16. Mai 2010
Sunday Morning Coming Down - Der programmierte Sommerhit Robin Hood läuft in den Kinos und seitdem sieht es stark nach Regen aus.
Andi Bauer
8. Mai 2010
Sunday Morning Coming Down „Darf’s noch ein bisschen billiger sein?“- AVATAR um 7,99 Euro
Der Preiskrieg im Elektrohandel um die DVD trieb in den letzten Jahren immer seltsamere Blüten. Als zur Jahrtausendwende das Medium seinen Siegeszug antrat kosteten die Filme noch ca. 25 Euro. Der Handel sah in den Silberscheiben nicht nur einen Ersatz für die veraltete Videokassette, sondern auch eine Möglichkeit die bereits kränkelnden CD-Umsätze zu kompensieren.
Überdies war das neue Medium ein beliebter Werbeträger, um Kunden mit attraktiven Preisen in die Häuser zu locken. Der Verkaufspreis von 19,99 für neue Filme auf DVD hat sich schnell etabliert und würde vom Kunden akzeptiert. In den Großkonzernen geht es jedoch selten um eine simple Gewinnrechnung, sondern oft um Marktanteile und die Verdrängung der Konkurrenz. Der Branchenriese Warner war das erste Majorstudio welches am Preis schraubte und eine zweite Vermarktungsschiene einzog. Ältere Titel wurden um 9,99 Euro angeboten und schon bald rutschten auch Neuheiten nach sechs Monaten in diese Schiene und wurden unter zehn Euro vom Handel verkauft. Die anderen Studios zogen natürlich nach. Fox etablierte erfolgreich die „Hollywood Collection“ und auch die anderen Studios zogen mit Ihren Preisen nach.
Eine Praxis, welche bei Büchern und Multimedien durchwegs handelsüblich ist. Im Buchhandel erscheinen nach einem Jahr die Bestseller als preisgünstige Taschenbücher und auch die Musikindustrie ist bereits seit Jahrzehnten mit einer Midprice Schiene erfolgreich. Nach 12 bis 18 Monaten sind die meisten CDs unter zehn Euro zu haben.
Neu sind jedoch die Aggressivität und die immer kürzeren Zeitspannen, welche die Majorstudios bei der Preispolitik von DVD´s und Blue Rays vorgeben. Bereits vier Monate nach Kinostart erscheint ein Film auf DVD, nach weiteren vier Monaten ist der Titel zum Midprice von unter Zehn Euro erhältlich. Auf den ersten Blick gut für den Konsumenten auf den zweiten eine bedenkliche und auch unwirtschaftliche Entwicklung. Diese Preise wurden anfangs von den großen Studios gesteuert, welche nach Ablauf der Fristen die Einkaufspreise senken. Der Einkaufspreis für einen neuen Film auf DVD liegt zwischen 11 und 13 Euro und steht mit einem Verkaufspreis von 15 bis 20 Euro im Laden. Nach vier bis sechs Monaten sinkt der Einkaufspreis für einen Titel auf ca. sieben Euro und kann somit vom Handel für 9,99 angeboten werden.
Wenn heute AVATAR um 7,99 verkauft wird hat das jedoch mit dieser Strategie nichts mehr zu tun. Vom wirtschaftlichen Standpunkt müsste der Titel um 19,99 angeboten werden, damit der Händler noch ein paar Euro verdienen kann. AVATAR ist ein neuer Film und kostet im Einkauf je nach Konditionen zwischen 12 und 13 Euro, das wären dann mit Mehrwertsteuer ca. 15,00 Euro. Libro bewirbt den Titel um 14,99 und steigt somit noch ohne Verlust aus. Bei Saturn und Mediamarkt gab es AVATAR ab dem ersten Verkaufstag um 7,99 Euro. Was bedeutet, dass beim Kauf jeder DVD der Konzern ca. sieben Euro draufzahlt. Sie werden es sich leisten können, wird sich mancher jetzt denken. Es ist trotzdem eine destruktive Vorgehensweise, welche sich in den letzten Jahren eingebürgert hat. Toptitel aus den Kinocharts werden beim DVD-Verkaufsstart vom Handel gnadenlos verrissen. Als Bauernopfer, um den Kunden ins Haus zu locken, begleitet mit der Hoffnung das dieser dann eventuell noch ein Kabel oder etwas anderes kauft. Sei es Simpson der Film, Harry Potter 6, Transformers 2, Ice Age 3 oder Wickie und die starken Männer. All diese Filme wurden bei erscheinen mit einem Preis von unter zehn Euro beworben und verkauft. Die Konkurrenz muss dann sehr oft die Preise annehmen. So kommt der Internethändler Amazon bereits stark unter Druck, da die deutschen Mediamärkte die Preise der Neuheiten zerreißen. Die AVATAR-DVD kostete bei Amazon einen Tag vor Verkaufsstart noch 14,99 Euro. Einen Tag später musste Amazon den Mediamarkt-Preis übernehmen und verkaufte den Film auch um 7,99 Euro. Welcher Händler mit dem Preiskrieg begonnen hat ist nicht mehr wichtig, die Spirale dreht sich weiter und ist inzwischen bei der Blue Ray Disc angekommen.
