allen Kanälen – und alle machen mit und freuen sich. Sei es in der Politik, wo der Hans Christian (früher wars der Jörgl) einen Rülpser loslässt und darauf immer dieselben Reaktionen auslöst. Die Grünen wild empört: „Faschistische Nazibande“. Die Sozis moralisch wetterleuchtend: „Das darf man aber nicht so sagen“ und die Schwarzen staatsmännisch schweigend: „Also wir kommentieren das sowieso nicht“. Und alle dürfen als Belohnung wieder in die Zeitung. Und die Zeitungsleute haben was zu schreiben und die Bürger den Eindruck, dass die Politiker eh noch da sind und irgendwas tun. Natürlich lenkt das Ganze auch den unmündigen Bürger von den üblichen Mauscheleien, wirklichen Skandalen, korrupten Postenschachereien und anderen Schweinerein ab.
Ich hab ja so eine Theorie, das unsere Politiker einen wöchentlichen jour-fix haben – in irgendeinem Hinterzimmer im Cafe Landtmann. Da treffen sich dann der Werner, der Joschi, die Evi und der Hansi (der Buchi darf nu net dabeisein) und überlegen sich gemeinsam ein paar Aufreger und passende Reaktionen fürs dumme Volk und die Zeitungen.
In der Popmusik läufst ja auch nicht anders. Lady Gaga wechselt ja stündlich ihre Kleidung für die Fotografen. Ein kleiner Höhepunkt unter vielen Anderen war ein Kleid aus echten Fleischstücken auf dem Cover des „Vogue“ Magazins. Na, da war was los. P.E.T.A. (People for the Ethical Treatment of Animals), diese politisch korrekte Tierschutz-Terrorbande für Gutfühl-Prominente, schäumte ganz böse und rief sofort zum weltweiten Boykott von Lady Gaga CDs auf. Kauft nicht die Musik dieser Mörderin schallte es aus einschlägigen Foren. Nun die Lady ist froh, weil wieder ordentlich in den Medien, die P.E.T.A. ist froh weil Sie der Welt zeigen kann, dass sie noch eine Existenzberechtigung hat und die Plattenfirma ist natürlich froh, weil solche Aktionen den Verkauf ankurbeln. Die einzige die sich sorgen machen sollte ist Lady Gaga, denn langsam gehen mit Sicherheit die Ideen für Kleidung aus – viel ist da nicht mehr. Ein Röckchen aus Schlamm vielleicht oder ein Hut aus Straußeneiern oder ein Höschen aus lebendigen Schmetterlingen. Wir sind gespannt.
Sorgen sollte sich auch der Robbie Williams machen, denn dem sind die musikalischen Ideen schon vor fünf Jahren ausgegangen. Im Oktober kommt schon wieder ein Best-Of CD in die Läden und seitdem der Gute in festen Händen ist, gibt’s auch keine vernünftigen Skandale mehr um das Ding zu promoten. Nix mehr mit Drogen, Depression, Sexparties, Übergewicht und all das Andere, was man so gerne von dem Schlingel liest. Und die geplante Réunion mit den alten Kumpels von Take That wirkt auch eher wie ein Klassentreffen von Kerlen in der Midlifekrise. Na vielleicht fällt Robbies Management noch was Cooles ein um ordentlich in die Zeitungen zu kommen. Dafür werden die Kerle schließlich bezahlt.
Andi Bauer

