17. April 2009

Östliche Wälder

Gran Torino von Clint Eastwood

Clint Eastwood hat seit 17 Jahren einen einzigartigen Lauf. 14 Filme hat der Mann inszeniert und dabei keinen einzigen Ausfall abgeliefert. Eastwoods Filme rangieren von gut (selten) bis großartig (meistens). Der neue Streifen ist wieder mal großartig. Eastwood hat Regie geführt und spielt seit langem wieder mal die Hauptrolle. Diese heißt Walt Kowalski und ist ein verbitterter Kriegsveteran welcher sich nach dem Tod seiner Frau noch mehr zurückzieht und von seiner Familie und Umwelt abkapselt. Kowalski versucht gar nicht seinen Rassismus und seine Abscheu gegenüber seiner Mitmenschen zu verbergen. Er beleidigt den zuständigen Priester, beschimpft seine asiatischen Nachbarn und schmeißt nach einem Streit seinen erwachsenen Sohn raus. Eastwood beschönigt nichts und zeigt die andere Seite Amerikas. Ältere Mitbürger die ihn Kriegen kämpften und sich in der immer schneller drehenden Welt nicht mehr zurechtfinden. Durch einen Zufall lernt Kowalski seine asiatischen Nachbarn kennen. Gerade mit den so verhassten Asiaten entwickelt sich eine sanfte Beziehung welche ohen Kitsch und Pathos erzählt wird. Kowalski beginnt nach anfänglicher Skepsis den Teenager der Familie unter seine Fittiche zu nehmen und wird dadurch in einen Bandenkrieg hineingezogen welcher am Ende eskaliert.

Der Film zeigt keine unrealistische Wandlung eines Saulus zum Paulus. Fast ungewollt lernt Kowalski die Welt seiner Nachbarn kennen und nimmt Anteil ohne dabei zum vermeintlichen besseren Menschen zu mutieren. Es ist berührend zu erleben wie der Regisseur Eastwood mit einfachsten Mitteln eine kraftvolle Geschichte erzählt über Menschen die versuchen ihren Platz in der Welt zu behalten und über andere die versuchen diesen Platz zu finden. Alt & Jung, Ost & West - in Gran Torino treffen sich diese unterschiedlichen Welten.

Und ganz am Ende fährt der heimliche Hautdarsteller und Namensgeber in einer letzten Einstellung am Meer entlang. Und es sind diese abschließenden wunderschönen Bilder welche dem Zuseher nur bestätigen einen wirklich großen Film gesehen zu haben.

Eastwood hat erneut einen wunderbaren, berührenden und tröstlichen Film abgeliefert und arbeitet inzwischen schon an seinem nächsten Werk – eine Biographie über Nelson Mandela.

Andi Bauer

Die Regiearbeiten von Clint Eastwood in den letzen 17 Jahren

Erbarmungslos 1992

Perfect World (mit Kevin Costner) 1993

Die Brücken am Fluss (mit Meryl Streep) 1995

Absolute Power (mit Gene Hackman) 1997

Mitternacht im Garten von Gut und Böse 1997

Ein perfektes Verbrechen 1999

Space Cowboys 2000

Blood Work 2002

Mystic River 2003

Million Dollar Baby 2004

Flags of our Fathers 2006

Letters from Iwo Jima 2006

Changeling 2008

Gran Torino 2008

24. März 2009

Heiliger Zorn

96 Hours von Pierre Mourel

Selbstjustizthriller sind eine haarige Sache. Oberflächig befriedigen sie niedrige menschliche Instinkte nach Rache und den nachvollziehbaren Wunsch nach (vermeintlicher) Gerechtigkeit. Ein Rückfall ins alte Testament. Aber was tun wenn die Behörden versagen, wenn der Rechtstaat nicht mehr für Recht sorgt?

Der französische Regisseur und Produzent Luc Besson hat sich auf das gefährliche Terrain gewagt und meistert es mit Bravour. „96 Hours“ ist ein geradliniger, harter und zutiefst emotionaler Actionthriller welcher den Zuseher aufwühlt und nachdenklich in die kalte Nacht entlässt.