Ein Medium, welches noch nicht mal am Markt etabliert ist, ist preislich bereits im Keller angelangt. Vor zwei Jahren kostete eine Blue Ray Disc noch 30 Euro. Jetzt werden die blauen Scheiben bereits um zehn Euro verschleudert. Das Spiel wiederholt sich, nur schneller.
Für den Konsumenten verzerrt sich dadurch der Wert des Mediums. Warum kostet ein Megahit wie AVATAR 7,99 Euro und daneben liegt eine DVD des Disneyfilms Küss den Frosch um 19,99 Euro. Das diese vernünftig kalkuliert ist, ist für den Konsumenten kein Argument und auch nicht nachvollziehbar. Der Handel hat sich mit dieser aggressiven Preispolitik selbst abgeschossen. Jeder Kaufmann weiß, dass man einen Preis leicht senken kann, diesen jedoch schwer wieder nach oben bringt. Noch schwerer wiegt, dass ein relativ junges Medium bereits wieder entwertet wird. Die DVD ist seit 15 Jahren am Markt, die Blue Ray gerade mal drei Jahre. Und schon scheinen die Produkte nur mehr für die Wühlkiste zu reichen. Es ist nichts neues, beliebte Artikel für Werbezwecke zu missbrauchen und doch gibt es erfolgreich Modelle, wie andere Branchen mit ähnlichen Situationen umgehen. Als Apple ein neues I-POD Modell einführte, drohte der Konzern Händlern, welche den vorgeschlagenen Verkaufspreis unterschreiten, nicht mehr zu beliefern. Es mag faschistoid wirken, und doch ist es für einen Konzern legitim, mit seinen Geschäftspartnern Verträge zu schließen. Die Händler müssen ja keine Apple Produkte führen, es gibt genug andere MP3 Player. Apple hat diese Strategie offensichtlich nicht geschadet. Im Gegenteil. Ein Apple Produkt hat offensichtlich seinen Preis und für den Kunden somit auch einen Wert
Inzwischen verlieren die DVD und die Blue RAY zunehmend ihren Wert als Medium. Der Handel „verschenkt“ die Titel und die Industrie liefert und freut sich über die großen Absatzzahlen. Eine Lüge, die sich bald rächen wird, spätestens in diesem Jahrzehnt, wenn die Bildträger in eine ähnliche Absatzkrise rutschen wie der inzwischen kleine Bruder CD vor zehn Jahren.
Es mutet umso absurder an, dass die Filmindustrie Millionen in die Aufklärung steckt um vor Piraterie und den bösen Raubkopierern zu warnen, die eigenen Titel jedoch bereits günstiger im Handel zu haben sind als die schlechten Raubkopien aus China. Hier wäre Mut zum eigenen Produkt angebracht. Denn, auch eine andere Wahrheit gilt fast überall: Was nichts kostet ist nichts wert.
