9. August 2012

Alien - Lost in Confusion

good@wise Filmkritik

Prometheus  von Ridley Scott  ab 10.8. im Kino

Mit Alien (1979) hat Ridley Scott möglicherweise den besten Science-Fiction-Horror Streifen der bisherigen Filmgeschichte geschaffen. Das Spiel mit menschlichen Urängsten, ein innovatives und neuartiges Monster und eine erfrischende weibliche Heldin bildeten die Eckpfeiler für den Kultfilm. Auch hat die Geschichte Ecken und Kanten und der Film bietet eine großartige Bildsprache. Es ist nur verständlich das sein neuer Film Prometheus seitens der Marketingabteilung der Fox-Studios als Alien-Vorgeschichte plaziert wurde. Scott selbst agierte auf Anfrage ausweichend und mystisch. Keine Vorgeschichte, eventuell eine Parallelhandlung – alles ist möglich - der Zuseher soll selbst entscheiden. Eine Zurückhaltung welche möglicherweise in der Unsicherheit liegt, das der Film mit seinem großen Vorgänger verglichen wird - Zurecht.

Ridley Scott hat großartige Filme gedreht wie Gladiator, Black Hawk Down, Blade Runner und Alien. Er hat jedoch auch einige Stinker zu verantworten wie White Squall, Robin Hood, Königreich der Himmel und Die Akte Jane. Prometheus liegt ziemlich genau dazwischen. Ein gut gemachter Film der den Zuseher nicht wirklich zufriedenstellt.

Prometheus spielt im „Alien-Universum“, hat jedoch mit der Geschichte wenig zu tun. Die wenigen Querverweise zum Originalfilm sind wenig erhellend und letztlich unbefriedigend. Hier wäre ein interessanterer Ansatz für die Geschichte möglich gewesen. Wie, die Ursprünge der Alien-Rasse zu erforschen. Verschenkt.

Scott konzentriert sich auf philosophische Aspekte, geht mit seiner Geschichte auf Sinnsuche und verrennt sich dabei. Den Fragen nach dem  Sinn des Lebens und dem Ursprung der Menschheit werden nachgegangen.  Diese werden weder zufriedenstellend (wie auch) noch provokant (wäre zumindest ein Möglichkeit) beantwortet. Dazwischen irren Schauspieler wir Noomi Rapace, Idris Elba und Charlize Theron durch den Film, die scheinbar nicht ihren Platz finden und letztlich auch vom Drehbuch verraten werden. Einzig Michael Fassbender zeigt als Androide einige gute Momente. Die wenigen Horrorszenen  sind technisch gut umgesetzt, aber nicht innovativ und wirken in dem langatmigen und auch streckenweise langweiligen Film deplaziert. Alleine die ewig lange Untersuchung der „Höhlen“, strapaziert die Geduld des Zusehers.

Was Prometheus jedoch zu bieten hat, sind hervorragende Schauwerte. Die Bilder sind überwältigend, wie auch die Effekte. Der ehemalige Werbefilmer zeigt hier was er kann. Es reicht jedoch nicht wenn beeindruckende Bilder durch eine nichtssagende Geschichte zusammengehalten werden.

Nach den schönen Bildern bleibt dem Zuseher am Ende des Films das große Nichts – auch eine philosophische Aussage.

Andi Bauer

25. Juli 2012

Die Fledermaus lahmt

The Dark Knight Rises  von Christopher Nolan

Als die Beatles ihr letztes Album „Let it Be“ veröffentlichten war die Enttäuschung groß. Die Band war bereits zerbrochen und die Musiker in alle Winde verweht. Das Album - ein schwachen Schatten der Hochblüte - die mit „Rubber Soul“ begann und über „Revolver“ bis zum „White Album“ und „Abby Road“ führte. Enttäuschung ist immer die Folge falscher oder zu hoher Erwartungen. Letztlich hebt sie die eigene Täuschung auf.

So gesehen ist auch „The Dark Knight Rises“ eine Enttäuschung. Nach dem nahezu perfekten „Bat Begins“ von 2005 und dem fulminanten „The Dark Knight“ von 2008,  lagen die Erwartungen für das dritte Batman-Abenteuer von Regisseur Christopher Nolan in unnatürlich hohen Sphären. Nolan hat sich auch als der Regisseur für das neue Jahrtausend empfohlen, dem es wie keinem Anderen gelang, Arthouse-Kinostoffe für die breite Masse aufzubereiten. „Memento“, „Insomania“, „The Prestige“ und „Inception“ überzeugten Kritiker wie Kinofans. „The Dark Knight Rises“ sollte der Höhepunkt seines bisherigen Schaffens werden. Eine Comicverfilmung für Erwachsene mit psychologischer Tiefe der Figuren und dennoch genug Actionzucker fürs breite Volk.
Die Marketingkampagne tat ihr übriges. Sei einem Jahr tönt es aus allen Äthern:  „Die Legend Ends“. Bevor die Dreharbeiten abgeschlossen waren, wurde bereits Bane als Batmans finaler und übermächtiger Gegner für Medien und Fans in Stellung gebracht. Grausam, mit übermenschlichen Kräften und überdurchschnittlicher Intelligenz, der Batman in jeder Hinsicht überlegen ist, hieß es seitens der Marktschreier. Auf den Postern sah man Bane davonstapfen, hinter ihm eine zerbrochene Batmanmaske liegend. Fans befürchteten das Schlimmste, manche sogar den Heldentod Batmans. Kein Film wurde in diesem Jahr stärker gepusht und sehnsüchtiger erwartet.

Bane hat auch in den ersten Filmszenen - welche an einen James Bond Vorspann erinnern - ein sehr starken Start. Jedoch einen um so schwächeren Abgang. Seine Figur überzeugt weder als intelligenter Gegner, noch als Führer seiner Armee aus Freizeitterroristen. Zu oberflächig sind seine Motive, wie auch zu plump seine Aktionen. Auch die zweite neue Hauptfigur - „Catwoman“ - bleibt dem Zuseher eher fremd und scheint nicht so recht in die Geschichte zu passen. Selenas Motive sind rätselhaft, ihre Winkelzüge dennoch vorhersehbar. Nolan hätte gut daran getan, sich mehr auf diese neuen Hauptfiguren zu konzentrieren. Anstatt dessen führte der Regisseur weitere – oft überflüssige - Nebenfiguren ein. Damit verkompliziert und bremst er  die Geschichte. Neue Helden, neue Polizisten, neue böse Aktionäre der Waynestifung, neue skrupellose Finanzhaie und (wiedermal) korrupte Senatoren. Der Film beginnt spätestens im Mittelteil zu zerfasern. Der Zuseher verliert den Überblick über die Handlungsstärnge und kennt sich nicht mehr aus. Denn es gibt auch noch die Stammmannschaft wie den treuen Butler Alfred, Commissioner Gordon und Wanye-Fundation-Vostand Lucious Fox. Die brauchen auch ihren Platz in der Geschichte. Reichlich viel Gedränge an den vorderen Schauspielerrängen. In dem Chaos versucht Nolan noch zusätzlich mit Seitenhieben auf die Wirtschaftskrise und Anspielungen auf den „War of Terror“ gesellschaftspolitisch seinen Senf abzugeben. Hier hätte der zu lange und auch phasenweise zu langatmige Film ruhig eine Straffung vertragen können, mit Konzentration auf die Figuren und dem Verzicht auf so manche Nebenrolle. So ist Matthew Modine als Foley völlig überflüssig und der plötzlich wieder aufgetauchte Scarecrow als Richter nur ärgerlich.

