11. März 2010
Break On Through (To The Other Side)
Bereits die ersten Minuten des Films schockieren den Zuseher. Die 14 jährige Susie Salmon erzählt unverblümt, dass sie ermordet wurde. Seitdem ist ihr Geist in einer Zwischenwelt gefangen – in ihrem Himmel. Sie erlebt ihre trauernden Eltern, ihre beide verwirrten und verunsicherten Geschwister und beobachtet ihren Mörder (Stanley Tucci - beängstigend gut). Auf „Erden“ geht das Leben ihrer Familie weiter und diese zerbricht langsam am Schmerz und Verlust. Der Vater (Mark Wahlberg) sucht wie besessen nach Hinweisen um den Mörder zu stellen. Die Mutter (Rachel Weisz) zieht sich zunehmend zurück, verdrängt die Ereignisse und spricht davon nur mehr zwei Kinder zu haben. Einzig die unkonventionelle Großmutter (Susan Saradon – hervorragend) kann die Situation ein bisschen auflockern. Inzwischen beginnt Susie sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden, trifft andere Verstorbene und begreift langsam ihr Schicksal und ihren weiteren Weg. Der persönliche Himmel von Susie entpuppt sich rasch als Ort ihrer unterbewussten Erlebnisse. Jackson überblendet geschickt das Geschehene mit der Gegenwart und kreierte damit eine herausragende Darstellung einer möglichen spirituellen Zwischenwelt ohne in bekannte religiöse Klischees hängen zu bleiben.
Peter Jackson hat einen großen, traurigen, zutiefst berührenden und auch berauschenden Film geschaffen, welcher ihn endgültig zu einem der großen fantastischen Geschichtenerzähler Hollywoods macht.
Der Film selbst bietet auch keine endgültigen Antworten, (wer kann das schon) auf die eingangs gestellten Fragen, stellt jedoch einige neue kluge Fragen und verdeutlicht erneut die Wichtigkeit die größte aller menschlichen Freiheiten zu erlernen. Die Kunst los zulassen.
Andi Bauer
8. März 2010
Burma, Delfine und andere Irrtümer nach der Oscarverleihung
Nun, die erste Überraschung findet nur in Österreich statt. Obwohl von den heimischen Medien bereits als fix angenommen, wurde der Film „Das weiße Band“ nicht mit dem Auslandsoscar ausgezeichnet. Der Preis ging nach Argentinien. Ja, wie das denn? Machen Sie in diesem unbedeutenden Zwergenstaat in Südamerika überhaupt Filme? Daher mein Rat an die Academy: Bitte in Zukunft Rücksprache mit den österreichischen Meinungsmachern halten, damit so ein Fehler nicht mehr passieren kann. Selbst im Morgenjournal auf Ö1 wurde von einer großen Enttäuschung gesprochen da „nur“ Christoph Waltz“ den Oscar für die beste Nebenrolle abbekam. Schmach und Schande. Was jedoch in Österreich noch nicht so recht gelandet ist, sind die Fakten. „Das weiße Band“ ging als deutscher Beitrag ins Rennen und der Umstand dass Haneke in Wiener Neustadt zur Schule ging, verblasst unter der Tatsache, dass der gute Mann bereits seit 20 Jahren im Ausland seine Filme macht weil er in der Heimat keine Arbeit findet.
Nach dem Ausrutschen unserer Skihelden müssen wir auch noch diese Schmach ertragen.
Ansonsten, keine großen Überraschungen. Jeff Bridges und Sandra Bullock wurden als Hauptdarsteller geehrt. Bei Bridges zu recht, bei Bullock ein Zugeständnis an ihre Karriere und ihre Rolle in der wahren „American Dream“ Geschichte des Football Helden Michael Oher. Filme wie „The Blind Side“ braucht wahrscheinlich die von der Rezession gebeutelte USA. Geht in Ordnung.