19. September 2010

Sunday Morning Coming Down - Bono, Eddie, Jimi & Bob tanzen entlang dem Wachturm

Mit seinem Film “I`m not there“ von 2008 versucht Regisseur Todd Haynes sich dem Musiker Bob Dylan zu nähern. Er machte das einzig richtige, indem er die verschiedensten Phasen der Karriere des Musikers, von sechs Schauspielern verkörpern lässt. Darunter finden sich Christian Bale, Richard Gere, Heath Ledger und sogar Cate Blanchett, die Bob Dylan darstellen. Ein sehenswerter Film mit einem interessanten Soundtrack. Musiker der aktuellen Alternativrockszene interpretieren Lieder des Meisters. Ein schöner Querschnitt durch viel frühes, ein bisschen mittleres und wenig spätes aus 40 Jahren Musikgeschichte. Nebst einigen witzigen und auch skurrilen Visionen gibt’s wieder mal eine Version von „All along the watchtower“. Viele große scheiterten bereits an diesem Lied, wie auch U2. Bono fühlte sich 1988 sogar bemüßigt eine Textzeile zu „Watchtower“ hinzuzufügen.
„All I got is this red guitar, tree accords and the truth“
Ja, so peinlich ist das heute noch - nach 22 Jahren, nachzuhören auf „Rattle and Hum“. Auch auf dem Soundtrack von „I`m not there“ wird ein neuer Versuch gestartet das Lied neu zu deuten. Pearl Jam Sänger Eddie Vedder knödelt sich durch das Lied, durch begleitet von einem breiten schweren Morast aus Grungegitarren. Ein Jammertal. Es gibt einfach Lieder von „Sir Bob“ die brauchen keine Erklärungen und Neudeutungen. Und „Watchtower“ hat schon eine definitive Version, die von Jimi Hendrix. Erschienen ist das Lied erstmals 1968 auf Dylans „John Wesley Harding“ Album, das nach einem zweijährigen verletzungsbedingten Asyl – damals war das sehr, seeehr lange – von den Fans sehnsüchtig erwartet wurde. Während Kritiker, selbsternannte Experten und Dylanologen versuchten den kryptischen Text zu entschlüsseln, nahm sich Jimi Hendrix der Nummer an. Hendrix sang das Lied, nicht sondert spuckte die Worte aus als seien diese giftige Säure, nahm seine Gitarre, zerschnitt die Nummer in winzige Stücke und schoss diese ins Universum. Da blieb nichts mehr übrig, von der ursprünglichen Folkversion. Dylan war so begeistert, dass er verkündete nur noch die Hendrix Version des Liedes live zu spielen, da dies nun die definitive sei. Somit zeigte er, dass es in der Musik nicht immer um das begreifen der Noten und Akkorde geht, sondern auch darum den Geist des Werkes zu erfassen. Um was in dem Lied wirklich geht, sagte Dylan noch nie. Sein Kommentar zum Album ist in seinem Buch „Chronicles“ nachzulesen. „Some Folk/Countryalbum inbetween“. A-Ha. Für mich ist die Bedeutung der Nummer klar. Es sind 6000 Jahre biblische Geschichte, von der Schöpfung bis heute und wieder zurück. Und wenn man sich die Geschichte so anschaut, dann braucht es wahrscheinlich eine Gitarre von Hendrix um diese adäquat zu erzählen.



All along the Watchtower
"There must be some kind way out of here
Said the joker to the thief
There's too much confusion
I can't get no relief

Businessmen, they, they drink my wine
Plowmen dig my earth
None will level on the line
Nobody of it is worth", hey

No reason to get excited"
The thief, he kindly spoke
"There are many here among us
Who feel that life is but a joke

But you and I, we've been through that
And this is not our fate
So let us not talk falsely now
The hour is getting late", hey

Hey

All along the watchtower
Princes kept the view
While all the women came and went
Barefoot servants too

Outside in the cold distance
A wildcat did growl
Two riders were approaching
And the wind began to howl, hey

All along the watchtower
All along the watchtower”

12. September 2010

Sunday Morning Coming Down - Jesus der Lässigen

Gerade ist Post aus den USA eingetroffen. Ein guter Freund hat mir ein T-Shirt mit der Aufschrift. „Finally We Nailed the Jesus Of Cool“ geschickt. Dieser Werbespruch für ein Album von Nick Lowe aus dem Jahre 1978 bringt mich zu einer wichtigen Frage. Möglicherweise zu DER Frage überhaupt. Wie lautet der beste Plattentitel aller Zeiten. Auswahl gibt es genug. „Achtung Baby“ von U2 etwa, doof aber witzig. Oder „Ragged Glory“ als Neil Young die Gitarre auspackte und damit ein Inferno auslöste. Treffend und geistreich. Der Titel sollte auch mit den Liedern oder der Geisteshaltung des Albums zusammenhängen. Als Universal 1995 eine 4-CD Box von Bob Marley veröffentlichte nannten sie diese sinnigerweise „Songs Of Freedom“. Ein Textausschnitt aus dem wunderbaren „Redemtion Songs“ und zugleich Bob Marleys Lebenseinstellung und eine treffende Zusammenfassung seiner Lieder. Was gibt es noch zur Auswahl. Einige Ideen an dieser Stelle:

REM / Eponymous
The White Stripes / Icky Thump
Morrissey / Viva Hate
The Smith / Meat is murder
The Smith / The queen is dead
New order / Substance
Simon & Garfunkel / Bookends
Frank Sinatra / In thee we small hours
Joy Division / Closer
Emerson Lake Palmer / Brain Salad Surgery
Ween / Chocolate and Cheese
Muse / Origin of Symmetry
Led Zeppelin / Physical Graffiti
Led Zeppelin / Presence
Sigur Ros / ( )
Pet Shop Boys / Yes
Pet shop Boys/ Please
Pet Shop Boys / Very
Bob Dylan / Blood on the Tracks
Herbert Grönemeyer / Bleibt alles anders
Falco / Junge Römer
Nirvana / Nevermind
The Beatles / Help
The Rolling Stones / Beggars Banquet
Elvis Presley / From Elvis in Memphis
James Brown / I`m black and I`m proud
Miles Davis / A kind of blue
Massive Attack / Blue lines

Alle diese Titel sind zwar gut aber,.... der beste Albumtitel ist:
THE JESUS OF COOL von Nick Lowe (das T-Shirt). Nicht einverstanden?
Dann schreibt mir Eure Meinung zum besten Titel. Ich freu mich drauf.
Andi Bauer