Auf der Strecke bleibt Batman. Dieser muß sich im Film mindestens zweimal    „wieder selbst finden“, verliert dabei fast alles, gewinnt so manches und verkommt trotzdem mehr zu einem Nebendarsteller. Das Ende versöhnt zum Teil, läßt jedoch hoffen das Nolan seine Ankündigung wahr macht und keinen weiteren Batman-Film mehr dreht. Man mag es nicht glauben, aber offensichtlich hat der Regisseur bereits mit seinem zweiten Batman-Film, das meiste seines Pulvers verschossen. Vielleicht lag dieses mal zuviel Macht in den Händen des Wunderknaben. Hat er doch das Drehbuch gemeinsam mit seinem Bruder geschrieben und sonst auch alles selbst gemacht. „The Dark Knight Rises“ ist leider nur ein müder Schatten der ersten beiden – zweifellos immer noch großartigen - Streifen der nun vollendeten Trilogie.

Ähnlich wie Bruce Wayne, der am Anfang auch humpelnd am Stock geht, lahmt diese Fledermaus. Unterm Strich ist „The Dark Knight Rises“ ein durchwegs passabler Film, der seine guten Momente hat und auch unterhält. Nolan hat sein Handwerk nicht verlernt. Die Luftaufnahme von Gotham City als, die von Bane in der statt verteilten Bomben hochgehen, ist von beeindruckender und auch grausamer Schönheit. Ja, auch die "The Dark Knight Rises" hat seine großen Momente.
Nur, das ist zuwenig – nach dem was uns versprochen wurde.
So enden keine Legenden.  

Andi Bauer

29. April 2012

"WE HAVE A HULK"

 - und die beste Comicverfilmung seit es Kino gibt

good@wise Filmtipp:  MARVEL`S - THE AVENGERS

Die beste aller bisherigen Comic-Verfilmungen. Ein Satz den man wohlüberlegt und mit Bedacht niederschreiben sollte, wenn man einen aktuellen Kinofilm rezensiert. Bei den „Avengers“ fließt dieser Satz genüßlich und ohne einen Hauch von Zweifeln aus meinen Fingern. Ein Film der mich flehen läßt, daß die Produzenten keinen zweiten Teil machen – da dieser nur scheitern kann. Freilich, ein naives und sinnloses Flehen. Scheibtruhen voller Geld werden die Disney-Studios davon karren und somit ist eine Fortsetzung die unvermeidlich. Die „Avengers“ werden auf der ganzen Welt Millionen Filmfans in die Kinos locken und diese werden den Film mehrmals schauen. Zweifellos haben wir es schon jetzt mit dem Hit des Jahres zu tun.

Seit 12 Jahren schon, gestalten renommierte Regisseure wie Bryan Singer, Sam Raimi und Christopher Nolan das einst belächelte Genre der Comicverfilmungen um. Charakterliche Tiefe der Figuren, qualitative Unterhaltung und Ernsthaftigkeit gepaart mit klugem Humor bereichert seitdem das Genre ungemein. Die Filme wurden erwachsener und dennoch nicht minder unterhaltsam. Die „Avengers“ kulminieren diese Entwicklung und bringen den Comic-Film zu einem ungeahnten Höhepunkt. Anspruchsvolle Unterhaltung, beeindruckende 3D -  und Special-Effekte die nie zum Selbstzweck gereichen, greifbare kantige Figuren und ein furioser Spannungsbogen. Dazu Actionszenen in unglaublichen Dimensionen. So hoch die Erwartungen in den Film waren sie wurden nicht nur übertroffen sondern pulverisiert. Man fühlt sich klein und unwürdig, den Film im Vorfeld mit Zweifeln bedacht zu haben.

Der talentierte Josh Whedon schrieb das Drehbuch und führte Regie. Ein kleines Wunder daß Disney ihm dieses Mega-Projekt anvertraute. Whedon kreierte vor 10 Jahren fürs Fernsehen die hervorragende Science-Fiction Serie „Firefly“, welcher niemand sehen wollte. Auch sein Kinofilm „Serenity“ floppte 2005 kläglich. Sieben Jahre später vereint der Mann die  Superhelden des „Marvel-Universums“ und läßt diese am Anfang so richtig blöd aussehen. Turmhohe Egos prallen aneinander, sinnlose Kämpfe unter den Helden zermürben den Zuseher und die Geschichte entwickelt sich scheinbar zäh und schwerfällig. Fliegende Flugzeugträger erinnern unangenehm an Zerstörungsorgien wie „Transformers“ und auch die Ausleuchtung der einzelnen Charaktere und deren Schwächen wirkt bremsend und sogar verwirrend.

Ein Trick.

Niemand ahnt, daß der Regisseur mit der ersten Hälfte des Filmes seinen Bogen ganz langsam spannt um ein überwältigendes Finale auf den Zuseher abzufeuern. Genau an der Stelle, als der Film scheinbar an Fahrt verliert und die Geschichte in zu viele Nebenschauplätze zu zerfasern droht, nimmt Whedon alle Fäden auf und führt seine Helden in ein furioses Actionfinale welches – und soviel sei hier verraten – in dieser Wucht, Dynamik und Präzision noch nie im Kino zu sehen war. Es ist pure Magie wie sprühender Wortwitz, trockener Humor, atemberaubende Action und Spannung mühelos ineinanderfließen und der Zuseher von einer Überraschung in  die nächste geschleudert wird. Und zu sehen wie Hulk einen Gott vermöbelt ist auch kein alltägliches Spektakel, um nur eine von den vielen witzigen und erstaunlichen Szenen zu erwähnen, welche in die Popkultur einziehen werden.

Wobei nichts an den „Avengers“ alltäglich ist. Die Geschichte des Kinos wurde wieder mal neu geschrieben.

Andi Bauer


11. Dezember 2011

Let it Be - das Ende von „Wetten Dass“

Sunday Morning Coming Down - die Kolumne am Sonntag

Das war’s mit der größten Samstagabend-Show im deutschen Sprachraum. Die ZDF-Macher werden keinen Nachfolger für Thomas Gottschalk finden – und das ist gut so.

Die Kandidaten, die es könnten, sind klug „Nein“ zu sagen. Und diejenigen die sich aufdrängen, sind nicht gut genug die Sendung weiterzuführen. Das sich aus Österreich die üblichen Verdächtigen – Alfons Haider, Peter Rapp, Christian Clerici – für die Moderation anbiedern ist auch nichts Neues aus dem Land der Zwerge und der gehört zur Folklore. Mit der heimischen Melange aus Minderwertigkeitskomplexen, Weinerlichkeit und Größenwahn empfehlen sich unsere Hobbymoderatoren via Hauspostille „TV-Media“ für die vakante Aufgabe. „Wenn man mich fragen würde, dann könnte ich schon, aber die fragen wahrscheinlich nicht“ tönt es seitens des lieben Alfons schon fast verzweifelt. Wenn die Tage länger werden, werfen selbst Zwerge einen großen Schatten. Denn Deutschen wird es wurscht sein und es ich auch nicht anzunehmen daß die ZDF Macher unser Provinzielles TV-Blättchen studieren.

„Wetten Dass“ wird auslaufen und Gottschalk hat zum richtigen Zeitpunk seinen Rücktritt eingeleitet. So zynisch das jetzt klingen mag. Der tragische Unfall war für Gottschalk die perfekte Gelegenheit sein „Wetten Dass“ - Korsett abzulegen. Seit Jahren kämpft der Mann gegen sinkende Quoten und wirkte zunehmender lustlos und launisch. Oft schlecht vorbereitet quasselte er die Gäste in Grund und Boden, mit denselben oberflächigen Fragen an die immer wieder kehrenden gleichen Promis. Nach jeder Sendung mußte sich der Moderator dann auch den immer gleichen Journalistenfragen stellen. „Sie hatten gestern 500.000 Zuseher weniger als letztes Mal – welche Konsequenzen ziehen Sie“. Gottschalk wurde – was derzeit vergessen scheint – in den letzten Jahren laufend von der Kritik gebeutelt und die Sendung als überholt tituliert.

Und jetzt – nach dem Unfall – wird der eitle Geck von allen Seiten hofiert und angebettelt doch noch zu bleiben. Einen besseren Zeitpunkt für einen glänzenden Abgang gab es für Gottschalk nie. Das weiß dieser auch hat die Gelegenheit genützt. Das Gottschalk schon seit über 10 Jahren als Moderator unmöglich ist, gerät somit in Vergessenheit. Gleich eines siegreichen römischen Feldherrn kriegte der Mann einen letzten Triumphzug durch die deutschsprachigen Wohnzimmer.

Vergessen sind auch die vielen Momente des Fremdschämens, die der Moderator den Zusehern bescherte. Sei es das Gottschalk seinen männlichen Gästen keinen guten Witz gönnte und den weiblichen ungeniert in den Ausschnitt kroch. Gottschalk hat seine Sendung schon lange nicht mehr ernst genommen. Der Wahl-Kalifornier jettete unwillig alle paar Monate nach Deutschland, absolvierte die Sendung gleich einem lästigen Veteranentreffen und tauchte wieder unter. Die schlampige Vorbereitung des überbezahlten Moderators ist Legende. Filmtitel wurden falsch ausgesprochen, Zitate verwechselt, Gäste durch Ignoranz und Unwissenheit beleidigt. Oft kannte Gottschalk nicht mal die aktuellen CDs seiner Gäste. Peinlich für den ZDF und die teuren Auftritte der Superstars. Diese waren oft sichtlich irritiert waren - über den häufig neben sich stehenden Moderator.

Die Sendung selbst hat sich erstaunlicherweise lange gehalten. Die Zeiten der gemeinsamen Samstagabend Familienshow ist lange vorbei. Heute sitzen die Kids vor dem Kasten um sich über die Kandidaten bei diversen Castingshows lustig zu machen. Die Eltern hocken daneben und regen sich über Dieter Bohlens Arroganz und die heutige Jugend - im Allgemeinen - auf.

Dabei wird gechattet, gesimst und gegoogelt. Jeder weiß alles und trotzdem bleibt nichts. „Wetten Dass“ hat keine Chance in einer Zeit wo die Sensation von morgen heute schon alt wirkt. Es war eine schöne Zeit, es gab tolle Wetten und die Sendung hat ihren Platz in der TV-Geschichte. Ein Besserer und vor allem ein würdevollerer Grund aufzuhören, kommt nicht mehr. Laßt es gut sein.

Andi Bauer

20. November 2011

Schmarotzer und Könige - Das Vermächtnis von Queen

Sunday Morning Coming Down - die Kolumne am Sonntag

2011 hat zwei wichtige Jahrestage betreffend der Rockband Queen. Vor 40 Jahren gründeten Freddie Mercury, Brian May, John Deacon und Roger Taylor die Rockband QUEEN. Vor vor 20 Jahren – am 24.11.2001 – verstarb Sänger Freddie Mercury. Die Feiern, welche seit seinem Tod von seiner Plattenfirma EMI inoffiziell ausgerufen wurden, werden auch heuer kein Ende finden. Die Platten der Band verkaufen sich seit 20 Jahren immer noch wie "geschnitten Brot". Keine Sorge. Es wird an dieser Stelle nicht wieder darüber lamentiert, wie viel Geld die Musikindustrie macht - mit der Ausbeutung der toten Stars. Die Schande welche das Erbe von QUEEN umgibt, ist viel größer und trägt zwei Namen: Brian May oder Roger Taylor. Der Gitarrist und Schlagzeuger des einstigen Schlachtschiffes kennen keinen Genierer, wenn es um die Verwertung von Material geht, welches zu Lebzeiten von Merury aus guten Grund nicht das Licht der Welt erblickte. Jeder noch so unhörbare Soundfetzen wurde in den letzten 20 Jahren aus den Archiven gehoben und in irgendeiner Form veröffentlicht. Nahezu jedes wurde irgendeine „Neue“ Best-of, Greatest Hits, Singles, Live oder Raritäten – CD veröffentlicht. Dazwischen nahmen die Zwei Leichenfledderer das furchtbar, peinliche Album "The Cosmos Rocks" unter dem Namen QUEEN auf und tourten mit Paul Rodgers um die Welt. Ein Resteverwertung wie Sie keine Obdachlosenküche der Welt wagen würde.

Dazu kamen die Medien, TV-Shows und der übliche Jahrmarkt um die Band. C-Promis outeten sich via Medien als Fans, ohne in der Lage zu sein drei Lieder der Band zu nennen. Jeder war plötzlich QUEEN-Fan und hievte die Band in den Olymp gleich zwischen Beatles und Led Zeppelin. Schmarotzer die vom Ruhm anderer zehren. Das hat QUEEN und vor allem Freddie nicht verdient. Einzig Bassist John Deacon ist abgetaucht und ignoriert schweigend das unwürdige Schauspiel.

Es ist Faktum, daß QUEEN nie diese großartige Band war, wie es heute dargestellt wird. QUEEN war eine gute Rockband mit Hang zu Pomp und Größenwahn. Es gab einige grandiose Songs, viele tolle Singles und mindestens genauso viele peinliche Titel. Einige Alben waren durchwegs passabel. Andere – besonders die in den 80er Jahren – schrecklich und unhörbar. Wer hört sich den heute noch den „Flash Gordon - Soundtrack“ oder „Hot Space“ an? Auch Lieder wie „I want it All“ oder „Radio Gaga“ eignen sich eher fürs Fremdschämen als für den Trophäenschrank der Rockklassiker. Raritäten kann es keine geben, da die Band die Alben auch mit den schwächeren Titeln vollstopfte – da blieb halt nix im Archiv. Dies ist auch der Grund, warum die Alben von QUEEN nie konstant stark waren – es gab zuviel schwaches Füllmaterial. Als einsame Ausnahme glänzt immer noch „Night of the Opera“. Der kreative Zenit der Band. Ein Platte die auch der Nicht-Fan vom Anfang bis zum Ende durchhören kann.

Der Rest der Welt schimpft sich Fan, verzichtet auf die Alben und hört die Greatest-Hits CDs. Das ist alles drauf, was man so vom Radio kennt. Freddie Mercury bezeichnete in einem seiner letzten Interviews die Lieder seiner Band als Papiertaschentücher, welche man nach einmaligem Gebrauch wegwirft. Und daß von dem Mann der den Jahrhundertsong „Bohemian Rhapsody“ geschrieben hat. Dennoch hatte Freddie die richtige Einschätzung über die Band, die er liebte und für die er lebte. QUEEN waren nie so wichtig und gut wie die heutigen Medienmacher uns einreden wollen. Dennoch, Mercury nahm seinen Job todernst und gab sein Bestes und dessen ungeachtet nahm er die Band und das Werk nicht allzu ernst.

Diese erfrischende Ehrlichkeit des verstorbenen Frontmanns, macht ihn sympathisch und hilft auch ein erfreuliches und realistisches Bild von dieser tollen Band zu bewahren. Freddie wußte, daß seine Zirkustruppe zwar in der Lage ist die Fans zu unterhalten, Musikgeschichte jedoch von anderen geschrieben wird. "So what" – es kümmerte Ihn nicht. Mercury ging trotzdem bis zum Ende mit unglaublichem Elan an die Sache und schrieb – den nahen Tode vor Augen – eines seiner besten Stücke. „The Show must go On“. Das Freddie damit seine Maxime - das Leben mit Freude zu leben - meinte und nicht das peinliche weiterwursteln seiner Kollegen – dessen bin ich mir sicher.

Die letzte Tournee (1986) von QUEEN ist hervorragend dokumentiert mit der DVD „Live in Wembley“. Zu den Zugaben betritt Freddie die Bühne. Adidas-Schuhe, Jogginghose und nackter Oberkörper. Dazu trägt er eine Hermelinrobe mit einer Königskrone und schmettert wie ein machttrunkener Kaiser „We are the Champions“ in die jubelnde Menge. Wer traut sich das heute noch. Eben – nur ER durfte das und konnte das. Und damit sollten wir es auch belassen. „Long lives the Queen“

Andi Bauer

The Hate & Coldplay

Es ist leicht Coldplay zu hassen.
• Die Band ist megaerfolgreich (Über 50 Millionen verkaufter CDs in den letzten 10 Jahren)

• Die Musik ist Pop mit einen latenten Hang zum Süßlichen

• Das Zeug läuft ständig irgendwo im Radio

• Die Band ist nett

• Die Mehrheit der Fans sind Mädchen

• Der attraktive Sänger Chris Martin hat eine Hollywood-Schönheit zur Frau, eine (angeblich) glückliche Familie, praktiziert Yoga und ißt Joghurt statt Fleisch.

Noch leichter diese Band zu hassen fällt nur noch Musikjournalisten - meist frustrierte Möchtegernmusiker mit Bäuchlein und Halbglatze. Diese suchen nur nach Innovation und vergleichen besserwisserisch neue Werke mit „Ihren“ alten Helden. Keine Chance für Coldplay gute Kritiken zu ernten. Was lächerlich ist. Es muß auch noch Platz zwischen den Genies von Radiohead und Wilco geben, deren Platten uneingeschränkt von den Kritikern in den Himmel gelobt werden.

Zugegeben, auch mein Fitneß-Programm hat noch nicht voll gegriffen und meine Frisur entwickelt sich zunehmend zu einem breiten Mittelscheitel – aber Coldplay hasse ich deshalb nicht.

Diese Kerle rackern sich ab, schreiben wunderschöne Lieder und schrauben seit Jahren mit Fleiß und Eifer an der perfekten Popplatte – die Ihnen auch noch gelingen wird. Der Erfolg kam auch nicht über Nacht, wie fälschlicherweise behauptet wird. Das Debütalbum vom Jahre 2000 verkaufte inzwischen 8 Millionen Einheiten. Den Großteil davon jedoch erst Jahre nach dem Erscheinen. Mit dem zweiten Album „a rush…“ (2002) war die Band zwar in England eine große Nummer, im Rest Welt jedoch noch eine Unbekannte. In Österreich verschlief die Plattenfirma damals sogar die CD und kam mit den Nachlieferungen gar nicht nach. Die Band machte die Ochsentour und spielte unzählige Konzerte in den USA. Dies führte zum Durchbruch mit dem dritten Album „X & Y“(2005), welches auf Nummer 1 in den Staaten schoß. Der Nachfolger „Viva la Vida“ (2008), glänzte durch mutige Arrangement und eine innovative Produktion welche nicht auf die sichere Seite der Radiocharts blickte. Die Streicherarrangements fungierten nicht als Wattebausch im Hintergrund, sondern schossen quer und zerfledderten die Melodien. Auch andere Sound Spielereien wagten viel und gewannen den Liedern der Briten neue spannende Seiten ab. Viel zu verdanken hatte die Band dem Sound-Wizzard Brian Eno, der als Produzent agierte und vieles auf den Kopf stellte. Beim aktuellen Album „Mylo Xyloto“ agierte Eno nur als Berater. „Mylo“ enttäuscht daher ein bißchen, jedoch auf hohen Niveau. Angesichts dem abenteuerlichen „Viva la Vida“ hätte sich der Hörer ein weiterspinnen dieses Kurses gewünscht. „Mylo“ beschert den Fans und Hörern immer noch großartige und anspruchsvolle Popmusik mit Mitsingfaktor und Wohlfühlgarantie. „Hurts like heaven“ ist unschlagbar, „Ever tear is a waterfall“ beschwört die Beatles und läßt das aktuelle Schaffen von Sir Paul McCartney blaß aussehen und „Don`t let it break your heart“ ist eine großartige hymnische Nummer - U2 ohne Bono. „Mylo Yyolo“ ist eines der besten Pop-Alben des Jahres, das viertbeste Album von Coldplay und ein weiterer Schritt der vier Briten, ihren Status als große Band dieses neuen Jahrhunderts zu zementieren.

Andi Bauer

6. November 2011

Sunday morning coming down - Warum darf Pink Floyd (und der Progrock) nicht sterben

Unter dem Slogan „Why Pink Floyd“ hat der britische Plattenriese EMI die alten Platten der überbewerteten Langweiler Pink Floyd entstaubt, klangtechnisch aufgebrezzelt und (wiedermal) auf den Markt geworfen. Soviel Wirtschaftskrise kann es offensichtlich gar nicht geben, um Musikhörer davon abzuhalten unnötigen alten Schmus zu kaufen. Das „Why“ seitens der Plattenfirma läßt sich auch leicht beantworten. EMI steht kurz vor dem Verkauf. Da macht sich die Braut noch mal hübsch und zeigt was Sie zu bieten hat.
Der komplette Pink Floyd Katalog liegt bei der EMI und verkauft sich seit Jahren brav und regelmäßig. Warum eigentlich? - fragt sich der Skeptiker? Seit Jahrzehnten wurde eine Legende gebildet und aufgebaut, die den Menschen einredet, das Pink Floyd zum guten Ton gehören und man deren Platten haben muß. Man muß den Quark ja nicht anhören, es reicht wenn die Dinger prominent im Regal stehen  – sollte sich überraschender Besuch ankündigen. Man will ja mitreden und als Musikkenner mit erlesenem Geschmack dazugehören.

Wenn man die aufgeblasene Legende aber ignoriert und sich nur mit dem Substanz des Produktes beschäftigt entpuppt sich die verbleibende Suppe als erschreckend dünn. Da hätten wir mal den großartigen Erstling bei dem Syd Barrett noch am Ruder saß. Dieser balancierte die Musik gekonnt zwischen Rock, Pop, Psychedelic und Wahnsinn. Dazu gab es brillante Singles wie „See Emily play“ & „Arnold Lanyne“. Das durchwachsene zweite Album zeigte erste Schwächen. Zunehmend klinkte sich Barrett von der hiesigen Realität aus und wechselte in andere Sphären. Beim dritten Album übernahm bereits der Egomane Roger Waters das Zepter und die Ergebnisse wurden mit jedem Album mediokerer. Das Live-Album „Ummagumma“ hatte noch Spannendes zu bieten, „Meddle“ mit dem Titeltrack und „One of this days“ noch Songideen – dann wurde es dunkel. Es kam das perfekt produzierte „Darkside on the Moon“ mit den Monsterhits - das bis heute jeder haben muß, jedoch nur circa jeder zehnte Käufer mehr als einmal hört. Natürlich ist „The great Gig in the Sky“ ein Klangerlebnis aber allein das tumbe „Money“ als antikapitalistische Kritik ist peinlich und „Time“ ist immer noch überwertet - wie das gesamte Album. „Dark Side“ stellte den Sound über den Song. Ein lautes Kunstwerk, das nichts zu sagen hat. Das Nachfolgewerk „Wish you where Here“ bringt den Titelsong als rührenden Lagerfeuerhit und birgt den besten Moment der Band nach Barretts Abgang. „Shine on your crazy Diamond“ ist ganz großes Kino, mit einem zutiefst rührenden Text über den verlorenen Freund. Das war’s dann. „Animal“ hatte nix zu bieten außer ein fliegendes Schwein als Werbegag und das Doppel-Album „The Wall“ ist immer noch ein peinlicher Witz, der viel zu lange dauert. Der einzig große Song – „Comfortably Numb“ – ist ganz am Ende versteckt und kann den verfahrenen Karren nicht mehr aus dem Morast ziehen. Dann zerbröselte die Gruppe. Band-Diktator Roger Waters machte mit Mietmusikern weiter und sang gegen Diktatoren und Krieg an, während er jahrelang gegen den Rest der Band Krieg führte und prozessierte. Scheinbar sah niemand die Ironie und die Scheinheiligkeit in der Geschichte. Derweil wurden die Band und das Werk gefeiert und die Legende konsequent geschmiedet. Erzfeind David Gilmour machte mit Schlagzeuger Nick Mason und Keyboarder Richard Wright unter dem Namen „Pink Floyd“ weiter. Die Rumpfband veröffentliche 1997 und 1994 zwei fürchterliche Alben und spielte in nahezu in jedem Stadium der Welt vor Millionen gläubigen Jünger die alten Hits mit Laser-Klimbim.

Und Heute? Richard Wright ist tot, Nick Mason gibt Interviews und David Gilmour macht Soloplatten und will von Pink Floyd nichts mehr wissen. Einzig Roger Waters ist immer noch beleidigt, wettert gegen den Kapitalismus und zieht mit seiner „Wall Show“ um den Globus. Dort treffen sich 60jährige Bänker, Ex-Hippies und Fondmanager in den Fußballstadien und grölen gemeinsam „We dont need no education“. Auch eine Botschaft.

Andi Bauer

30. Oktober 2011

Sunday morning coming down - Wieviel Tom Waits hat Ihr Leben?

Ein neues Album von Tom Waits ist da. Wieder großartig - was sonst. Besoffene Balladen über Penner & Seemänner. Zerschossener Blues, hinkender Rock, Barpiano & Rumpelkammerschlagzeug – alles da was man braucht. Dazu der störrische Alte mit seiner gegerbten Stimme zwischen grunzen, keuchen, kratzen & singen. Der Mann hat immer noch was zu sagen. Nach über 40 Jahren im Geschäft. Und wenn man so die neuen Lieder des großen Alten hört, macht sich der Fan und Bewunderer so seine Gedanken.
Es soll ja angeblich Menschen in der westlichen Hemisphäre geben, die gar keine Platten des Genies besitzen. Ein für mich so fremder, ferner und unwirklicher Gedanke daß es weh tut darüber zu schreiben. Ich kann es nicht glauben und mag es mir auch nicht vorstellen. Und sollte es stimmen, daß aufgeklärte Bürger - welche in Europa & Nordamerika uneingeschränkten Zugang zu Informationen haben - immer noch die Werke des Begnadeten ignorieren, dann will ich es nicht wissen.

Ich möchte diese Unglücklichen nach Möglichkeit meiden. Einzige Hoffnung auf ein Zusammentreffen meinerseits, mit dieser Sorte von „Bürgern“ bestände darin, daß diese aufrichtige Reue zeigen, einhergehend mit dem unmittelbaren Erwerb von Tom Waits Alben. Sollten Sie, werte Leser, Menschen kennen – und Gott bewahre Sie vor solch einem Bekanntenkreis – welche sich gegenüber Tom Waits verweigern, dann trennen Sie sich schnellstens von diesen Ignoranten. Und geben Sie den Verlorenen um Himmels Willen noch ein paar Tipps mit, um wenigstens nachträglich bei Waits einzusteigen. Ich flehe Sie an, geben Sie meine nachfolgenden Empfehlungen und befreien Sie diese Menschen aus einem sinnlosen und unwürdigen Leben.

Für den Anfang: „Small Change“ von 1976. Eines seiner besten Alben, das bereits mehr als ein Leben gerettet hat. Das Ding gibt’s bei Amazon um läppische 5,50 (Dafür kriegen Sie bei Starbucks grad mal eine Tasse Kaffee – ohne Kuchen)

Auch mit „Swordfishtrombones“ von 1985 kann der fortschrittliche Sammler nichts falsch machen. Vom großartigen Spätwerk empfiehlt sich das versöhnliche „Mule Variations“ von 1999 und das störrisch, aufregende „Real gone“ von 2004.

Ach was, empfehlen Sie einfach ALLE Platten des Meisters – das Leben ist zu kurz.

Und selber – wenn Sie es noch nicht getan haben. Kaufen sie die neue von Mr. Waits. Graben Sie sich durch die seltsamen Klänge, legen Sie die wunderschönen Melodien frei und erfreuen Sie sich an Musik die wieder mal Anders ist und doch vertraut wie der beste Freund, der nach 8 Jahren auf einen Überraschungsbesuch vorbeikommt.

Andi Bauer

10. Juli 2011

SENSATION - „ÖSTERREICH“ – JETZT GRATIS FÜR BON JOVI FANS - AN JEDER U-BAHNSTATION

Sunday Morning Coming Down - die Kolumne am Sonntag

Ich habe mir für 2011 vorgenommen über zwei Künstler ein Jahr lang nicht zu lästern. Der erste ist Nicolas Cage, und dieses Versprechen hab ich bereits im Februar gebrochen. Sein Film „Drive Angry“ war so abgrundtief schlecht, dass zumindest eine Randbemerkung notwendig war. Die anderen sind Bon Jovi. Ich war ja mal ein Gelegenheitshörer (1986-1992) und sogar 1993 bei einem Konzert (ich war jung und brauchte das Geld), also bin ich nicht grundsätzlich mit der Band verfeindet. Gute Freunde redeten mir ins Gewissen und erkannten mein Problem – „du bist ja nur neidisch auf den schönen Jon“. Ertappt, ich bin auch neidisch dass es den Kerlen gelungen ist aus drei harmlosen Liedchen eine Weltkarriere zu zimmern. Natürlich würde ich gerne so aussehen wie der schöne Jon, zu Mittag jedoch wie Brad Pitt und am Abend wie George Clooney. Mein Leben wäre endlich glücklich und erfüllt. Bis dahin friste ich mein karges Dasein hinter dem Computer und kompensiere meine Neidgefühle mit satirischen Bemerkungen.

Aber über Bon Jovi gibt’s derzeit eh nix zu lästern. Nur Jubelmeldungen. Da lese ich gerade in der Sonntagsausgabe der Zeitung „Österreich“: GRATIS IHR TICKET FÜR BON JOVI. So groß geschrieben, dass die Buchstagen in Gefahr laufen aus der Zeitung zu purzeln. Tolle Sache, das freut den Fan. Leider gibt’s da doch noch was Kleingedrucktes. Zum Gratis-Konzerticket gibt’s dann doch noch was dazu - ein Jahres ABO der Zeitung für – fast gratis – 19,90 im Monat. Also doch der Preis einer VIP-Karte inklusive einer Fuß Massage vom schönen Jon. Ob die Massage und der VIP Bereich auch im Preis inbegriffen ist, geht aus der Anzeige nicht deutlich hervor.

Auch hat mich stutzig gemacht, daß man diese Zeitung (ein Bilderbuch mit Rechtschreibfehlern - Copyright Stermann & Grissemann) auch kaufen kann. Bisher erlebte ich einen anstrengenden Spießrutenlauf um all den freundlichen Studenten zu entkommen, die mir die Zeitung gratis aufdrängen wollten.

Was soll man nun tun, mit diesem verlockenden Angebot. Wenn man zugreift, bedeutet es dann, dass man die Zeitung auch lesen muss und muss man zum Konzert gehen wenn man das Ticket mit der Zeitung kriegt? Diese Fragen bringen mich zur Erkenntnis, dass ich möglicherweise die falsche Zielgruppe für diese großartige Aktion bin. Wenn ich jedoch darüber nachdenke, dass sich alle Österreich-Leser zum Bon Jovi Konzert treffen, könnte man diese goldene Gelegenheit dazu nützen um………………… Nein, diesen bösen Gedanken werde ich an diesem schönen sonnigen Sonntag wie heute, nicht mehr zu Ende führen.

Viel Spaß beim Konzert liebe Bon Jovi Fans wünscht - ganz ehrlich :-) -

Andi Bauer

4. Juli 2011

„I see dead movies“

good@wise FILMWARNUNG: Transformers 3The Dark Side of the Moon
von Michael Bay - im Kino

Für Filmkritiker ist Regisseur Michael Bay schon lange ein rotes Tuch und gefundenes Fressen. Zu plakativ, einfältig, propagandistisch und letztlich kommerziell erfolgreich sind seine Werke.

So einfach machen Wir uns heute mit dem 3. Teil der „Transformers ´-Reihe“ nicht. Auch der Autor dieser Zeilen ist ein Freund von kurzweiligen (und gut gemachten) Unterhaltungsfilmen der Marke „Hollywood“. Leider wird „Transformers 3“ diesem nicht Anspruch gerecht. Der Film entspricht eigentlich gar nichts und niemanden und ist - um es auf den Punkt zu bringen - dumm, ärgerlich, lächerlich & schlecht.

Um all das Grauen, das diesen Film umgibt aufzulisten fehlt hier der Platz und mir - ehrlich gesagt - auch die Lust. Ich durfte den Streifen gemeinsam mit drei Teenagern (mein 15jähriger Sohn und seine Freunde) im IMAX Kino genießen und zitiere an dieser Stelle die Reaktionen der Jugend. „Langweilig, unlogisch und unnötig“ waren noch die freundlicheren Kommentare der aufgeweckten Teenager. Und es stimmt. Der Film ist viel zu lange und auch langatmig – eine Katastrophe für einen Actionfilm. Das Drehbuch hat mehr Löcher als ein kaputtes Fischernetz, gute Schauspieler wie John Malkowitz werden in unnötigen Rollen verheizt und das neue Supermodell (Name ist mir entfallen) das an der Seite von Shia leBouf herumstöckelt spielt so schlecht, das man sich sogar die gegfeuerte Megan Fox zurück wünscht. Am Ende bleibt der Besucher mit der Gewissheit zurück wertvolle Lebenszeit verschwendet zu haben.

Und ich wage zu behaupten, daß selbst gestandene US-Marines sich, für den im Film zur Schau gestellten Hurra-Patriotismus fremdschämen. „Transformers 3“ ist ein seelenloses Machwerk und toter als Bruce Willis in „6. Sense“. Es ist an der Zeit das Michael Bay wieder dorthin zurückkehrt wo er hergekommen ist - in die Werbebranche. Als Regisseur für Werbefilmchen für die US-Armee wäre der Mann unschlagbar und seine künftige Abwesenheit ein Gewinn für Kinobesucher.

Andi Bauer

3. Juli 2011

……and The Winner Is……

Ehrliche Filmpreise für das 21. Jahrhundert - Sunday Morning Coming Down - die Kolumne


Nahezu jede Woche findet in irgendeinem Dorf ein internationales Filmfestival statt, bei dem Preise in den immer gleichen und langweiligen Kategorien verliehen werden. Regie, Schauspieler, Drehbuch, usw. Die Zeiten haben sich inzwischen gewandelt und somit auch der Bedarf an neuen Preiskategorien die Kinofilme. Hier sind Sie. Die Filmpreise für das 21. Jahrhundert.

Der Bond
Wird an Produktionen verliehen um welche bereits im Vorfeld ein unerträglicher Wirbel veranstaltet wird - bevor überhaupt eine Zeile des Drehbuchs geschrieben ist.

Der Lucas
Wird an Filmemacher verliehen welchen es gelingt eine (vormals) gute Filmidee durch jahrzehntelanges ausquetschen (Merchandising, TV-Serien, Fortsetzungen, Prequels, usw.) zu einem langsamen qualvollen Tode zu verurteilen.

Der Potter
Wird an Produzenten verliehen welchen es gelingt, erfolgreiche Romane - ohne auf Handlung & Inhalt Rücksicht zu nehmen - in seelenlose Filme mit endlosen Fortsetzungen transformieren.

Der Rocky
Wird an Schauspieler (meist ältere) verliehen, die mangels heutigen Erfolg, immer wieder auf ihre alte Rollen aus der glorreichen Vergangenheit zurückgreifen

Der Ewok
Wird hauptsächlich an die Spielzeugindustrie verliehen, der es immer wieder gelingt Filme durch unnötige kuschelige Figuren zu erweitern um den lieben Kleinen (respektive deren Eltern) den letzten Dollar aus der Tasche zu ziehen.

Die Roberts
Ist ein Preis der hauptsächlich an Schauspielerinnen verliehen wird, denen es geling Talentlosigkeit jahrelang durch breites Grinsen und herzliches Lachen zu kaschieren.

Der BAYMICHAEL
Geht an Regisseure denen es gelingt Mist durch gekonnt gefilmte Sonnenuntergänge & überdiemensionierte Explosionen & Specialeffekte zu verschleiern.

Der Shrek
Wird an unnötige Fortsetzungen verliehen, welche den Zuseher die Lust auf die ersten (eigentlich) guten Teile verlieren läßt.

Der ADAMSANDLER
Wird an Filme verliehen die unter dem Genre Komödie laufen, jedoch nicht lustig sind.

Der 3D
Wird an Produzenten verliehen denen es gelingt die Preise für Kinokarten mittels technischer Taschenspielertricks zu verdoppeln ohne einen erkennbaren Mehrwert für den Besucher.

Die Verleihung der Preise wird voraussichtlich am 11.11. stattfinden. Nominierungsvorschläge und die üblichen Bestechungsgelder direkt an mich.

Andi Bauer

18. Juni 2011

Sunday Morning Coming Down - „Welche Musik hören Sie gerne“?

Eine (scheinbar) harmlose Frage welche dramatisches auslösen kann. Ich stelle diese Frage gerne wenn ich Menschen kennenlerne. Da ich mich für Musik, wie auch für Andere interessiere eine durchaus legitime Frage, die leider oft zu unkreativen Antworten führt. 9 von 10 Angesprochene antworten auf diese ausgesprochen spannende Frage mit: „ALLES“. „Alles“, die Menschen hören „Alles“. Jede Art von Musik – Sensationell, ein Wunder. Natürlich deprimierte mich diese dumme und ideenlose Antwort jedes Mal. Meine Entgegnungen darauf hörten sich in etwa so an: „Alles ist nix“ oder ähnlich zynische Kommentare. Was sonst soll man auf „Alles“ antworten.

Seit einigen Wochen jedoch habe ich meine Strategie diesbezüglich geändert. Mit I-Pod und CDs ausgerüstet gehe ich - von nun an vorbereitet - in das Gespräch und frage immer noch unschuldig mein Gegenüber nach seinen musikalischen Vorlieben. Lautet die Antwort „ALLES“ entlockt mir dies ein freundliches Lächeln, gefolgt von geschäftiger Aktivität. „Das freut mich aber“ entgegne ich, „Darf ich dir ein Lied vorspielen“. Das unschuldige „Ja“ kommt immer, bereitet den „Alleshörer“ jedoch nicht darauf vor was jetzt kommt.

Ein lärmendes Double-Bass-Schlagzeug hämmert bedrohlich gegen das Herz, zerfetzend kreischende Gitarren lassen die Ohren bluten und eine zwischen Grunzen & am Spieß schreiende Stimme, läßt alle Sinne schwinden und beschwört die unvermeidliche Apokalypse herauf. „Dantes Inferno“, adäquat in Töne gegossen, überrollt den unvorbereiteten Hörer.

Der „Alleshörer“ kriegt ein Lied aus der Abteilung „Schwermetall“ zu hören – gut abgehangen zwischen Speed, Trash & Death. Meine derzeitigen Favoriten sind Metallica mit „Seek and destroy“ und Slayer mit „Angel of Death“. (Weitere Musiktipps für dieses interessante Experiment werden von mir gerne entgegengenommen).

Die Reaktionen des „Alleshörers“ sind immer gleich. Rollende Augen welche gefährlich am Hinauskugeln sind, verzweifeltes Röcheln und eine runtergeklappte Kinnlade. Nach dieser kleinen Demonstration musikalischer Vielfalt stellt sich meist heraus, daß mit ALLES eigentlich Musik gemeint war, welche der Ö3-Dudelkasten jeden Tag so absondert. Also ein Promille dessen, was es an Musik auf dieser schönen Welt zu entdecken gibt. Das erstaunliche an dieser 30 Sekunden Speedmetall-Exkursion - länger schafft es kein Ö3-Hörer – ist jedoch, daß sich anschließend hochinteressantes Gespräch über Musik, Stile & Geschmäcker ergeben. Und das der ALLES-Hörer sehr wohl seine Favoriten hat, aber oft zu schüchtern ist, diese zu benennen. Was ist schon dabei, wenn man Britpop oder Country mag. Viel Schlimmer ist nicht mal zu wissen was man gern hat und scheinbar „Alles“ zu hören glaubt. Seien Sie gewarnt. Sollten Ihnen jemand in den nächsten Tagen die Frage nach Ihrem Musikgeschmack stellen, überlegen Sie sich die Antwort gut.

Andi Bauer

11. Juni 2011

good@wise Filmtipp: X-Men First Class

X-Men: First Class von Matthew Vauhgn     seit 9.6. im Kino  


Leider hinterlassen die "X-Men" heute bei Filmen Fans ein unangenehmes Gefühl. Das liegt an der schwankenden Qualität der Verfilmungen. Teil 1 & 2 (2000 & 2003) sind großartig und revolutionierten die Qualität von Comicverfilmungen. Ermüdet von oberflächigen Batman & Robin Keilereien erlebten die Zuseher zur Jahrtausendwende bei den „X-Men“ Figuren mit Tiefgang, glaubwürdige Geschichten, Humor, Action und überzeugende Effekte. Dies ist Regisseur Bryan Singer (Die üblichen Verdächtigen) zu verdanken, der keine Kompromisse zuließ und mit den ersten beiden Filmen anspruchsvolle Comic-Unterhaltung für Erwachsene schuf. Teil 3 (2006) inszeniert von dem Schnösel Brett Ratner (Rush Hour 1-3) konnte nur mehr abfallen. Der nachfolgende Spin-off Wolverine von 2009 war zu unentschlossen und zu seicht um Wellen zu schlagen. Regisseur Gavin Hood aus Südafrika wurde hier bei seinem ersten Hollywoodfilm offensichtlich von den Produzenten zu stark beeinflußt.

Die Wende kommt wieder mit dem neuen Film, bei dem der talentierte Brite Matthew Vaughn am Regiestuhl Platz nahm. Vaughn drehte bisher drei Filme die unterschiedlicher nicht sein könnten. Layer Cake mit Daniel Craig ist ein harter zynischer Gangsterthriller, Stardust mit Michelle Pfeiffer ein mystisches Fantasieabenteuer und Kick As mit Nicholas Cage eine überdrehte Comicverfilmung. Mit dem aktuellen X-Men Film: First Class erzählt Vauhgn die Anfänge der Mutanten. Er taucht in die Freundschaft von Professor X und Magneto ein, welche später zu Feinden werden sollten und führt behutsam andere bereits liebgewonnene Figuren in die Welt der Mutanten ein. Für Freunde der ersten beiden Teile ist der neue Film ein Leckerbissen. Die bereits bekannten Mutanten erleben durch ihre Vorgeschichte eine charakterliche Schärfe und neues Leben ohne das bereits bekannte zu ignorieren. Vaughn geht noch einen mutigen Schritt weiter und verbindet die Kubakrise von 1962 mit dem ersten Einsatz der X-Men. Diese Verschmelzung von realer Geschichte und fiktiver Comicwelt ist ein genialer Schachzug, welcher die inneren und äußeren Kämpfe der Figuren nur realistischer erscheinen läßt.

Letztlich ist die Geschichte der X-Men auch die Geschichte der Menschheit und deren Umgang mit lästigen und nicht der Norm entsprechenden Minderheiten. So beginnt die Geschichte von Magneto in einem Nazi-KZ in Polen und endet mit einem weiteren Vertrauensbruch der Menschen gegenüber den Mutanten. Der Schmerz & Hass des Metallbändigers auf die Menschheit wird durch den Film nachvollziehbar und greifbar. Es sei am Ende noch erwähnt, daß der Film mit einem hervorragenden aufspielenden Kevin Bacon auch einen exzellenten Bösewicht zu bieten hat. X-Men: First Class ist ein gelungener Unterhaltungsfilm der vom Besucher nicht verlangt das Hirn an der Kasse abzugeben. Ab ins Kino – die Mutanten auf der großen Leinwand erwarten Ihren Besuch.

Andi Bauer

8. Juni 2011

good@wise Filmtipp: Source Code

Source Code von Duncan Jones   seit 3.6. im Kino



Ein Mann erwacht in einem Zug, gegenüber sitzt eine schöne Frau die in vertraut anspricht. Er kann sich an nichts erinnern und bemerkt nach kurzer Zeit, daß sein Geist offensichtlich im Körper eines anderen steckt. Nach 8 Minuten explodiert der Zug und der Mann wacht in einer seltsamen Kapsel auf. In dieser erfährt er von einem neuen Experiment, welches die Möglichkeit bietet in fremde Erinnerungen einzutauchen – für 8 Minuten. Auf die quälenden Fragen des Soldaten gibt es nur ausweichende Antworten, daß es sich um Quantenphysik handle (ein Fest für Physiker) und die Zeit dränge – denn Im Zug befindet sich ein Attentäter. Es gilt diesen ausfindig zu machen um ein weiteres Attentat zu verhindern. Immer wieder taucht der Mann in den Zug ein, erlebt dieselben Momente wieder und beginnt langsam an der Aufgabe zu verzweifeln.

Der Film ist eine böseartig verzerrte Thrillervariante der köstlichen Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Während sich jedoch der Bill Murray Film auf den Witz der wiederkehrenden Situationen konzentriert und auf eine logische Aufklärung zusteuert, ist „Source Code“ vielschichtiger und perfider. Gleich dem Schälen einer Zwiebel legt Regisseur Duncan Jones Schicht für Schicht frei und führt den Zuseher in Abgründe. Jones wirft die ewigen und aktuellen Fragen auf, was das Leben eines einzelnen wert ist, wenn es gilt Tausende zu schützen und läßt die Wissenschaft in fragwürdigen Grenzbereichen agieren.

Mitten im Experiment steckt Jake Gyllenhaal als Soldat der immer wieder die 8 Minuten durchlebt und die beste Leistung seiner Karriere abliefert. Jeffrey Wright brilliert als ölig glatter und arroganter Wissenschaftler und Vera Farmiga versucht als Verbindungsoffizier Goodwin den „Patienten“ zu steuern, was ihr mehr emotionale Schrammen verursacht als ihr lieb ist. Duncan Jones (der Sohn von David Bowie) ist ein außergewöhnlich talentierter Regisseur der mit seinem zweiten Film für Furore sorgt. „Source Code“ ist Unterhaltung auf höchstem Niveau mit tollen Schauspielern und einer Geschichte die nachbrennt. Und nix für nervöse Gemüter – „Source Code“ ist sauspannend.

Andi Bauer

5. Juni 2011

Ein Sommer im Kino

Sunday Morning Coming Down – die Kolumne


Seit nun mehr 20 Jahren gehen die meisten Menschen Im Sommer ins Kino. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Einerseits die Erfindung der Klimaanlage und anderseits Steven Spielberg. Die Erste sorgt für Erfrischung, der Zweite kreierte 1975 mit seinem dritten Spielfilm „Der Weisse Hai“ den ersten überragenden Sommerhit der Filmgeschichte. Bis zu diesem Jahr vermied Hollywood den Sommer und plazierte die großen Produktionen rund um die Feiertage (Weihnachten / Thanksgiving). „Der weiße Hai“ startete im Juni und spielte damals allein in den USA sensationelle 260 Millionen Dollar ein. Umgerechnet auf den derzeitigen Preis einer Kinokarte wären das heute über eine Milliarde Umsatz an den Kinokassen und mehr verkaufte Tickets als AVATAR.

Der Erfolg des „großen Weißen“ änderte die Verleihpolitik der großen Studios. Hollywood kürte den Sommer zur Kinosaison und begann sogleich leichtfüßiges Popcornkino für die Massen in die Sommermonaten zu schaufeln. Heute sind die Starttermine der potentiellen Hits für die Sommersaison schon zwei Jahre zuvor festgelegt. Die Starttermine werden mit ähnlich strategischen Aufwand vorbereitet, als gelte es ein Land zu erobern. „Fast and the furious 5“ startete heuer Ende April und läutete offiziell die Sommersaison ein. „Thor“ folgte am 5. Mai, „Fluch der Kabirik 4“ am 13.5. und „Hangover 2“ am 1.6. Die großen Filme werden mit Sicherheitsabstand programmiert. Actionfilme starten gleichzeitig mit Komödien um Alternativen für romantische Naturen zu schaffen. Familienfime werden präzise plaziert. Kein anderes Studio möchte mit Disney / Pixar konkurrieren. So startet „Kung Fu Panda 2“ exakt 4 „Wochen vor „Cars 2“ von den Pixarstudios. Erfolgreiche Hits im Sommer zu landen ist für die Studios Pflicht und Prestige. Der Starttermin der Filme wird zur Wissenschaft. So hat die Entscheidung der Paramount Studios „Transformers 3“ zwei Tage vorzuverlegen und die Roboter bereits am Mittwoch, dem 29.6. auf die Menschheit loszulassen, für heftige Diskussionen gesorgt. Wird dies das den Umsatz des ersten Wochenendes ungünstig beeinflussen? Fragen die Kinobesucher in „good old europe“ nicht wirklich tangieren sind bei den Amis Tagesthemen.

Mittlerweile haben auch alle wichtigen Genres ihren saisonalen Platz gefunden. Derzeit verteilen sich die Starttermine für Filme in den USA wie folgt.

Mai bis August: Aufwendige megateure Unterhaltungsfilme um die Popcorn krachen zu lassen. Zusätzlich starten im Mai immer romantische Hochzeitskomödien (im Mai wird geheiratet). Auch 2 – 3 aufwendige Animationsfilme gibt es verläßlich jeden Sommer.

September / Oktober: Literaturverfilmungen, Krimis, Anspruchsvolle Stoffe, Kandidaten für eine Oscarnominierung & Horrorfilme (Halloween).

November / Dezember: Fantasiefilme, Familienthemen, Animation & Romantik

Jänner / Februar: Was vom Tage übrigblieb - B-Actionkracher, Horror & kleinere Produktionen welche von den Studios hin und verschoben werden, weil Sie in der Sommersaison untergehen würden.

Februar bis April: Thriller, Komödien, Romantik (Valentinstag) & leichte Actionkost.

Was bleibt am Ende bleibt sind die Filme. Denn Strategie hin, Marketing her, die Filme müssen den Erwartungen des Publikums gerecht werden. Daran ändern auch der klügste Starttermin und das beste Marketing nichts. „Fluch der Karibik 4“ startete mit enormen Aufwand am lukrativen Memorial-Day / Weekend, Ende Mai und enttäuschte dennoch an der Kasse, wie auch die Kritiker.

Und für all Jene, denen diese eher nutzlosen Informationen nicht die gänzliche Lust aufs Kino genommen haben, hier im Schnelldurchlauf – die Hollywood-Blockbuster des heurigen Mai.

The Fast and the Furious

Bereits der 5. Teil der Serie und von den anderen 4 nicht wesentlich zu unterscheiden. Vin Diesel kann immer noch nicht schauspielern und Logik hat auch noch keine Einkehr in die Filmreihe gefunden – fehlt auch nicht. Leidlich Dwane Johnson reißt den Film aus der unteren Mittelmäßigkeit. Für Menschen die ohne Formel 1 nicht leben können und Buben die sich weigern erwachsen zu werden (möglicherweise der Großteil der männlichen Bevölkerung – anders läßt sich auch der immense Erfolg des Film nicht erklären

Thor

In diesem Blog bereits erwähnt. Großartige Comicverfilmung mit einem Hauch von Shakespeare. Bester Popcorn-Film im Mai.

Fluch der Karibik 4

Johnny Depp torkelt wieder durch die Südsee, begleitet von einer unmotivierten Penelope Cruz, einem unglaubwürdigen Bösewicht und einem unterrepräsentierten Geoffrey Rush. Die Geschichte ist ein schlechter Witz, Regisseur Rob Marshall (Chicago, die Geisha) immer noch ein Langweiler ohne Gefühl für Timing und der Showdown ein Jammer. Einzig die ersten 30 Minuten mit einer tollen Jagd durch London schaffen so was wie Piratenflair.

Hangover 2

Eher Durchhänger - Die bisherige Enttäuschung des Jahres. Die Geschichte von Teil 1 wird mit denselben Witzchen wieder erzählt nur ein bißchen derber. Mehr ist den drei Drehbuchautoren nicht eingefallen? Such a shame.

Dafür verspricht das neue Abenteuer der "X-Men" Großes. Startet bei uns am Freitag. Bald mehr davon - in diesem Theater.

Andi Bauer

29. Mai 2011

Wie BIO ist die GAGA

Sunday Morning Coming Down

Ich war ja beim BIO immer a bissi skeptisch – aber heute habe ich was dazugelernt. Die österreichischen Bioläden kaufen in Hamburg spanisches Gemüse ein. Das erklärt natürlich den Preis, da das Zeug durch halb Europa gekarrt werden muß. Die Bezeichnung BIO rührt wahrscheinlich daher, daß die LKWs BIO-Sprit tanken.

Das bringt mich auch gleich zur Lady Gaga, die sich ja auch gerne mit Lebensmitteln bekleidet. Sie ist der erfolgreichste Mensch überhaupt - in allen nur denkbaren Kategorien. So klingt es zumindest seit Wochen aus allen Medien. Gut, die müssen auch mit irgendwas die Seiten füllen und ein paar "Gaga" Fotos,  untermalt mit Superlativen sind da schon hilfreich. Es stellt sich jedoch grundsätzlich die Frage, was es bedeutet wenn Eine Milliarde Menschen Gaga-Videos auf Youtube gesehen haben. Sind das Freunde (nach Facebook), Fans, Voyeure, Schmarotzer, potentielle Werbekunden (deren Daten man weiterverkaufen kann) oder vielleicht sogar Lady Gaga CD-Käufer. Gibt es eine letztlich hinter all dem Hokuspokus eine meßbare Substanz oder lassen wir uns nur von den virtuellen Zahlen beeindrucken. