22. Juli 2008

Batman verweht mit dem Wind

155 Millionen Dollar hat "The Dark Knight" am ersten Wochenende in die US-Kinos gespült. Ein neuer Rekord tönt es aus den Gazetten. Ja, in Dollars gerechnet - nicht jedoch in Besucherzahlen. Die Amis zählen bei den Kinos seit jeher nur die Dollars und nicht die Besucher - gut die Filme müssen ja auch in Dollars bezahlt werden. Trotzdem sind die Rekorde irreführend. Der erfolgreichste Film aller Zeiten ist immer noch "Vom Winde verweht" Der Streifen hat 1939 in den USA 198 Millionen Dollar eingespielt. Das wäre nach dem heutigen Dollarkurs (Die Tickets sind ja aufgrund der Inflation teurer geworden) ein Einspielergebnis von ca. 1.4 Milliarden Dollar. Und diese Summe wird Batman nicht erreichen - es darf mit 400 Millionen gerechnet werden.

Die erfolgreichsten Filme (mit adaptierten Ticketspreise) - nur USA

Einspielergebniss
(Inflationsangepasster Ticketpreis)
1 Vom Winde verweht 1939 $1,390,067,00
2 Star Wars IV 1977 $1,225,462,800
3 The Sound of Music 1965 $979,817,800
4 E.T. 1982 $975,957,800
5 Die Zehn Gebote 1956 $901,280,000
6 Titanic 1997 $883,019,700
7 Der weisse Hai 1975 $881,182,300
8 Doktor Schiwago 1965 $854,051,900
9 Der Exorzist 1973 $760,712,400
10 Schneewitchen und 1937 $749,920,000
die 7 Zwerge

Ja, ja da sind ein paar alte Schinken dabei, und es ist schon klar das in unserer sensationssüchtigen Gesellschaft niemand wissen will dass Schneewitchen immer noch mehr Kohle gemacht hat als Spiderman oder Batman. Interessant ist es trotzdem :-)
Aber genug mit der Besserwisserei. Ich freu mich über den Erfolg von "The Dark Knight" und halte Christopher Nolan für einen sehr talentierten Regisseur. Der Erfolg sei dem Film vom Herzen gegönnt. Viel Spass im Kino

Andi Bauer

25. Juni 2008

Happy Birthday - Sidney Lumet (geb. 25. Juni 1924)

Jahrzehntelang jammerte die Weltpresse das der ach so große Martin Scorsese endlich seinen Oscar kriegen sollte. Gekriegt hat er ihn dann (unverdienterweise) für das durchschnittliche Remake „The Departed“. Der 84jährige Sidney Lumet hat auch noch keinen Regie Oscar erhalten und weitaus bessere Filme als sein Kollege abgeliefert, aber das scheint niemanden wirklich zu stören. Während Scorsese sich durch die 70er kokste drehte Lumet hervorragende Filme welche stets den Kleingeist entlarvten und sich zum schmerzhaften Seelenstriptease für seine Darsteller entwickelten. „Network“, „Serpico“ oder „Hundstage“ fungierten als scharfe Spiegelbilder für die damaligen gesellschaftlichen Umstände. Sein erster Kinofilm „Die 12 Geschworenen“ (1957) gilt als einer der besten Filme aller Zeiten und ist bis heute ein – noch immer - brennendes Appell für Aufrichtigkeit und Zivil Courage. Sein letzter Film „Tödliche Entscheidung“ (Bevor The Devil knows You`re Dead) ist ein sensationeller Thriller und gleichzeitig ein tiefgehendes Familiendrama. Wie ein Schlag in die Magengrube – tut weh, nimmt die Luft weg und wirkt lange nach. Oscar gab’s wieder keinen. Lumet meidet halt die Glitzerwelt und konzentriert sich auf seine Arbeit.

Inzwischen bereitet der Nimmermüde sein nächstes Projekt „Getting out“ vor. Wir hoffen auf eine schöne Geburtstagsfeier und noch viele kreative Jahre.