29. August 2010

Sunday Morning Coming Down - wer zu spät kommt - den bestraft der Platzanweiser

Für Menschen welche zu spontanen Entscheidungen tendieren – und diese sind angeblich oft die besten – empfiehlt sich heute die Teilnahme an der ACTION-CON in Innsbruck. Andere haben die Teilnahme an diesem Event bereits geplant und das Ticket reserviert – auch gut – wichtig ist die Teilnahme. Ob jetzt Eure Teilnahme von strategischer langer Hand vorbereitet ist, oder nur ein Schnellschuss - ihr seid herzlich willkommen. Die ACTION-CON bietet eine Vorführung des neuen „Stallone-Krachers“ THE EXPENDABLES, einen Vortrag des Filmexperten (lob & preis) Andi Bauer, Gewinnspiele und die Möglichkeit Freunde und Fans des Genres an Ort & Stelle zu treffen. Veranstaltet wird der Event vom Filmclub Tirol und dem Innsbrucker Metropol Kino. Beginn ist um 17:30 Uhr.
Also liebe Action-Filmfreunde, durchladen und auf nach Innsbruck.
Ich freu mich euch dort zu sehen.
Andi Bauer

21. August 2010

Sunday Morning Coming Down - Sie werden knapp, die Filmbösewichte

Die wichtigsten Zutaten für einen Actionfilm sind bekannt.
- Ein Held mit einem Motiv (meist Rache oder ähnliches)
- Ganz viele Bösewichte, die es gilt zu beseitigen.
Der Rest der Geschichte ist dann schnellt geschrieben. Dann braucht man nur mehr ein paar Specialeffekts Spezialisten, Sprengstoffexperten, eine Handvoll Stuntman, jemanden der weiß wie man eine Kamera aufstellt, ein paar Kerle die Kabeln herumschleppen und einen Koch der mit Kartoffeln & Fleisch umgehen kann um die Mannschaft bei Laune zu halten. Der geneigte Leser ahnt es bereits, der Schwachpunkt sind die Bösewichte. Damit ein Actionfilm funktioniert, muss es dem Helden gestattet sein, diese zu Dutzenden mit kreativster Waffengewalt umzulegen, ohne dass sich beim Zuseher sowas wie Mitgefühl regt. Und da wird es bereits eng.
Früher – natürlich - war alles einfacher. Da gab es noch die Indianer. Gute Cowboys haben böse Indianer zu Hunderten vom Pferd geschossen. Jahrzehntelang genoss das Publikum (vorwiegend amerikanisch) die offizielle Geschichtsfälschung welche sich „Western“ nannte und strömte ins Kino. Doch irgendwann war der letzte Indianer „befriedet“ und wollte nicht mehr in die Rolle als Bösewicht passen – das war so um 1960. Zum Glück für Hollywood gab es davor einen Krieg und eine neue Spezies des Bösewichts stand zur Verfügung – Nazis und Kommunisten. Wobei die Kommunisten glimpflich davon kamen – die haben auch den Krieg gewonnen und deren Ideologie ist immer noch bei vielen Filmemachern und Schauspielern beliebt. Der Nazi jedoch, ist der idealste und dankbarste Filmbösewicht.
Obwohl sich auch hier bereits erste Abnutzungserscheinungen zeigen. Einerseits der Zahn der Zeit – die aktiven Nazis sind mittlerweile zwischen 90 Jahre und verwesend. Für einen modernen, knackigen Actionkracher nicht ideal. Anderseits ist Deutschland inzwischen nach dem USA, GB und Japan der wichtigste Filmmarkt für Hollywood. Man will ja die Kunden nicht unnötig vergraulen. Beim ersten „Stirb Langsam“ Abenteuer des tapferen Bruce Willis (1988) löste man diesen Konflikt noch elegant. Im Original waren die meisten Terroristen Deutsche, haben deutsch gesprochen und wurde von einem Deutschen namens Hans Gruber (Alan Rickman) angeführt. Als der Film synchronisiert wurde, hat man aus den Deutschen schleunigst Weltenbürger gemacht und sogar die Namen geändert. Das deutsche Publikum hat nichts gemerkt und sich brav an den Kinokassen angestellt um Bruce Willis anzufeuern „internationale“ Terroristen auszuschalten. Immer kann das natürlich nicht gut gehen. Am