Das gilt auch für den Regie Oscar an Kathryn Bigelow. Vor einem Jahr hatte keiner mehr die Dame auf der Rechnung. Ihr einziger Hit „Gefährliche Brandung“ lag weit zurück (1991) und ihr Irakdrama „The Hurt Locker“ war noch ohne Kinoverleih in den USA und wurde nur auf einigen internationalen Festivals gezeigt. Der Film floppte auch im Spätsommer an den Kassen. Der Grund dafür war der halbherzige Vertrieb und ein nicht vorhandenes Marketing. Inzwischen entwickelte sich der Streifen zum Kritikerliebling, gewann Preise und räumte überraschenderweise sechs Oscars ab. Der Preis für den besten Film ist trotzdem nicht nachvollziehbar und gebührt eigentlich AVATAR. Diese Auszeichnung kann nur im Lichte des für Amerika inzwischen sehr unangenehmen Irakkriegs gesehen werden. Der Film bezieht keine Stellung, hat keine Heldenfiguren, sondern erzählt nur auf sehr realistische Weise die Geschichte eines Bombenentschärfungs-Teams im Irak. Der Job ist nicht angenehm aber jemand muss ihn tun. So wie die US Armee im Irak festsitzt und nicht mehr weiß wie sie da noch halbwegs als „Sieger“ mit einem blauen Auge rauskommen soll. Der Film und dessen jetzige Auszeichnung zeigt wie schwer sich die USA mittlerweile mit diesem Krieg tut. Bigelow widmete den Preis auch den „Männern in Uniform“ welche für uns ihr Leben riskieren. Helden sehen anders aus und im Irak gibt es die schon lange nicht mehr.
„The Hurt Locker“ als besten Film des Jahres auszuzeichnen wird der Academy noch lange nachhängen, da der Streifen dafür doch zu dünn ist und letztlich auch zu wenig zu sagen hat. Da ist sogar AVATAR, dem man zu Recht ein schwaches Drehbuch vorwirft, letztlich aussagekräftiger.
Daß die Oscars sehr politisch sind, zeigte auch die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm. Nachdem Al Gore für seine Märchenstunde „eine unbequeme Wahrheit“ schon Oscar und Friedensnobelpreis mit nach Hause genommen hat wird ein weiterer Tierfilm von der Mafia der politisch Korrekten gekürt. „The Cove“ dokumentiert das bestialische Abschlachten von Delfinen in Japan. Zugegeben erschütternd und tragisch. Aber warum wurde der hervorragende Dokumentarfilm „Burma VJ“ übergangen. Die Aufnahmen über das Wüten des Regimes in Burma wurden unter Lebensgefahr gedreht. Auch die berührende Doku „Which Way Home“ über mexikanische Kinder und Jugendliche, welche jahrelang verzweifelt auf der Suche nach ihren Eltern sind wurde von der Academy ignoriert. Wenn es um Tiere geht haben unterdrückte und geknechtete Menschen keine Chance. Verdrehte Werte in einer verwirrten Welt, welche auch bei der Oscarverleihung zum Ausdruck kamen. So politisch die Acadamy agiert, so fragwürdig entwickelt sich die Bedeutung der Oscars als Filmpreis. So ist es völlig unverständlich das „The Lovely Bones“ von Peter Jackson – einer der besten Filme des letzten Jahres - nicht nominiert wurde. Auch Woody Allens letzter Film „Whatever works“ hätte zumindest eine Nominierung fürs beste Drehbuch verdient. So pendelte die Oscar Nacht ein weiteres Mal zwischen Opportunismus und einer Anbiederung an den Zeitgeist. Mit Filmkunst hat das nur mehr wenig zu tun.