9. Juni 2008

AC/DC machen jetzt Kaufhausmusik

Die anhaltende Krise (what crisis?) der Musikindustrie führt zu weiteren peinlichen Verzweiflungstaten. Die australischen Hardrocker AC/DC werden (Quelle: Wallstreet Journal) ihr erstes neues Album seit 8 Jahren in den USA exclusiv bei Wall Mart (größte Supermarktkette der Welt) veröffentlichen. Der klassische Musik-fachhandel und die sicherlich starke regionale Szene welche die Band in den USA aufgebaut haben scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Die "Eagles" haben es letztes Jahr vorgemacht und 3 Millionen Stück ihr letzten CD bei Wal Mart verkauft. Somit wird das neue AC/DC Album zwischen Gurkengläsern und Klopapier feilgeboten. Die dort einkaufenden Hausfrauen werden sich freuen.
Natürlich verkauft Wal Mart schon länger CDs - soll er auch, aber das er das AC/DC Album exclusiv kriegt und die CD somit im normalen Fachhandel nicht erhältlich sein wird ist nur mehr peinlich - für die Band. "Highway to hell????" What`s next? Marilyn Manson ab jetzt nur noch bei IKEA?

7. Juni 2008

Don´t mess with the Sandler

Adam Sandler ist sicher einer der überbewertesten Schauspieler Hollywoods, seine Filme waren zwar in den USA riesige Hits, aber selten wirklich gut und die Europäer konnten mit seinem brachialen Humor auch nie wirklich viel anfangen. Und gerade deshalb - so behaupte ich - wird seiner neuer Streifen "Don`t mess with the Zohan" (läuft seit Gestern in den USA) der Überraschungshit des Jahres. Die Geschichte um einen israelischen Elitekämpfer der aussteigt und in New York Damenfriseur wird ist vielversprechend und der Trailer ist schlicht sensationell witzig. Der Film wird mich zwar nicht zum Adam Sandler Fan machen - aber so wie es aussieht sicher zum Lachen bringen. Ich freu mich schon. Ab 14. 8. bei uns im Kino.

HIER FINDET IHR DEN TRAILER

6. Juni 2008

Die Erde stirbt schreiend - Tom Waits beschwört die Apokalypse

Tom Waits Bone Machine 1992 (wiedergehört)

1992 hat Tom Waits "Bone machine" rausgehauen - anders kann man das erscheinen dieses Albums nicht beschreiben. Dunkel, böse, knochig und gnadenlos beschwörte er die Apokalypse (ist eh längst da und keiner hats gemerkt)
Bis heute ein Meilenstein, und all die Düstermänner des Rock von 16 Horsepower bis Mark Lanegan stehen tief in der Schuld dieser Platte und all die lustigen Speedmetal-platten der (möchtegern) Satanisten von Slayer bis Iron maiden bleiben nur Komödien weil sie die WAHRE Hölle nicht streifen. Johnny Cash mag mit seinen "American recordings" in die Hölle geblickt haben - Tom Waits ist mit Bone Machine durchmaschiert.
"Well, hell is full and heaven doesn`t want you - And the army ants They leave nothin`but the bones and the earth died sreaming while I lay dreaming of you" grölt er beim Opener "Earth died screaming"
und bereits beim zweiten Lied macht er den Sack zu
"I heard the hungman say -
We`re all gonna be.... just dirt in the ground"

Auch mit Jesus macht er die Sache ein für allemal klar
"Well I`ve been faithful
And I`ve beeen so good
Except for drinking
But he knew that I would
And Jesus gonna be here
Be here soon"

Natürlich geht es um die Hölle des Verlassenen, der Einsamen, der Ausgestoßenen, der Hoffnungslosen & der Ungeliebten. Waits verpackt seine erschütternden Texte in noch bösere Arangements. Meist nur Bass, ein bisschen Klavier, verzerrte Gitarren und Mülltonenschlagzeug und das ganze verzerrt und zerschossen aufgenommen. Seine Stimme bewegt sich zwischen, Murmeln, Flehen, Wimmern, Grummeln, Stöhnen und Schreien. Am Ende folgt dann "The Feel" mit dem "Rolling Sones-Survivor" Keith Richard an Gitarre und Vocals.
"And there is one thing you can`t lose
And it`s that feel"

Möglicherweise als Trost gedacht - zu spät. Diese Musik nimmt keine Gefangenen. Gehört, gezittert und geweint.