geschicktesten hat das wahrscheinlich George Lucas gelöst. Er hat einen Western im Weltall gedreht, nannte diesen „Star Wars“ und ersetzte die Indianer durch gesichtslose Klonkrieger. Da kann man Hunderte umlegen und niemanden juckt`s. Eine Verschnaufpause für die Deutschen brachte auch der Vietnamkrieg und diverse Konflikte in Mittel & Südamerika. So häuften sich in den 60er & 70er Jahren asiatische Bösewichte in Hollywood, während es in den 80er Jahren üblich wurde, hochgerüstete Einzelkämpfer in namenlose Staaten nach Süd & Mittelamerika zu entsenden um dort „aufzuräumen“.
Die Afrikaner haben es nie so wirklich als Bösewichter geschafft, abgesehen von einigen britischen Kriegsfilmen aus den 70er Jahren welche noch immer als rassistisch gescholten werden. Für das politisch korrekte Hollywood ist Afrika als Gegner zu heikel. Ridley Scotts Kriegsdrama „Black Hawk Down“ über die tatsächlichen Ereignisse im Bürgerkrieg von Somalia Anfang der 90 Jahre, wurde schwer gescholten. Rassistisch, unsensibel und überhaupt sind die ehemaligen Kolonalmächte schuld, dass in Afrika nix weitergeht. Äußerst heikel ist es auch Islamisten als Bösewichte einzusetzen. 1993 drehte James Cameron „True Lies“ mit Arnold Schwarzenegger, der als Top-Agent islamistische Terroristen bekämpfte und zu Dutzendenden ins Paradies beförderte. Die Vorwürfe gegen den Film waren massiv. Wie kann man nur Mitglieder dieser friedliebenden Religion als Terroristen darstellen. Noch schmerzhafter war es möglicherweise anzusehen, dass die Terroristen im Film als saublöd dargestellt wurden - unfähig eine Videokamera zu bedienen.
Nach 9/11 wurden die öffentliche Meinung der USA von Verschwörungstheoretikern wie Michael Moore, Al Goore und friedliebenden Rockmusikern & Schauspielern bestimmt – nennen wir es das: „George Clooney-Prinzip“ – Wir leben vom Kapitalismus und wettern dagegen. Dies hatte auch Auswirkung auf Hollywood. Der Feind war nicht mehr draußen sondern schon drinnen. Während in den ersten drei „Stirb langsam“ Abenteuern Bruce Willis gegen Deutsche, Südamerikaner und Engländer focht war im vierten Teil (2007) der Bösewicht ein ehemaliger CIA-Mann. So ging es munter weiter, der wackere Actionheld musste sich von nun an gegen die ausnahmslos korrupten amerikanischen Behörden durchsetzten. Kein Film mehr ohne einen Verräter auf höchster Ebene – alles verkommene Kriegstreiber. Der aktuelle Actionreißer INCEPTION bekämpft die Bösewichter überhaupt nur mehr in den Träumen. Niemand wird verletzt oder gekränkt – der perfekte Actionfilm für das neue Jahrtausend. Was bringt die Zukunft? Ein Actionfilm, wo eine Bande skrupelloser Finanzspekulanten (mit teurer Anzug und Gel im Haar) die Tochter des Helden (Bruce Willis) entführt. Dieser weiß dann was zu tun ist. Das wird ein Gemetzel. „Yippie I yeah, Schweinebacke“.
Ansonsten wird es langsam eng am Markt für Bösewichte. Es bleiben nur mehr Außerirdische und Nordkoreaner. Sylvester Stallone dessen große Zeit die 80er Jahre waren und die er mental auch nie verlassen hat, verkloppt jedoch in seinem neuen Reißer „The Expendables“ wieder mal ein paar Südamerikaner – ganz ohne Genierer und ohne Rücksichtnahme auf die politisch korrekten Saubermänner. Der traut sich was. Vielleicht hat der klassische Actionfilm doch eine Zukunft.
Wer sich davon überzeugen will, der sollte – ACHTUNG SCHLEICHWERBUNG – dem empfehle ich unbedingt zur ACTION-CON nach Innsbruck kommen.
Mehr Infos zu diesem Event gibt es hier:
www.filmclub-tirol.at
Andi Bauer

15. August 2010

Sunday Morning Coming Down - Kunst kommt von können – das gilt auch für Actionfilme