Andi Bauer
21. Februar 2010
Sunday morning coming down - die Kolumne am Sonntag
Ein toller Spruch. War kürzlich auf dem T-Shirt einer jungen Dame zu lesen und hat mich ungemein beruhigt. Die Dame strickt leidenschaftlich gern und dieses Hobby hindert Sie offensichtlich daran Menschen zu töten. Tröstlich und Hoffnungsvoll für uns alle. Dieser Spruch lässt sich natürlich für jedes mit Enthusiasmus betriebenes Hobby anwenden. Musikverrückte, Filmfreaks, Bastler & Heimwerker und all die anderen Verrückten welche Hobbys gleich einer Religion betreiben. Diese oft von unverständlicher Begeisterung getriebenen Freaks werden in unserer Gesellschaft eher belächelt, wenig ernst genommen und großmütig geduldet – sofern „die Gesellschaft“ nicht gerade das selbe Hobby betreibt. Vor 20 Jahren waren die Jogger verrückte Sportfreaks, vor 10 Jahren MUSSTE jeder laufen, da einige Schlauberger ein paar Bücher darüber geschrieben haben und das Laufen damit zum offiziellen Trend erklärt wurde. Wenn es alle machen dann ist es kein freakiges Hobby mehr – dann ist es ein Trend. Sicherlich sind auch die Grenzen fließen zwischen begeisterter Ausübung des Hobbys und entrücktem Wahnsinn. Aber was wäre unsere Welt ohne ein paar Verrückte die herauszufinden versuchen welche Liveversionen von „Like a Rolling Stone“ Bob Dylans Intention und Seele am nächsten kommt. Oder die DVDs von italienischen Filmen aus den 60er Jahren sammeln, weil nur das die wahre Filmkunst war und immer sein wird. Der geistreiche Autor und Musikfan Nick Hornby hat sich auch in den meisten seiner Bücher mit extensiv gelebten Hobbys, Freaks und Fans beschäftigt. In Fever Pitch beschreibt Hornby das Leben eines fanatischen Fußballfans. Sein bester Roman High Fidelity zeichnet treffend das Beziehungschaos eines arroganten Musik Nerds, der seine Zeit damit verbringt seine tausenden Platten nicht alphabetisch sondern chronologisch (der Zeitpunkt des Plattenkaufs) zu ordnen. In seinem aktuellen und sehr lesenswerten Buch Juliet Naked beschreibt Horny das Leben eines Fans. Duncan verehrt den (fiktiven) Musiker Tucker Crowe welcher sich nach seiner letzten Platte (1986) spurlos aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Duncan sammelt ALLES von seinem Idol, betreibt einen Blog und analysiert mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt die Lieder; Konzerte und alles betreffend dem verschwundenen Musiker. Als Duncan ein verschollenes Demoband von der Plattenfirma zugesandt bekommt hört es sich die Lieder mehrmals an, welches in ihm eine interessante Erkenntnis auslöst.
“One Thing about Great Art: It made you love people more, forgive them their petty Transgression. It worked in the way that religion was supposed to.” (von Juliet Naked by Nick Hornby)
Das Hobby als (effektiverer?) Religionsersatz, als Weg zu unserem Ursprung, zu unserem wahren Ich? Sollte das exzessive Ausleben eines Hobby, Menschen so positiv beschäftigen, dass es sie daran hindert, Anderen zu schaden? Oder sollte gute Kunst sogar in der Lage sein uns zu bessern Menschen zu machen und die Größe zu entwickeln andere mehr zu lieben. Vielleicht unterschätzen wir sie: Die Filmfreaks, Musiknerds, Hand und Heimwerker und all die Anderen, die von irgendwelchen Hobbys besessen sind. Ich weiß es auch nicht, aber ich hab jetzt keine Zeit mehr darüber zu schreiben. Ich muss meine Johnny Cash CDs abstauben und neu ordnen – chronologisch – versteht sich.
Andi Bauer
14. Februar 2010
Das Schaf im Wolfspelz
The Wolfman von Joe Johnston im Kino
Benicio del Toro gilt als gefeierter und geschätzter Nebendarsteller. Nur mit den Hauptrollen scheint es nicht so recht zu klappen. Seine erste große Hauptrolle war die des Ernesto „Che“ Guevara in der Verfilmung von Stephen Soderberg. Doch niemand wollte dieses ideologisch fragwürdige und zu verklärende Epos vom verhinderten Helden und vermeintlichen Heiligen „Che“ im Kino sehen. Manchmal haben die Menschen doch ein Gefühl fürs Reale und nicht für linke Träumereien – aber dies nur am Rande.
Das Remake vom Wolfman (1941) soll es jetzt für Benicio richten und den Weg zum Superstar ebnen. Zur Untermauerung hat der gebürtige Puertoricaner gleich mitproduziert. Was auch immer das bedeuten mag, bei sechs aufgelisteten Produzenten. Der Film selbst stand vom Anfang an unter keinem guten Mond - pardon - Stern. Regisseure wurden ausgetauscht, der Start mehrmals verschoben und das Budget explodierte auf 150 Millionen Dollar. Am Ende erwartet den Zuseher ein solider Horrorthriller mit gelungenen Schockeffekten, einer nicht zu Ende gedachten Geschichte und Schauspielern welche offensichtlich vom Regisseur im Stich gelassen wurden. Auf der Habenseite sind die wirklich tollen Effekte, welche bei der Verwandlung zum Wolf so gar nicht nach Computertricks aussehen und ein wohliges Retrogruseln auslösen. Umso enttäuschender ist es, die bereits eh schon dünne Geschichte nicht konsequent zu Ende zu erzählen.