Andi Bauer
1. Mai 2010
Sunday Morning Coming Down - HURRA! HURRA! – GENAU SO
Als Gisbert zu Knyphausen 2008 sein gleichnamiges Debütalbum veröffentlichte, konnte der scheue Künstler noch nicht ahnen, dass er zunehmend in Richtung eines Popstars rutschen würde. Darauf angelegt hat es der Musiker sicher nicht. Der Gute wollte nur seine Lieder veröffentlichen. Es waren halt nicht nur irgendwelche Lieder auf einer beliebigen Deutschrock CD deren es viele gibt. Es wurde die beste deutschsprachige Platte der letzten zwanzig Jahre. Das Album reiht sich nahtlos in die Reihe der Klassiker der deutschen Popmusik. Weißes Papier von Element of Crime, Tocotronic - die Spätphase und Ton Steine und Scherben - die Frühphase. Es ist auch nicht vermessen, den Musiker mit einem jungen Bob Dylan, Jackson Browne und Georg Danzer zu vergleichen. Gisbert schaffte es mit seinen Liedern, Gedanken und Gefühle einer zutiefst verunsicherten und orientierungslosen Generation zu vertonen. Seine Lieder erzählen von den Unsicherheiten des Lebens, von Fragen ohne Antworten und von Zweifel & Ängsten. Gisbert singt über Bindungsängste, über Freundschaft die zur Liebe führt und über die Freuden am verwirrten Leben. Der Sänger ist weder ein moralisierender Gutmensch, noch ein Oberlehrer oder abgehobener Philosoph. Er schafft es vielmehr, die Fragen seiner Generation in Worte zu gießen und diese in der Form von wunderbaren Liedern an uns zurückzugeben. Freilich ohne diese zu beantworten. Aber eine klug ausformulierte Frage ist auch ein Anfang, so wie es der Sänger im neuen Titel Grau, Grau, Grau wunderschön zum Ausdruck bringt.
„Ich dreh mich im Kreis und singe über das ewige Licht, die Blitze ins Nichts und die gleißende Frage: Wie solls jetzt weitergehen? Das weiß ich doch auch nicht. Wir brauchen einen Neuanfang"
Seit drei Jahren tingelt jetzt der Sänger durch Clubs, Kaffeehäuser und Keller um seine Lieder vorzustellen. Über 200 Konzerte hat Gisbert bereits gespielt, ein kleines jedoch treues und dankbares Publikum folgt ihm, kennt jede Zeile auswendig und saugt mit dankbarem Herzen die kleinen Weisheiten des bescheidenen Gisbert auf. Lieder wie Sommertag oder Der Blick in deinen Augen sind jetzt schon Klassiker und werden – das behaupte ich mal so – in wenigen Jahren unverzichtbare Standards der deutschen Popmusik sein.
Ich weiß ziemlich genau was ich bin
aber nicht wo das hin will singt Gisbert in Der Blick in den Augen und sagt mit einem Satz mehr als Andere mit einer ganzen Karriere. Der zunehmende Erfolg und vor allem die breite Anerkennung seiner Musik quer durch den deutschen Blätterwald verwundert und erfreut den Musiker zugleich. Der Preis für die Anerkennung folgte rasch. Der Musiker kämpfte mit Unsicherheit und Ängsten vor der nächsten Phase und dem nächsten Album. Gisbert löste sich aus diesem Kreislauf, in dem er zwei Schritte nach vorne machte. Er entwickelte die Lieder gemeinsam mit seinen Musikern was zu einem Bandalbum führte und engagierte mit Tobias Levin einen erfahrenen Produzenten, der ihm half, seine eigenen Grenzen auszudehnen. Die schnelle Zufriedenheit des Musikers mit dem Ergebnis wurde von Levin öfters auf die Probe gestellt. Der Mix zog sich hin da der Produzent den schnellen und einfachen Weg ablehnte und das Optimum aus den Liedern herauskitzeln wollte, was den einfachen Troubadour Gisbert oft genug an den Nerven zehrte. Das Ergebnis gibt Levin recht und auch Gisbert ist jetzt höchst zufrieden mit dem Ergebnis der professionellen Arbeitsweise des Produzenten. Das neue Album glänzt durch eine warme, organische und doch sehr dynamische Produktion. Das Spiel der Band hat viel mehr Raum und somit an Bedeutung gewonnen. Im Zentrum stehen aber erneut die Lieder des Mannes der es schafft, kompliziertes so klar zu sagen, nie oberflächlich ist und scheinbar mühelos den Bogen zwischen persönlichen Befindlichkeiten und kollektiven Sorgen spannt. Wenn der Sänger in Morsches Holz von Ängsten singt, dann ist das persönlich und doch allgemeingültig. „Ich tausche alles was ich bin oder war gegen ein Leben ohne Angst vor der nächsten Telefonrechnung, dem Zahnarzt, der Liebe oder dem Tod“. Sogar die Melancholie wird personalisiert „Was hast du der Menschheit jemals Gutes gebracht. Außer Musik, Kunst und billigen Gedichten? Melancholie.“
HURRA! HURRA! SO NICHT versammelt elf Lieder, die sich an der Kreuzung von Blues, Pop und Folk treffen und die den Hörer an der Hand nehmen und ihn zu einem schönen blumengesäumten Feldweg geleiten. Lieder wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Wie er das wieder hingekriegt hat, der Gisbert, weiß ich auch nicht. Arne Willander, Redakteur im deutschen Rolling Stone bezeichnet den Sänger schlicht als „verdammtes Genie“. Zweifellos zutreffend und doch unzureichend. Ich hatte vor seinem Wien-Konzert im Haus der Musik die Gelegenheit, den Musiker für ein Gespräch zu treffen, welches sich – gleich seiner Lieder - als ein Treffen mit einem guten Freund entwickelte. Gisbert und sein zweiter Gitarrist Jens Fricke erreichten den Ort des Geschehens ohne Tourbegleiter, Labelmanager und PR-Berater. Nur mit Gitarren und zwei Kartons voller CDs und LPs ausgerüstet, entstiegen die beiden Musiker dem Taxi. Wie zwei Bänkelsänger in der Fußgängerzone. Gisbert erzählte dann auch, dass er gerade in der Straßenbahn ein bisschen gespielt und gesungen hat – man glaubt es ihm unbesehen. Im Gespräch war der etwas übermüdete Musiker offen, interessiert und erfreut über die Möglichkeit, eine zu rauchen und ein Tässchen Kaffee zu trinken. Gisbert freut sich über die Menschen die seine Lieder mögen, hat keine Vorstellung von Zielgruppen und kann mit Kategorisierungen der Musik nichts anfangen. Der wiederkehrende Vergleich mit Reinhard Mey stört ihn zwar nicht, verwundert in jedoch da der Mey, so Gisbert, eigentlich keine verzerrten Gitarren in seinen Liedern hat. Die eigenen Vorbilder sind breit gestreut und reichen von Nick Cave über Radiohead bis zu Bright Eyes. Es war auch der Mut des Conor Oberst, der Gisbert inspirierte, offen über seine Gefühle zu schreiben.
Das Konzert wird rasch zur Privataudienz mit Wohnzimmeratmosphäre. Gisbert plaudert über seine Lieder, verlorengegangene Songtitel, Abenteuern mit dem Plattenlabel und über Banales und Erhellendes. Der Musiker entschuldigt sich für seine Müdigkeit, verspielt sich, vergisst Textteile und trotzdem ist alles gut. Die 200 Besucher lauschen andächtig, die berühmte Stecknadel kann fallen und die Zwischenrufe des Publikums sind respekt- und liebevoll. Selbst ein technischer Ausfall seines Sidekicks kann den jungen Mann nicht aus der Ruhe bringen. Dann spielt er eben alleine weiter – meint er. Und wenn er dann seine Lieder singt, die Augen dabei schließt und hineinfällt in seine Musik, dann wusste jeder Anwesende, dass hier große Kunst stattfindet. Einer der wenigen wahrhaften Momente, in denen Popmusik die Zeit anhält und den Raum in die Unendlichkeit dehnt. Ja, es stimmt – Gisbert ist ein verdammtes Genie und ein nettes noch dazu. Man wünscht ihm den ganz großen Erfolg und hat gleichzeitig Angst, dass die immerzu hungrige Musik- und Medienmaschinerie ihn verschlingen könnte. Aber all dies ist nicht wirklich. Wo auch immer die Reise hingeht, Gisbert hat uns mit seinen ersten beiden Alben bereits so viele große Lieder gegeben - diese werden die Zeit überdauern. Kaufen Sie seine CDs und lassen sie sich von den Liedern dieses Mannes verzaubern und berühren. Mehr Glück und Trost gibt es in diesen Tagen nirgends.
Andi Bauer
25. April 2010
Sunday Morning Coming Down - Was macht eigentlich Nicolas Cage so die ganze Zeit?
Wettermann in der missglückten Selbstfindungskomödie Weatherman
Feuerwehrmann in Oliver Stones lähmenden World Trade Center
Verwirrter Detektiv im verkorksten Wickerman-remake
Der Ghostrider mit fürchterlichem Toupet in der schlechtesten Comicverfilmung EVER
Teilzeitwahrsager in dem unentschlossenen Actionthriller Next
Indiana Jones für Arme im peinlichen Kinderkram National Treasure 2
Ein Verlorener in Knowing
Ein sprechendes Meerschwein in G-Force. Ja, hab ich gesehen – ehrlich - und es tut immer noch weh.
Ein langweiliger „Bad Cop“ in Werner Herzogs Bad Lieutenant
Ein Hexenjäger in Season of the Witch. Zugegeben, diesen Film hab ich noch nicht gesehen – läuft nur in Dänemark und Hong Kong. Der Umstand, dass sich der Verleih ernsthaft überlegt die 60 Millionen Dollar Produktion in den USA gar nicht ins Kino, sondern gleich in die DVD Wühlkiste zu schmeißen, zeugt eher von einer Unzufriedenheit mit dem fertigen Produkt. Und die Bilder vom Film - Cage mit langer Perücke und finsteren Blick - sind ein Witz der nicht lustig ist.
Nein, es ist genug. Sein großartiger Auftritt in Kick As wird nicht reichen diese Schnitze vergessen zu machen. Es wäre ratsam für die weitere Karriere(?) des Herrn Cage einen Menschen zu engagieren, der seine Drehbücher liest. Soviel Geld muss ja noch irgendwo herumliegen. Oder Cage sollte sich von Kumpel Johnny Depp nicht nur einen Überbrückungskredit holen, sondern auch einen guten Rat bezüglich der richtigen Rollenwahl. Denn der Johnny hat ein geschicktes Händchen Filmstoffe zu wählen und seit vielen Jahren einen Lauf – wie man so schön sagt. Ansonsten heißt es bald: „Nic Cage – was macht der eigentlich so?“
15. April 2010
Sunday Morning Coming Down - Dänische Delikatessen
Dänische Delikatessen - ein toller Film. Ansonsten zeigen sich die Dänen im Augenblick wenig geschmackssicher, oder um es anders zu sagen: „Etwas ist faul im Staate Dänemark“. Hansi Hinterseer ist die neue Nummer eins im nordischen Königreich. Die Meldung des Tages – keine Frage. Der – wie sagen wir es höflich - Entertainer ist mit einer Best Of CD, welche sich „The Danish Collection“ nennt an der Spitze der dänischen Album Charts gelandet. Immer dann wenn man glaubt das Musikgeschäft so halbwegs zu durchschauen, passieren so wunderbare Dinge. Der DJ Ötzi war ja auch in Australien, England und in gefühlten 150 anderen Ländern Nummer eins. Dessen Hit hieß damals zumindest Hey Baby, was zugegeben die Sache auch nicht viel besser macht. Es wird zunehmend verständlich, dass der Österreicher immer noch den Mozart Wolferl als musikalische Referenz für unser Land in die Diskussion führt und sich von der heimischen „Popszene“ distanziert. Die Menschen jenseits der Grenze müssen ja inzwischen glauben, dass die Menschen in unserem Land eine Mischung aus DJ Ötzi, Jörg Haider und Fiona Grasser sind. Da hilft es auch nicht der Netrebko die Staatsbürgerschaft aufzudrängen, die bleibt trotzdem Russin. Und was, verdammt nochmal, ist mit den Dänen los. Gibt es Engpässe bei Wodka oder anderen Betäubungsmitteln, oder wollten sie mal vom ewigen Hamletimage weg. Das Land hat eine tolle heimische Musikszene und es gibt so viel gute Musik in der ganzen Welt. Der selbsternannte Experte und Autor dieser Zeilen ist ratlos. Ich kann nur dem guten Herrn Hinterseer und uns Allen gratulieren. Denn ein Gutes hat die Sache. Wenn mich nicht alles täuscht, muss der Hansi jetzt ganz schnell in den hohen Norden reisen und dort in TV Shows auftreten, Interviews geben, Konzerte spielen und das ganze Marketingprogramm abspulen. Also, Hansi, nütze die Chance, pack dir genug Skipullover ein (die mit den lustigen Mustern) und gewinne endgültig das Herz der kühlen Dänen. Vielleicht behalten sie Ihn – den feschen Kerl.
Andi Bauer
Ps: mit lieben Grüßen an unsere dänischen Freunde. Andere Österreicher die auch Popmusik machen und das nicht mal schlecht. Soap & Skin, Garish, Ja-Panic, Anna F, Attwenger, Cab to Candy. Hört mal rein -BITTE
11. April 2010
Sunday Morning Coming Down: Recycled - Das Lexikon der Ideenlosigkeit
Nein, und warum sollte es auch. Neue Filmideen sind riskant und auch mühsam in der Entwicklung. Bewährtes lässt sich viel leichter zu verkaufen. In Hollywood scheint sich die Fähigkeit - Alten Wein in neue Schläuche zu verpacken - zu einer Königsdisziplin zu entwickeln. Daher folgt ein Lexikon der Genres:
Sequel - Die Fortsetzung
Der Klassiker. Es scheint ein ehernes Gesetz zu sein, für jeden Film welcher nur einen Dollar Gewinn macht, eine Fortsetzung zu basteln. Beispiele gibt es zuhauf. James Cameron wird seit 10 Jahren bearbeitet endlich eine Fortsetzung zu Titanic zu drehen. Ich hingegen fordere einen zweiten Teil von The Big Lebowski, aber auf mich hört ja niemand.
Prequel - Die Vorgeschichte
Wenn sich die Geschichte mit Fortsetzungen nicht mehr weitererzählen lässt konstruiert man eben eine Vorgeschichte. Wolverine, Star Wars Episode 1-3 & Hannibal Rising sind prominente Beispiele. Als Prequels kommen auf uns zu: Alien & Magneto (X-Men).
Franchise - Die Serie als Marke
Zum Unterschied zur Fortsetzung wird hier eine ganze Marke entwickelt mit allem Drum und Dran. Prominenteste Beispiele sind James Bond, Star Trek und Harry Potter. Hier wird dem Konsumenten eingeredet, dass er das ganze Paket braucht. Alle Filme mit Büchern, Kugelschreibern und Plastikfiguren vom Schnellimbiss ihres Vertrauens.
Reeboot – Neustart
Ein ganz neuer und auch schlauer Trick. Wenn eine Filmserie nicht mehr funktioniert startet man das Ganze neu und tut so als ob nie was gewesen ist – „erease and rewind“. Hat so gut funktioniert bei James Bond (Casino Royal), Star Trek & Batman (Batman Begins), dass die Kerle bei Sony sogar die Spiderman Serie neu starten wollen. Kommt wahrscheinlich billiger wenn man mit einem neuen Regisseur und neuen Darstellern arbeitet.
Remake – Die Neuverfilmung
Wenn ein Film mal 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel hat, dann hat das Publikum das Recht eine neuere Verfilmung des Stoffes zu kriegen. So sehen das zumindest die Produzenten, welche auch für sich das Recht beanspruchen noch mal mit derselben Idee Geld zu verdienen. Die Liste erfolgreicher Remakes ist lange (King Kong, I am Legend & Godzilla) und wird gnadenlos fortgesetzt (Predator, Conan der Barbar, die Rote Flut, Tron).
Foreign Remake – Die Neuverfilmung eines nichtamerikanischen Films
Noch beliebter als das Remake weil man keine 20 Jahre warten muss. Besonders beliebt sind französische, asiatische und britische Vorlagen die man dann auf Hollywood umfrisieren kann. Aktuelles Opfer, äh Bespiel. Der schwedische Thriller Verblendung wird neu verfilmt. George Clooney will unbedingt den Journalisten Michael Nyqvist spielen und um die Rolle der Lisbeth Salanders prügelt sich augenblicklich die weibliche Schauspielelite Hollywoods.
Comic Book Adaption
Filme basierend auf Comics. Ein äußerst beliebtes Unterfangen, da sich die Comickultur größter Beliebtheit erfreut und sich regelrechte Marken daraus entwickeln können (siehe Franchise).
Video Game Adaption
Nicht so erfolgreich wie Comic Buch Adaptionen da sich die Kids nicht ohne weiteres von der Konsole weglocken lassen, aber immer noch billiger und einfacher herzustellen als neue Ideen zu entwickeln. Aktuell dazu, bald in unseren Kinos, die Verfilmung des Spiels Prince of Persia. Wobei auch diese Verfilmung als offizielles Nachfolgeprojekt der Piraten der Karibik Serie gilt. Die Leute in den Disneystudios verlegen Jack Sparrow einfach in die Wüste und hoffen mit demselben „Schmäh“ noch mal ein paar Milliarden zu scheffeln.
TV Adaption
Eine erfolgreiche TV-Serie wird auf Kino getrimmt. Mission Impossible, 3 Engel für Charlie oder Miami Vice haben zwar mit dem Original oft nicht mehr viel zu tun, aber die „Marke“ kennt man und das zählt. Dazu demnächst in ihrem Theater: Das A-Team, 21 Jump street & Dallas – Kein Witz.
Movie based on Originalscript – Film basierend auf einem Originaldrehbuch.
Ein Drehbuchautor entwickelt eine Geschichte. Eine klassisch antiquierte vorgehensweise, welche vom Aussterben bedroht ist.
Andi Bauer
4. April 2010
Sunday Morning Coming Down: Der Friede auf Erden und ein vernünftiger Radiosender in Österreich – zwei (scheinbar) unerreichbare Ziele.
Weiter geht’s zu Fm4. Gefasel über eine politische korrekte Band mit einem coolen homosexuellen Sänger der diesen ganzen Spießer endlich zeigt wie das so läuft. Von der Band hab ich noch nie was gehört (ich weiß auch nicht alles). Musik gibt’s keine zu hören, weil die Moderatorin quasselt. Ich scheine wieder mal eine wichtige Revolution verpasst zu haben. Inzwischen überschlägt sich die Moderatorin vor selbstgerechten politisch korrekten Zorn und weißt darauf hin wie spießig die Österreicher sind. Die spießigen Österreicher finanzieren zwar gerade mit ihren Zwangsgebühren und Steuern das Gehalt der aufgeregten Dame, aber ich denke das ist nur recht und billig. Es ist in Österreich schon lange Tradition, dass sich der Widerstand durch Subventionen der Steuerzahler die gerechte Revolution finanzieren lässt. Der ideologische Klassenkampf muss uns schon was wert sein.
Ich schalte um.
Auf Ö1 gibt’s ein Hörspiel über irgendein sozialistisch gerechtes Land in Südamerika. Ich schalte aus und mir fällt es wie Schuppen von den Ohren. In einem Land, das schon seit 50 Jahren von den Sozialpartnern regiert wird, wo sich Bauernbund, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und ÖGB die Ablässe der Bürger seit Jahrzehnten untereinander aufteilen, und die wechselnden Regierungen mit Geduld und buddhistischen Gleichmut ertragen. In so einem Land gibt es natürlich auch für die Medien die passenden Schubladen. „Brot und Spiele“ für alle Schichten.
Für die Denkfaulen (nicht bös gemeint), gibt’s die Kronen Zeitung und den Ö3 wo alles aufbereitet ist, von der Meinung zur Lage der Nation übers Unterhaltungsprogramm bis zum adäquaten Tierschutz und der „wirksamen“ Spendenaktion direkt ins Herz der Caritas. Wahrscheinlich wird a bissi SPÖ gewählt (unter Protest - natürlich) und manchmal sogar FPÖ (Geheim - natürlich).
Die kritischen, elitären und revolutionären Geister greifen zum Standard und zu FM4, wählen die Grünen und Kommunisten (nur die ganz Mutigen) und sind dafür, dass man dagegen ist. Beim Ö1 und der Presse treffen sich dann die gemächlichen ÖVP Wähler (nur die Wiener Busek-Phase, die anderen hören regional – siehe Hansi Hinterseer).
Schade, dass es noch keinen Radiosender gibt, der die Leser der Gratiszeitung „Österreich“ auffängt. Dieser müsste dann den ganzen Tag Lady Gaga und Amy Winehouse spielen, versuchen ein paar Rechtschreibfehler einzubauen und bräuchte einen Marktschreier als Moderator: „Heute im Sonderangebot, exklusiv und nur bei uns, die neue Single von Britney Spears - hat Sie nackt im Studio gesungen hat“ So könnte das klappen. Herr Fellner, übernehmen Sie.
Für mich bleibt wieder mal nichts. Ich lese Standard, die Presse und die Kronen Zeitung (am liebsten die Leserbriefe) und bin politisch sowieso verwirrt. Warum kann man nicht einen Radiosender machen, der einfach nur gute Musik spielt. Von Jazz über Klassik bis Pop & Rock. Johnny Cash neben Pearl Jam, Portishead folgt auf Miles Davis. Das wäre mal was. Wenn man nicht alles selber macht. Seufz.
Ich muss jetzt aufhören und meine Ostereier suchen gehen.
Frohe Ostern wünscht
Andi Bauer