Der Trumpf des Films ist nicht nur die schockierend realistische Geschichte über Mädchenhandel sondern vor allem sein Hauptdarsteller Liam Neeson. Neeson völlig gegen sein Softie-Image besetzt, verkörpert mit jeder Bewegung und jeder Mimik den verzweifelten Vater welcher bereit ist, jeden Weg zu gehen und jedes notwendige Opfer zu bringen um seine entführte Tochter aufzuspüren und aus der Hand von Mädchenhändlern zu befreien. Neeson spielt den ehemaligen CIA Agenten Bryan Mills dessen 17 jährige Tochter Kim mit ihrer Freundin eine Reise nach Paris unternimmt. Durch einen simplen Trick werden die Mädchen in eine Falle gelockt und entführt. Dies geschieht während Kim mit ihrem Vater telefoniert. Bryan kann übers Handy einige Informationen aufschnappen und diese mit Hilfe seiner ehemaligen Kollegen auswerten. Es stellt sich heraus, dass die albanische Maffia dahinter steckt und gerade mal 96 Stunden bleiben, bevor die Spur der Mädchen endgültig verloren geht. Mills reist nach Paris, und stößt dabei zuallererst auf die unkooperative und korrupte französische Polizei. Auf sich allein gestellt verfolgt er mit stupender Professionalität und unnachgiebiger Härte die Spur seiner Tochter und hinterlässt dabei mehr als nur verbrannte Erde. Hier setzt natürlich die Diskussion ein wieweit Selbstjustiz zulässig ist – und was tun wenn der Rechtsstaat versagt? Selbstjustiz ist natürlich nie zulässig und Menschen welche „96 Hours“ gesehen haben werden danach auch nicht auf die Idee kommen das Recht in die eigenen Hände zu nehmen. Aber der Film thematisiert auch den Schmerz und die Verzweiflung eines Vaters. Ein Vater der die himmelschreiende Ungerechtigkeit nicht mehr hinnimmt, dass vor den Augen der Polizei Kriminelle ungeniert agieren. Ein Vater der um das Leben seines Kindes kämpft. Und der Film taucht auch in eine Thematik ein, welche uns allzu oft ohnmächtig und tatenlos zurücklässt – Junge Mädchen werden entführt und zur Prostitution gezwungen.

Bryan Mills überwindet diese Ohnmacht und handelt – Eltern werden ihn verstehen.

Andi Bauer

10. März 2009

Seife, Haut und das Vakum der Liebe

Soap & Skin      Lovetune for Vakuum          

 

„Die neuen Österreicher“. Seit Jahren trommelt Österreichs größter Radiosender die Kampagne die suggerieren soll, dass man Nachwuchsmusiker in unserem Land fördert. Im Radio werden dann interessanterweise nur jene Bands gespielt, die bei den großen Plattenfirmen unter Vertrag sind und die auch brav bei den Radiomachern teure Werbezeiten buchen. Das sind dann „die Jungen Österreicher“.

Die Anderen? Da könnte ja jeder kommen und außerdem war des immer schon so – im schönen Österreich. Diese „natürlichen“ Einschränkungen für viele heimische Musiker erfordern zusätzliche Kreativität für den Vertrieb von Musik. Die 18jährige Anja Plaschg gehört zu den „Anderen“ und ist mit Ihrem Projekt Soup & Skin zu einem kleinen Label und damit gleich nach Deutschland gegangen.

 

Und wenn jetzt die deutsche Musikbibel „Rolling Stone“ in höchsten Tönen über die junge Steirerin schreibt, beginnen auch österreichische Medien und Radiostationen aufzuwachen. Anja Plaschg hat ihr Album in den letzten vier Jahren zuhause alleine mit Klavier und Gesang eingespielt. Contrabass, Viola und Cello wurden später in Wien dazu aufgenommen. Natürlich nach den Vorstellungen von Anna. Die eigenwillige junge Dame hatte von Beginn klare Vorstellungen wie ihre Musik klingen soll und ihr Debütalbum Lovetune for vakuum auch selbst produziert. Das Ergebnis ist – erstaunlich. Die Platte wirkt eigenständig und eigenwillig, melancholisch und verletzlich, erhebend und  berauschend. Im Zentrum der Lieder steht das Klavier und Annas Stimme. Die Lieder sind getragen von einer traurigen Grundstimmung, behandeln Teenageängste und strahlen doch ein ungebrochen starkes Selbstbewusstsein aus. Titel wie „Sleep“, „Extinguish me“ oder „Brother of sleep“ lassen zum Teil tief in die Seele eines Teenagers blicken. Am Ende bleibt aber nur die Musik.

Erfreulich, das die Künstlerin offensichtlich weiß was sie will und diesen Weg auch konsequent geht. Vielleicht könnte gerade Sie, dadurch zu einer Prophetin werden, die im eigenen Land etwas gilt. Wie auch immer sich die Karriere von Soap & Skin entwickelt, es ist wieder einmal schön zu erleben, welche außergewöhnlich talentierte Künstler in Österreich aktiv sind und das diese Ihren Wege finden – wenn auch abseits der Trampelpfade.