Bereits in den ersten 15 Minuten werden die Karten verteilt und nicht mehr neu gemischt. Der heimkehrende verlorene Sohn (Benicio del Toro), der ermordete Bruder, dessen trauernde Verlobte und der distanzierte Vater mit einem dunklen Geheimnis (Anthony Hopkins). Auch dabei, der abgebrühte Polizeichef (Hugo Weaving) welcher hauptsächlich wartet und beobachtet und an dem die Ereignisse vorbeilaufen zu scheinen. Das ein Monstrum am Tode des Bruders schuld ist, wird schnell klar. Trotzdem braucht die Geschichte erstaunlich lange um in Schwung zu kommen und schleppt sich durch alte staubige Schlösser, dunkle Wälder und nebelige Wege durchs Moor. Es gibt keine Sonne und keine Freude in diesem Film. Das Unheil lauert hinter jedem Baum. Der Versuch von Regisseur Johnston Atmosphäre aufzubauen ermüdet zunehmend. Schon bald will man keinen nebeligen Wald mehr sehen. Das kurze Intermezzo in London bietet eine angenehme Abwechslung, reicht aber nicht um den Schwung ins Finale mitzunehmen. Leider verzichtet Johnston nahezu völlig sich seinen durchwegs interessanten Figuren zu widmen. Deren Motive bleiben im Dunkeln, die Liebesgeschichte ist nicht glaubwürdig und das Ende letztlich enttäuschend. Der Zuseher bleibt mit Fragen zurück. Nein, werter Benicio der Wolfman wird auch nicht zum großen Ruhm gereichen. Sorry, Next try, Please.
Andi Bauer
Sunday Morning Coming Down - Die Musik & Filmkolumne am Sonntag
Warum wir
Inzwischen forcierte Peter Gabriel seine Solokarriere und gab seinen Platten nicht mal einen Titel. Bis heute werden seine Werke chronologisch geheißen: die Erste, die zweite, usw. Ein Albtraum für die Marketingabteilung der Plattenfirma. Erst das Album SO aus dem Jahre 1986, durfte sich mit einem Titel schmücken. Musikalisch zeigte sich deutlich, dass hier kein Musiker auf der Suche nach Starruhm unterwegs ist, sondern vielmehr ein Getriebener auf der der Suche nach Klängen, Rhythmen und Melodien welche er als adäquate Ausdrucksformen einsetzten kann. Musik als Sprache. Gabriels erste vier Alben (1977-82), pendeln zwischen (sehr großzügig ausgelegten) Pop, Rock & äh Kunst. Gabriels Werke sind schwierige und faszinierende Klangkörper welche Aufmerksamkeit fordern. Sein fünftes Album SO brachte 1986 nicht nur einen Albumtitel, sonder auch den großen kommerziellen Durchbruch. Das Album hatte mit „Sledgehammer“ und dem wunderbaren Duett „Don`t give up“ mit der göttlichen Kate Bush zwei Monsterhits, und war auch sonst zugänglicher und massentauglicher – was in diesem Zusammenhang nicht „schlechter“ bedeutet. Gabriel nutzte zu jener Zeit auch das Musikvideo als neue Ausdrucksmöglichkeit und schuf grandiose Clips welche heute noch zu den Klassikern des Genres zählen. Die Tantiemen der Millionenverkäufe des SO Albums sprudelten und Gabriel investierte das Geld in sein Herzensprojekt – die REALWORLD Studios. 1988 eröffnete der Künstler das Studio in England und wurde zu einem wesentlichen, wenn nicht der ausschlaggebende, Initiator für die Globalisierung von Worldmusic. „Worldmusic“ gilt als Sammelbegriff für Musik, welche nicht dem Westen (Europa, USA) entspringt. Die Realworld Studios wurden zu einem Treffpunkt für Musiker aus der ganzen Welt. Von Afrika bis Südamerika gaben sich die renommiertesten Künstler dieser Regionen die Klinke in die Hand und nahmen in den Realworld Studios ihre Musik auf. Studiobesitzer
Andi Bauer
9. Februar 2010
Gastkomentar zu AVATAR von Ferdinand Blascke
Impressionen zu „AVATAR“
Ich wartete einige Wochen nach dem Filmstart, um mir den Film in Ruhe und ohne den Ansturm von Hundertschaften ansehen zu können. Mein Kinotermin ist meistens am Montag Nachmittag die erste Vorstellung, weil zu diesem Zeitpunkt nachweislich immer wenig bis fast gar keine Zuseher sind, und dadurch Störungen in Form von lästigen Handytelefonaten, Handyklingeltönen, Zwischenrufen oder Dialogen unter den Zusehern oder Anderes auf ein Minimum reduziert werden.