„Mit dem "A-Team", schon als Serie nur ein schlicht gestrickter Nachmittagsfüller, ist ein Tiefpunkt erreicht.“
Rolling Stone
"A-Team" mit Liam Neeson und Jessica Biel - ein Remake als Totalschaden.“
Der Standard
„Eine Ansammlung unwitziger Jokes, dämlicher Actionszenen, unterforderter Schauspieler und gähnende Langeweile.“
Musikexpress
So tönt es durch den Blätterwald bezüglich des Films A-Team. Ohne Ausnahme scheinen sich die Kritiker darauf eingeschossen zu haben, den Streifen in Grund & Boden zu schreiben. Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Ist es die geheime Mission der Filmkritiker, den Menschen den Kinobesuch zu vermiesen. Vielleicht liegt es am europäischen Minderwertigkeitskomplex gegen Großproduktionen aus Hollywood, ist es simpler Antiamerikanismus oder nur die Abneigung gegen unterhaltsame Filme. Denn das ist, das A-Team, ein unterhaltsamer Actionfilm mit Humor. Zugegeben der Film ist weder tiefsinnig, noch bietet er eine außergewöhnliche Geschichte oder beeindruckende schauspielerische Leistungen. Dieser Anspruch wurde auch nie erhoben und es ist daher schlicht unfair eine Actionkomödie welche schlicht unterhalten will mit cineastischen Großtaten oder Oscar-Anwärtern zu vergleichen. Dies tun aber Kritiker im deutschsprachigen Raum. So war es auch die Qualitätszeitung „Die Presse“, welche 2003 Die Rückkehr des Königs (der dritte Teil der Herr der Ringe Saga) gnadenlos zerriss. Der Redakteur sah im Film eine dramatische Parallele zum Irakkrieg und verglich die die Heer der vereinigten Menschen mit den bösen imperialistischen Invasoren aus den USA. Ja wenn man will kann man sich in seinem Köpfchen alles zu Recht spinnen. Wie auch der dänische Regisseur Lars von Trier, der definitiv spinnt. Nachzuprüfen bei dessen letzen Werk Antichrist. Ein von sinnloser Gewalt und kruden Ideen strotzender Film ohne Sinn und Verstand. Der Regisseur bezeichnete den Film selbst als persönliche Therapie. Auch schön, vor allem wenn diese Therapie andere bezahlen müssen – vorrangig die EU-Filmförderung, welche den Großteil des Budgets bereitstellte. Natürlich ist Antichrtist ein Liebling der Kritiker und des Feuilleton. Das ändert nichts daran, dass bis auf wenige Einstellungen zu Beginn, der Film einfach nur großer Quatsch und noch größerer Mist ist. Aber gutschreiben und schönlügen kann man sich viel, vor allem wenn man zum elitären Club der Klugen und Geschmacksicheren gehören will. Die „Dummen“ gehen inzwischen ins Kino und geben ihr Geld für Unterhaltungsfilme aus, fühlen sich meist wohl und sind mitunter sogar glücklich und zufrieden nach einem derartigen Kinobesuch. Denn so dumm ist die breite Klasse nicht wie uns die Medienelite immer weiß machen will. Schlechte Actionfilme wie Triple X Teil 2 oder unlustige Komödien fallen beim Publikum unweigerlich durch. Aber solange die Kunstmafia Äpfel mit Birnen vergleicht und im amerikanischen Unterhaltungsfilm den Untergang des Abendlandes sieht, wird der „Actionfilm“ schwer von seinem Image der oberflächigen Unterhaltung wegkommen. Darum nehmen wir die Sache selbst in die Hand und veranstalten in Innsbruck (das Herz Europas – geographisch und überhaupt) am 29. August die erste ACTION-CON. Mehr Infos dazu bald – hier in diesem Theater.
Andi Bauer

8. August 2010

Sunday Morning Coming Down - Geld, Dreck & kein Rock N´Roll – ein Besuch bei Rockfestivals

Wann der Terror der Rockfestivals so richtig begonnen hat ist schwer zu sagen. Das erste bedeutende Festival der Rockgeschichte war 1969 in Woodstock. Der zufällige Erfolg – 500.000 Menschen kamen anstatt der erwarteten 30.000 - hat sicherlich findige Geschäftsleute auf die Idee gebracht, dass da was geht. Als Teil der Jugendkultur zählen Rockfestivals seit den 90ern des vorigen Jahrtausends. Sei es Reading in England, Rock im Ring in Deutschland oder Roskilde in Dänemark überall sprießten die Festivals wie Pilze und gingen nicht mehr weg. Auch in Österreich von Ost bis West: Frequenzy, Forrestglade, Lovely days und das großkotzige Novarock Als durchschnittlicher oder ewiger Jugendlicher muss man heutzutage im Sommer auf mindestens ein Festival gehen. Das diese Megaveranstaltungen mit Musik nur noch entfernt zu tun haben passt sogar ins Konzept. Allroundentertainment nennt man das. In unserer Multi-level-mega-welt kann man ja nicht erwarten, dass die Angereisten mit einer einzigen Band glücklich und zufrieden zu stellen sind. Alles muss her. Von Punk, über Indie, Metall bis Elektro und sogar Disco tummeln sich die Musiker. Die meisten Bands beschallen mit sehr kurzen Auftritten, in lausiger Atmosphäre (die meisten Besucher hören eh nicht zu) und schlechten Sound die Massen. Tolle Bands werden in der Nachmittagssonne verheizt und am Abend spielen immer die „Toten Hosen“. Dazu gibt’s Fressen & Saufen, Zelte für Tatoos & Piercing, Infos für Veganer und Tierschützer, Verkaufsstände mit esoterischen Klimb-Bim, Bungeejumping und Werbung für Handys und Coca Cola. Lupenreiner Kapitalismus für (vermeintliche) Hippies, GrünInnen, Aussteiger & Alternativos. Man fühlt sich wie cooler Rebell und pumpt gleichzeitig Geld in die verhassten Megakonzerne. Das Publikum reist für drei Tage an, schläft im Dreck mit zehntausend Anderen und muss sich stundenlang für die Toiletten anstellen. Was, wenn es schnell gehen soll, logischerweise zu noch mehr Dreck führt. Wenn man dann nachher die Besucher nach bestimmten Bands fragt, hört man immer dieselbe Antwort. „Was die waren auch, hab ich nicht mitgekriegt, aber „Metallica“ waren cool – und die „Toten Hosen“. Klar, zum zuhören hat heute keiner mehr Zeit. Am Ende reist man stolz wieder ab, gleich eines Kriegshelden der überlebt hat und lässt – bis auf wenig rühmliche Ausnahmen – seinen Müll zurück. Ich brauche sie nicht die Festivals und an alle die jetzt denken das ich ein alter konservativer Sack bin. Mag sein, aber auch ich war schon auf einigen Festivals und mich hat es schon als Sechzehnjähriger genervt in der Pisse Anderer zu zelten.
Andi Bauer

11. Juli 2010

Sunday Morning Coming Down - Wann sind die 80er Jahre endlich vorbei

Es ist verständlich dass ältere Menschen – wie der Autor dieser Zeilen – gerne die Musik & Filme ihrer Jugend konsumieren. Man fühlt sich halt wieder jung und die alten Säfte fließen wieder. Das hat die Wirtschaft auch irgendwann entdeckt und belästigt seitdem die Konsumenten mit Revivals von der „guten“ alten Zeit. Zuerst waren es die 60er Jahre. Gerne – die Musik war durchwegs toll, James Bond hieß noch Sean Connery, und Liebe & Friede sind ja was Schönes. Dann wurden die 70er Jahre ausgegraben. Glockenhosen, Punk & Abba. Haben wir auch noch ertragen. Das widerstandsfähigste und langlebigste Revival scheinen jedoch die 80er Jahre zu sein. Dieses wurde vor ca. 10 Jahren begonnen und geht nicht mehr weg. Warum eigentlich? Es war eine schreckliche Zeit. Ich weiß das, ich war dabei – quasi mittendrin. Die Yuppies und rücksichtloser Hedonismus dominierten die Gesellschaft, der kalte Krieg tobte und die heimischen Politiker erklärten uns, dass die Pensionen gesichert seien (ja, die Ihren). Die Charts wurden dominiert von Plastik-Pop & New Wave: Pet Shop Boys, A-Ha, Depeche Mode & Duran Duran – und das sind die Guten!!! Hardrock mutierte endgültig zu einem schlechten Witz, den die Protagonisten todernst nahmen. Langhaarige Egomanen, Gitarrenfresser und Schreihälse spreizten Ihre - in Spandex gehüllten - Beine und verkauften Millionen. Darunter die Scorpions, Bon Jovi, Def Leppard & Europe (und das sind die Erträglichen). MTV reckte sein hässliches Haupt und startete mit dem hauseigenen Gesinnungsterror (Wir wissen was cool ist – der Rest findet nicht statt). Die interessanten Entwicklungen und Revolutionen werden mundtot gemacht (Hip Hop) oder ignoriert (Indierock). Auch im Kino herrschte die witzlose Leere. Komödien waren peinlich unlustig (Police Academy). Dazwischen herrschte kunstvolles Betroffenheitskino (Gandhi, Schrei nach Freiheit & The Killing Fields). Nie war sich die Volksmeinung einiger: „Die hattens schon schwer, damals in Indien und Afrika, die armen Hatscherl – da müssma schon was spenden“. Auch der Actionfilm war bierernst. Seagal, Van Damme, Stallone & Schwarzenegger kämpften an allen Fronten gegen Kommunisten und andere Gegner der freien Welt. Gefangene wurden zwar befreit, jedoch keine gemacht. Die befreiende Ironie zog erst Ende der 80er Jahre ins Actionkino ein durch Stirb langsam & Lethal Weapon. Trotzdem oder deshalb, setzt Hollywood auf die 80er Jahre. Gleich drei Ideen werden recycelt. Mit großem Erfolg läuft bereits in den USA das Remake von Karate Kid. Unbegreiflich, war bereits das Original stinkfad und mit unerträglicher Moral angesäuert. Asiatische Weisheiten für den westlichen Markt zurechtgestutzt. „Du musst an den Bonsai glauben“ und ähnlicher Quatsch wurde abgesondert. Ein Remake das niemand braucht und jeder sehen will. Zweiter Anwärter in der Kategorie – wir haben keine Ideen und machen trotzdem Filme – ist die Verfilmung der charmanten Serie „A-Team“. Zugegeben, die Vorschau wirkt recht witzig und mit Liam Neeson als zigarrenpaffenden Hannibal scheint ein Besetzungscoup gelungen zu sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass es auch eine Geschichte gibt und dass die Zigarre im letzten Moment nicht rausretuschiert wird – im rauchfreien Europa. Der vorläufig letzte Wiederholungstäter ist „Predators“, eine versteckte Fortsetzung des Schwarzenegger Reißer von 1987. Charakterdarsteller und Oscar-Preisträger Adrian Brody wollte wohl auch mal ein bisschen Krieg spielen und agiert als rücksichtsloser Söldner im Kampf gegen die Jäger aus dem Weltall. Ihm zur Seite ballern und sterben die üblichen austauschbaren Figuren aus aller Herren Länder, welche nach dem Prinzip der „10 kleinen Negerlein“ als Monsterfutter dienen dürfen. Die Mischung aus Remake und Fortsetzung ist so ideenarm, dass man im Vergleich dazu, das Original als klugen und perfekt choreographierten Actionfilm wahrnimmt. Zumindest hat Arnie weder dämlich im Dschungel herumgeflirtet, noch überflüssig herumgequatscht, sondern dem Vieh gezeigt wo „der Bartl den Most herholt“. War vielleicht doch nicht alles schlecht in den 80er Jahren.
Andi Bauer