 

Andi Bauer

 

14. Februar 2009

Die Banken sind Schuld

The International von Tom Tykwer Thriller ab 13.2. im Kino

In einer Schlüsselszene versucht Agent Salinger den Banker Wilhelm Wexler
zu einem Geständnis zu bewegen um die in kriminelle Machenschaften verstrickte Bank I.B.B.C (die 5. Größte der Welt) zum Fall zu bringen. Wexler entgegnet gelassen, dass es nicht an Beweisen mangelt, sondern dass man die Anklage einfach nicht zulassen werde da ALLE in diese Bank verstrickt seien. Mit Alle meine er, Nationen, Politiker, Konzerne - einfach Alle.
Natürlich ist die Geschichte fiktiv und die I.B.B.C. existiert nicht
wirklich. Im Film hat die Bank ihren Sitz in Luxemburg und ist ein kühler, steriler Komplex aus Stahl und Glas. Unweigerlich ahnt der Zuseher jedoch, dass es solche Banken mit ähnlichen Machenschaften wirklich gibt – sie haben nur andere Namen. Pikanterweise wurde der Film bereits im Herbst 2007 gedreht – lange vorm bekanntwerden der aktuellen Bankenkrise.
Fertiggestellt im Sommer 2008, wurde der Streifen seitdem vom Verleih wie eine heiße Kartoffel hin und hergeschoben und erst jetzt ins Kino gebracht. Ein Schelm wer böses denkt.
Clive Owen spielt Interpol Agent Louis Salinger welcher mit seiner New Yorker Kollegen Eleanor Whitman (Naomi Watts – leider unterfordert) auf der Spur der besagten Bank ist. Für Salinger ist es inzwischen ein persönlicher Kreuzzug und sein Lebensinhalt geworden die Bank zum Fall zu bringen. Seit Jahren hat er sich fanatisch in dem Fall festgebissen und jagt
nach Spuren und Beweisen durch die halbe Welt.
Der deutsche Regisseur Tom Tykwer inszeniert rasant und gekonnt. Die erste Hälfte des Films baut eine fast paranoide Spannung auf. Die Bank wirkt übermächtig, der Feind ist unsichtbar und nicht greifbar. Behörden, Polizei und Politiker - alle scheinen gekauft und korrumpiert zu sein.
Tykwer macht alles richtig und weiß auch wie man eine Kamera aufstellt. Atemberaubende Aufnahmen von Mailand, New York, Istanbul & Berlin untermalen die packende Geschichte. Das 2. Drittel des Films gipfelt in einer sensationellen Actionszene im New Yorker Guggenheim Museum welche den Zuseher in emotionale Geiselhaft nimmt. Regisseur Tykwer empfiehlt sich erneut als Deutschlands talentiertester Regisseur. 1998 hat er mit Lola rennt einen der besten deutschen Filmen der Nachkriegsgeschichte abgeliefert, sein letzter Film war die
Literaturverfilmung Das Parfum (2006). Der Deutsche verkauft sich eben hervorragend international. Statt wie vieler seiner Kollegen auf Hollywood zu schimpfen oder - wie die Österreicher über mangelnde Subventionen zu raunzen - nimmt er das Geld der Amerikaner und inszeniert einen tollen Actionthriller mit unverkennbar europäischer Handschrift. Ein guter
überzeugender Hauptdarsteller, hervorragende europäische Charakterdarsteller in den Nebenrollen, beklemmend realistische Actionszenen und eine gute Geschichte - welcher zwar zum Ende hin ein bisschen die Luft ausgeht. Aber ganz zum Schluss gibt es dann statt einem
gekünstelten Happy End eine "Italenische Lösung" welche dem Zuseher mitten in der Trostlosigkeit zumindest ein Lächeln abringt. Vielleicht ungewollt, ist The International ist ein brisantes Statement zur derzeitigen Finanzkrise und überdies der viel bessere James Bond Film.

Andreas Bauer

4. Februar 2009

Only the good die Young

Der seltsame Fall des Benjamin Button von David Fincher seit 31.1. im Kino

 

Es gibt ihn noch – das seltene Wunderwerk von Film welche den Zuseher verblüfft, nachdenklich macht und emotional aufgewühlt in die kalte Nachtluft entlässt.