2. Juni 2008

Carrie schlägt Indy

Der neue Indiana Jones Film hat kein Glück. Bereits in der zweiten Woche rutschte der Streifen auf Platz 2 der US-Kinocharts. "Nur" 44 Millionen Dollar lukrierte der Film übers Wochenende. Völlig überraschend stöckelten vier Damen mit "Sex in the City" auf Platz Eins. Über 55 Millionen Dollar am ersten Wochenende (USA) - damit hat niemand wirklich gerechnet. Die Emanzipation der Männer wird scheitern :-(

30. Mai 2008

Indy & George & Frank (ohne Kristallschädel)

Indiana Jones 4 hat nach den ersten sieben Tagen weltweit 312 Millionen Dollar eingespielt (165 millionen in den USA) Das hört sich nach viel an - ist es aber nicht. Es wurden weder Rekorde gebrochen noch Erwartungen erfüllt. Der Film hat 185 mill. kostet, das Marketingbudget ist geheim aber sicher jenseits der 100 mill. Der erstes Teil der Serie ist immer noch der erfolgreichste. Sein damaliges Einspielergebnis von 209 mill. Dollar (USA) würde nach dem heutigen Dollarwert (die kinokarte kostete damals ein Drittel) für den Film heute 600 mill. Dollar bedeuten. Das schafft der neue Film nicht und er wird sich wenns gut geht bei 300 mill. in den USA einpendeln. Weltweit ist mit einem Kinoeinspiel von 600 bis 700 millionen Dollar zu rechnen. Rentieren wird sich der Streifen somit erst mit dem DVD-Geschäft und das kommt sicher kurz vor Weihnachten. Somit enttäuscht der Film sowohl kommerziell wie auch inhaltlich.

Kritik


Indiana Jones und das Geheimnis des Kristallschädels

von Steven Spielberg * * * ½ (von 5 möglichen sternen)


Vor drei Jahren schrieb Frank Darabont ein Drehbuch für Indiana Jones 4. Darabont ist nicht irgendwer, er hat die Drehbücher für „The green mile“ und „Die Verurteilten“ geschrieben und auch bei besagten Filmen Regie geführt. Warum ich das erwähne? Nun, Harrison Ford und Steven Spielberg waren beigeistert von Darabont`s Buch, nur Produzent George Lucas mochte es nicht. Spielberg spricht heute in Interviews darüber das ihm die Freundschaft zu George Lucas wichtiger sei war über das Drehbuch zu streiten. Somit wurde David Koepp beauftragt ein neues Buch zu schreiben und das Ergebnis liegt jetzt vor und heißt „Indiana Jones und das Geheimnis des Kristallschädels“. Es ist schön für Steven Spielberg dass ihm die Freundschaft zu George Lucas soviel bedeutet, der zahlende Kinobesucher beurteilt die Sache vielleicht anders. Und macht sich unter Umständen Gedanken über das abgelehnte Buch. Denn – soviel darf man verraten – die vorliegende Geschichte über Kristallschädel angereichert mit unnötigen Science Fiktion Elementen kann nicht sehr viel.
Natürlich ist der Film auch ohne geniale Geschichte toll. Spielberg ist ein begnadeter Regisseur und weiß auch ohne zwingende Story wie man das Publikum bei der Stange hält. Harrison Ford spielt gut gelaunt die Rolle seines Lebens und schafft es augenzwinkernd sein natürliches Alter in die Rolle einzufügen. Indys erste Liebe Marion (Karen Allen) ist wieder dabei - Übrigens eine Idee von Frank Darabont welche übernommen wurde. Die Action ist natürlich vom Feinsten. Ironisch und mit gehörigem Tempo. Cate Blanchett zeigt als toughe Kommunistin das sie wirklich JEDE Rolle spielen.
Ray Winston als Indys Kumpel bleibt leider blass, seine Rolle ist auch zu vorhersehbar. Unverständlich ist auch der Hype um Shia LeBeouf der Indys Sohn spielt. Er wird voraussichtlich ein ähnliches Schicksal erleiden wie Hayden Christian als Anakin Skywalker. Vielleicht auch eine Idee von George Lucas. Leider, der neue Indy belegt dass der einst große Filmemacher George Lucas seit 30 Jahren keine vernünftigen Ideen mehr hat und sich zunehmend ihn selbstverliebte Projekte versteigt. Sei es mit der Wahl der Darsteller oder der Geschichten. Der Mann weiß schon lange nicht mehr was beim Publikum ankommt. Es ist unglaublich aber der Film ist streckenweise sogar langatmig – weil die Geschichte einfach nichts hergibt. Es ist Steven Spielberg und seinen Hauptdarstellern zu verdanken das Indiana Jones IV letztlich doch noch zu einem unterhaltsamen Sommerfilm wurde. Dass hier viel mehr drin war wissen alle Beteiligten und die Zuseher spätestens nach 90 Minuten denn dann kommt das Finale und das kann selbst Spielberg nicht mehr retten. Schade.