27. Juni 2010

Sunday Morning coming Down - Italienische Fußballer, Michael Jackson und andere Fehltritte

Ich mag Fußball. Und ich mag die Experten. Brillant und treffsicher wie Meinungsforscher – die „Absolute für die SPÖ und 20 % für die Grünen im Burgenland – mindestens“. Ein Glück das die Kerle nicht für messbare Leistungen bezahlt werden. Wären allesamt Sozialfälle. Nicht anders beim Fußball. „Die Franzosen und Italiener sind Topfavoriten“ meinte Herbert „Schneckerl“ Prohaska. „Die Spanier sind unschlagbar und fix Weltmeister“ (sagte sein Kollege Krankl – den Schweizern hat das aber niemand gesagt). Weitere Expertenmeinungen: „Mit den Deutschen ist zu rechnen und die Serben sind sowieso der Geheimtipp“. „Keine Chance haben Zwerge wie Honduras, die Slowakei & Japan“. Kompetente Expertisen. Lehrreich und erhellend für uns Unwissende. Wir staunen und schweigen. Aber vielleicht sollte der „Schneckerl“, doch seinen italienischen Freunden verklickern, dass es erlaubt ist, das fußballerische Können vom Beginn an auszuspielen und man nicht bis auf die letzten 15 Minuten des dritten Spiels warten muss. Die Taktik der Azzurris aus den ersten drei Spielen drei Punkte rauszuholen und so irgendwie aufzusteigen ist ja nicht ganz aufgegangen. Als erste Konsequenz wird kein Eis mehr in die Slowakei exportiert.
Und wenn wir gerade so nett über Untote plaudern, die sich weigern zu gehen, können wir auch Michael Jackson wieder mal vors Mikro holen. Übrigens – „Der größte Star aller Zeiten“ (O-Ton Ö3 vom 26.6.). Und ich dachte das wäre so jemand wie Mozart, Goethe, Alexander der Große oder Jesus, aber was wissen wir schon. Nun, nachdem der Lauser sein eigenes Tributkonzert in Wien verpasst hat und sich auch sonst seit einem Jahr recht rarmacht, gibt’s zumindest von der Seite des schnöden Mammons frohe Kunde. Eine Milliarde Dollar hat Jackson seit seinem öffentlichen „Verschwinden“ vor einem Jahr umgesetzt. Mit Kino, DVDs, TV-Auswertungen, T-Shirts, Kaffeetassen und all dem anderen „Merchkram“. Nicht zu vergessen: die Musik. 15 Millionen CDs in den USA und 35 Millionen in Europa wurden seit Juli 2009 verkauft. Um auf solche Zahlen zu kommen brauchen sogar Megastars wie U2 Zehn bis Fünfzehn Jahre. Wobei die wackeren Iren den kommerziellen Nachteil haben, dass sie noch leben. Das scheint die Geschäfte doch erheblich zu blockieren. Die Plattenfirma von Jackson hat es unverblümt gesagt, dass man sich bei der Nachlassverwaltung stark an Elvis Presley orientieren wird. Und zwar nicht an die Zeit wo der Gute noch fröhlich tanzte und sang, sondern an die letzten 30 Jahre nach seinem Tod. Kein anderer Künstler wurde vor und insbesondere nach seinem Ableben so professionell ausgequetscht wie Elvis Presley. Jedes Jahr gibt es irgendein Jubiläum zu feiern, natürlich mit unveröffentlichten Liedern, unvermeidlichen Hits und dem ganzen Krempel. Es gibt offensichtlich genug Deppen, welche dieselben Lieder jedes Jahr in einer neuen Verpackung wieder kaufen. Man darf sich also auf einiges gefasst machen bezüglich Michael Jackson. Die nächsten Jahre werden grausam. Im Monats Takt wird uns Sony mit „unveröffentlichten“ Liedern und den großen Hits vom guten Michael belästigen. Als ich 2006 noch im Musikeinkauf tätig war, fragte ich beim Chef von Jacksons Plattenfirma in Österreich unschuldig nach, wann denn mit einer neuen CD des Superstars zu rechnen ist. „Wir warten dass der stirbt, ansonsten verkauft der nix mehr“ war die nonchalante Antwort. Recht sollte er behalten, der Herr Manager.
Dies kann gleichzeitig als Warnung für andere ältere Künstler betrachtet werden. Wer weiß ob nicht in so manchen Chefbüros, demnächst das vorläufige Ableben eines schwächelnden Stars beschlossen wird. Also liebe Altstars im Karrieretief – aufpassen. Ganz spontan kommen mir da Sting, Ozzy Osbourne, Phil Collins, Rod Stewart und Paul McCartney in den Sinn. Auch Madonna und Whitney Houston sind akut gefährdet – die hatten auch schon mal bessere Zeiten. Ja, die Musikbranche – fast so spannend und geschäftstüchtig wie der Fußball.
Andi Bauer