Es fällt schwer nach einer Vorführung von „Benjamin Button“ über den Film zu reden, über den Inhalt zu reflektieren und zu diskutieren. Unweigerlich spürt man, was Großes gesehen zu haben und möchte dies nicht gleich durch intellektuelle Analysen bewerten. Der Film braucht Zeit für nachher, um zu wirken sich auszudehnen. „Benjamin Button“ ist nicht nur ein großartiger Film der Geschichte schreiben wird - er wird auch zu einem Spiegel der menschlichen Seele.

Brad Pitt spielt Benjamin Button, ein Mensch der jünger wird. Mit dem Bewusstsein eines Neugeborenen im Körper eines Greises geboren, wächst das Kind im Altersheim auf. Während - wie es für Kinder üblich ist - Benjamin damit beginnt zu entdecken und zu spielen, verjüngt sich sein Körper mit jedem Tag. 

So absurd diese Geschichte auch klingt, vermittelt Sie gerade aufgrund der diametralen Entwicklung von Bewusstsein und physischen Möglichkeiten den Wert des Lebens und die Bedeutung des glücklichen Augenblicks. Fincher erzählt die Geschichte mit ruhigen fast meditativen Bildern, nimmt sich viel Zeit die Tiefe seiner Figuren auszuloten und schafft es ohne große Erklärungen Botschaften zu vermitteln. Es geht nie darum warum Benjamin so ist, sonder immer nur darum was er aus seinem Leben macht. Der Film ist auch ein Fest der Schauspieler. Brad Pitt spielt die Titelrolle überzeugend und bewegend, ihm zu Seite agiert Cate Blanchett welche sich erneut als beste Schauspielerin Ihrer Generation empfiehlt. Bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt trägt das hervorragende Ensemble die Geschichte über 180 Minuten. „Zu lange“, meinten viele amerikanische Kritiker. Natürlich, und Goethes Faust ist zu dick und auch Mozart hat zuviel komponiert. Regisseur Fincher nimmt sich die Zeit, die er für seine Geschichte braucht und es ist eine Wohltat dieser Entfaltung beizuwohnen.  

Viel wurde auch im Vorfeld über den Film berichtet. Sei es die unglaublichen Spezialeffekte welche Pitt überzeugend zum alten Mann verwandeln, oder das der Film mit 13 Nominierungen der heißeste Anwärter für die Oscars ist. All diese Dinge sind nicht wirklich wichtig, und es ist völlig egal wie viele Oscars Benjamin Button kriegt, wie viel Geld der Film einspielt oder welche technischen Kunststücke auf der Leinwand zu sehen sind.

Es ist bedeutungslos weil der Film eine Geschichte erzählt welche in der Lage ist die Zuseher tief im Herzen zu berühren.

Größere Kunst gibt es nicht.

 

Andreas Bauer

23. Januar 2009

Tom Cruise und der Widerstand

Operation Walküre von Bryan Singer ab 23.01.2008 im Kino



Das war wieder mal ein Wirbel im Vorfeld. Seit im Sommer 2007 die Dreharbeiten für den Film Walküre – das Stauffenberg Attentat in Berlin begannen rissen die Meldungen nicht ab. Wird Hollywood dem „deutschen – Thema“ gerecht? Ist Tom Cruise die richtige Besetzung und überhaupt, darf ein Scientologe den Stauffenberg spielen. Stauffenbergs Sohn äußerte schwerste Bedenken bezüglich der religiösen Ausrichtung von Herrn Cruise. „Ein Scientologe sollte meinen Vater nicht spielen“ meinte Er in der Süddeutschen Zeitung. Der gute Mann hat leider auch nicht viel von der Geschichte gelernt. Regisseur Bryan Singer – selbst jüdischer Herkunft – verstand die in Deutschland stattfindende Diskussion, nach eigener Aussage überhaupt, nicht und hatte seine eigenen Probleme. Sein letzter Film „Superman Returns“ war kein großer Wurf und Singer brauchte einen Hit.

Noch enger wurde es für Cruise. Vor drei Jahren stieg der ewige Sunnyboy in das renommierte United Artist Studio als Vizepräsident ein und produzierte bisher nur den Flop „Lions and Lambs“. Ein Misserfolg könnte Cruise Karriere empfindlich beschädigen.