Umso überraschter war ich, als das Hereinströmen der Zuseher am Montag Nachmittag 17 Uhr nicht aufhörte, bei 200 hörte ich zu schätzen auf, weil es ohnehin mehr waren.
Der Film übertraf meine Erwartungen nach den vielen Berichten, die ich darüber gehört und gelesen hatte. Ein fantasievolles Märchen unserer Zeit mit einer Technik, die in Zukunft sicher die Kinowelt revolutionieren wird. Die Gestaltung dieser Fantasielandschaften mit den farbenprächtigen Blumen und Fabelwesen ist sicherlich ein Meisterwerk moderner, zeitgenössischer Filmkunst und wird wahrscheinlich entsprechend „Oscarmäßig“ gewürdigt werden. Das Eintauchen mit der „3-D-Brille“ in diese Welt gewährt ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Der einzig schwächelnde Punkt war die Geschichte. Eine Geschichte, die schon tausende Male in Szene gesetzt wurde, dieses Mal halt mit tollsten zur Verfügung stehenden technischen Mitteln. Ich fühlte mich manchmal in einen Karl-May-Film versetzt, war aber für mich insofern kein Problem, weil ich für jede Geschichte, in der das Gute siegt, zu haben bin. Meine Meinung ist die, daß man alle Filme auf zehn bis zwanzig Stereotypen reduzieren kann, der feine Unterschied ist dann halt immer die Kreativität und Originalität bei der Umsetzung, und dafür gebe ich diesem Film eine römische Eins.
Zwei Dinge, die bei der Story für mich gut rübergekommen sind war einerseits die Parallelität zur Geschichte mit den Indianervölkern, die ja brutalst ausgerottet und unterdrückt wurden. Gerade in dieser Hinsicht hat die amerikanische Gesellschaft dringendste Aufarbeitung nötig. Der Film könnte – gerade weil er von einem Amerikaner gemacht wurde – doch einiges dazu beitragen, wenn diese Botschaft vielleicht ursprünglich auch nicht beabsichtigt war.
Das Zweite, was mich beeindruckt hat, die Parallelität zum dritten Teil der Herr der Ringe Trilogie, „Die Rückkehr des Königs“, in der der Sieg nur mit übernatürlicher Hilfe errungen werden konnte. Ebenso in „Avatar“, als sich Jake mit einem Gebet um Hilfe an den Gott der Navi wandte, und in schier aussichtloser Lage die Wende in der Schlacht durch das überraschende Eingreifen der Tiere gebracht wurde.
Alles in Allem ein sehr gelungener Film, den man wirklich gesehen haben sollte.
Ferdinand Blaschke
Philosoph, Schriftsteller und Autor des Buches: “Die Sargnagel Saga”
7. Februar 2010
Sunday Morning Coming Down - Die Musik & Filmkolumne
Seit einer Woche ist es offiziell - AVATAR ist der erfolgreichste Kinofilmbisheriger Zeiten. (Den Terminus "aller Zeiten" benütze ich hier nicht, da überdiesen ja auch schon gejammert wird - da dieser ja die Zukunft einbezieht). Nachdemdie Zahlen von AVATAR in trockenen Tüchern waren, kamen natürlich gleich die erstenBesserwisser und Erbsenzähler aus ihren Computerhöhlen und Redaktionsstuben um lautABER zu schreien und zu schreiben. Den eigentlich ist ja Vom Winde verweht immernoch auf Platz eins - inflations-bereinigt und so. Und außerdem hatte Titanicinsgesamt mehr Besucher - und sowieso und überhaupt. Nun denn, im Internet dieZahlen abschreiben kann jeder. Den Film-Experten von TV-Media ist es ja auch nichtzu blöd die Analysen von www.boxofficemoco.com zu übersetzen und in ihr Heftchenreinzukopieren. Soll, ja alles sein. Aber ein bisschen mitdenken und zu eigenenSchlüssen zu gelangen ist halt eine andere Form des Journalismus. Und da ich auch nur den Statistiken glaube, die ich selbst gefälscht habe, an dieser Stelle ein kurzer Blick auf die Erfolgsfaktoren für Kinofilme. Es gibt drei sachliche Bemessungsgrundlagen um den Erfolg eines Kinofilms faktischzu erfassen. Erstens, das Einspielergebnis in US Dollar, welches seit Jahrzehntenvon der US-Filmindustrie verwendet wird und klare wirtschaftliche Ursachen hat. Esist daher völlig sinnlos das Ergebnis eines heutigen Films mit einem vor 20 Jahrenzu vergleichen. Alles hat sich verändert, die Marketingkosten, die Verleihkosten,die Vertriebswege usw. Die Filmindustrie rechnet simpel kaufmännisch: Kosten gegenEinnahmen. Daher orientieren sich die amerikanischen Hitlisten nach Einnahmen in USDollar, unabhängig davon was der Dollar wert war oder die Kinokarte kostete. Die zweite Bemessungsgrundlage ist es die Einnahmen inflationsbereinigt zuvergleichen. AVATAR hat bereits über 2 Milliarden Dollar weltweit eingespielt. DieKinokarte für AVATAR ist jedoch bedeutend teurer als für einen Film wie Vom Windeverweht 1939. Damals wurden durchschnittlich 23 Cent für eine Kinokarte bezahlt. VomWinde verweht hat weltweit ca. 400 Millionen Dollar eingespielt, diese Summe würdeheute inflationsbereinigt einen Wert von 3 Milliarden Dollar entsprechen.Inflationsbereinigt ist AVATAR momentan auf Platz 20 der ewigen Hitliste (nur USAEinspielergebnisse), wobei die meisten Titel aus den 50er, 60er und 70er Jahrestammen, also aus einer Zeit wo es keine Videos, DVDs, und Internet gab und das Kinofast konkurrenzlos war. Nur drei Filme aus den 90er Jahren liegen hier noch vorAVATAR. Jurrassic Park 1993, Titanic 1997 und Star Wars Epsiode I 1999. Hier sinddie inflationsbereinigten Charts: http://www.boxofficemojo.com/alltime/adjusted.htm Wobei, weltweit liegt AVATAR inflationsbereinigt bereits auf Platz zwei, weil derFilm außerhalb der USA sehr erfolgreich ist.Die ehrlichste und beste Bemessungsgrundlage wäre somit die Dritte, nämlich dieBesucherzahlen zu ermitteln. Dies wird jedoch nur in Europa gemacht. In den US-Kinos werden die Besucherzahlen nicht erhoben, da nur der nackte Dollar zählt.Titanic hat immer noch mehr Besucher als AVATAR, das liegt daran das der 3-DAufschlag bei AVATAR sehr hoch ist. In Österreich liegt AVATAR bei 900.000Kinobesuchern. Die erfolgreichsten Filme in den letzten Jahren waren hierzulande derSchuh des Manitu 2001 (1,8 Millionen Besucher), Titanic 1997 (1,7 Mill. Besucher)und ICE AGE 3 2009 (1,3 Millionen Besucher). Das ist nichts im Vergleich zu denMillionen Menschen welche sich in den 60er Jahren die Winetou & James Bond Filmeangesehen haben. All diese Zahlen seien angeführt um zu verdeutlichen wie dumm die oberflächigenVergleiche sind. Als Vom Winde verweht 1939 in die Kinos kam, gab es in denHaushalten noch keine TV-Geräte. Als 1997 Titanic ihren Siegeszug antrat, gab eszwar TV und Videotheken, jedoch steckten das Internet, Privat-TV und die DVD noch imSäuglingsstrampler. Im Jahre 2010 kämpft ein Kinofilm mit übermächtiger Konkurrenz.100 TV Programme, illegale Downloads, billige DVDs & einer Jugend welche die Konsoleschon lange dem Kinobesuch vorzieht. Unter diesen Gesichtspunkten hat sich AVATAR den Titel: "Erfolgreichster Film seit Menschengedenken" redlich verdient. Andi Bauer