20. Juni 2010

Sunday Morning Coming Down - Don`t You Dare miss it - Bob Dylan Live

Sechzigjährige mit Tränen in den Augen – Mehr Glatzen und graue Haare als bei der Wiener Seniorenmesse – dazwischen ausgelassen tanzende und singende Jugendliche – auf der Bühne fünf junge Musiker in schwarzem Leder – mitten unter ihnen ein 69jähriger gewandet in einem weißen Südstaatenanzug mit Gauchohut und Bärtchen. Dieser wirkte wie ein argentinischer Mafioso welcher mit Gitarre, Orgel und Mundharmonika seine Lieder darbot und nicht richtig singen kann.
So war es beim Bob Dylan Konzert in Dornbirn. Seit 1988 ist der sture Alte auf seiner „Neverending Tour“, spielt bis zu 200 Konzerte im Jahr, hält sich an keine Konventionen, Marketingpläne oder andere Erwartungen kleingeistiger Manager, Journalisten & vermeintlicher Experten. Dylan spielt schon lange keine „Greatest Hits – Konzerte“ mehr. Vielmehr dekonstruiert er seine bekannten Lieder fast bis zur Unkenntlichkeit, arrangiert um und variiert nach Lust und Laune. „A Work in Progress“ wie man so schön sagt. Dylan startete als Folksänger, wandte sich später dem Rock, Country und Gospel zu, um jetzt seine Lieder zum Blues heimzuführen. Unterstützt wird er dabei von einer jungen hungrigen Band, welche gut geölt interagiert, mit einer ordentlichen Prise Salz & Pfeffer und leider einer Spur zu wenig Essig. Das ist dem vergnügen jedoch nicht wirklich abträglich. Das Konzert in Dornbirn startet mit einer rotzig, rockigen Version von „Leopard-Skin Pill-Box Hat“.
Das anschließende Don`t Think Twice wird als hatschender Blues serviert. „Just Like Tom Thumb`s Blues“ wurde zerlegt und neu zusammengefügt. Auch beim Klassiker „Just Like A Woman“ blieb keine Note wie sie war. So ging es den ganzen Abend, ein Ratespiel welchen Song hier Bob neu Interpretiert. „Honest With Me“ from großartigen „Love And Theft“ Album rockte wie Sau und wurde in Punkto Dynamik nur noch von „Highway 61“ übertroffen. Hier brannte die Band lichterloh, während der Meister, gleich einem Priester, die Orgel malträtierte um die gläubigen Massen aus der Dunkelheit zu führen. Vordergründig betrachtet agierte Dylan wie ein clownesker Zeremonienmeister und doch dirigierte er die Band messerschaft mit kleinsten Gesten. Die zwei Zugaben ließen beim Publikum dann alle Dämme brechen. Der beste Rocksong aller Zeiten – „Like A Rolling Stone“ – kommt als zerdehnte und zerknirschte Hardrockvariante angehumpelt – grandios und unzerstörbar. „How does it feel to be on your own”…….weise Worte eines ewig Suchenden. Dann folgte das Schlusswort. Und ein besseres hätte er nicht liefern können, als sein schönstes Liebeslied zu spielen. „Forever Young“ wird als zerschossene, dreckige Bluesballade dargeboten und somit konsequent in den Heimathafen zurück gelotst. Denn auch Bob weiß, dass es die ewige Jugend nicht gibt. Durch die permanente Umgestaltung seiner Klassiker zeigt er uns allen um was es im Leben wirklich geht. Wachstum, Veränderung und die Suche. Dafür braucht der Alte keine Worte sondern spielt einfach seine Lieder, so wie er sie derzeit empfindet und ist damit mehr bei sich selbst, als die meisten von Erwartungen und Erfolg getriebenen Musiker und Künstler.
Andi Bauer