Diese Gefahr ist vorerst gebannt. „Walküre“ ist trotz des schwierigen Themas – deutsche Nazioffiziere als Helden – in den USA ein Hit. Die Amerikaner stürmten überraschend die Kinos und wollten die Geschichte über das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler sehen. Es ist zu erwarten, dass der Film in Europa noch mehr Besucher generieren wird. Der Streifen hat den Erfolg auch verdient. Natürlich werden besser wissende Historiker genug Haare in der Suppe finden und Kritiker bemängeln den zu lockeren Umgang mit dem tragischen Stoff. All das liegt, wie so oft, im Auge des Betrachters. „Walküre“ ist ein Hollywood Film welcher ein historisches Thema behandelt und keine Dokumentation. Wer mehr oder anderes erwartet ist selber schuld. Natürlich ist Tom Cruise nicht die beste Wahl Stauffenberg zu spielen – ein neues, unverbrauchtes Gesicht in der Hauptrolle hätte dem Film sicher besser gestanden. Geschenkt. Abgesehen davon ist Walküre ein ausgezeichneter historischer Thriller welcher erneut aufzeigt das während dem 2. Weltkrieg auch in Deutschland Menschen versuchten das „Richtige“ zu tun, und sich Hitler entgegen stellten. Der Film ist handwerklich hervorragend gemacht, es geling Bryan Singer bis zum Ende den Spannungsbogen zu halten. Das ist wahrlich eine Kunst, bei einer Geschichte deren Ausgang jedermann kennt. Walküre ist auch ein Lehrfilm für alle Systemkritiker und Weltverbesserer. Denn es ist eine Sache die Fehler der Vorväter zu kritisieren, und es ist eine Andere, Schritte dagegen zu setzen. Besonders wenn der Preis dafür immens hoch sein kann. Wir können dankbar sein, in einer Zeit und in einer Region zu leben, in der es nicht das Leben kosten muss gegen das bestehende System zu rebellieren.

So zeigt Walküre nicht nur die Grenzen der Widerständler auf, welche versuchten Hitler zu stürzen, sondern zieht indirekt auch eine Grenze für zeitgenössischen Kritiker. Fazit: Kritisiere Andere nur dann, wenn du dir sicher bist ist einer ähnlichen Situation besser zu handeln. Aus diesen Gründen ist „Walküre“ ein mehr als sehenswerter Film.

Andreas Bauer

13. Januar 2009

Weinendes Licht......

Antony and the Johnsons The Crying Light

„Beauty is the new Punk“. Schönheit in den kleinen Dingen, im Alltag, Schönheit in der Kunst, Schönheit in der Popmusik zu entdecken – das wäre mal eine Rebellion. Natürlich gibt es viel gute bewegende Musik aber Schönheit in der Musik findet doch eher in der Klassik statt, Mozart, Bach und all die Anderen. Popmusik ist schnell, laut, kurzlebig. Schönheit braucht Zeit und Raum.

Popmusik muss cool sein und schlau, muss ins Radio passen und ins Ohr gehen und drin bleiben, muss sich verkaufen können und auf den ersten Blick gefallen. Populär eben.. Das neue und dritte Album von Antony and the Johnsons erfüllt keines dieser Kriterien und ist trotzdem eines der besten und schönsten Popalben der letzten Jahre und ein sicherer Anwärter auf das beste Werk des noch jungen Jahres. Beste Platte oder nicht, all dies ist Bedeutungslos. Gegen alle Konventionen wird hier Musik in einer Schönheit, Reinheit und Verletzlichkeit dargeboten dass hier generelle Kriterien nicht gelten können und dürfen. Die Musik pendelt zwischen kunstvollen Pop, Barock und einem Hauch von Soul. Klavier, Streicher und Gitarren begleiten durch das zentrale Thema – die Vergänglichkeit des Irdischen. Das zentrale Instrument in allen Liedern ist jedoch Antony`s Stimme welche unbeschreiblich und einzigartig ist. Sanft und kräftig, zart und voll – der Gesang ist entrückt. Antony`s Stimme wirkt auf den Hörer wie ein erster Sonnenaufgang nach 10 Jahren kalten dunklen Winter, wie der Duft des Waldes nach einem Leben in der Großstadt und wie der Geschmack einer Tomate nach 40 Tagen fasten. Sie haben so eine Stimme in der Popmusik noch nicht gehört und es ist vergeudete Liebesmüh Worte dafür zu finden. Es ist nur ein Beweis das die menschliche Stimme letztlich doch das wundervollste Musikinstrument ist. Hören Sie rein in diese Platte und lassen Sie sich verzaubern. So schön kann Popmusik sein.

I need another world
This one's nearly gone
Still have too many dreams
Never seen the light
I need another world
A place where I can go

The Crying Light könnte die ganz große Platte des Jahres werden – wenn sich genug Menschen finden die bereit sind zuzuhören….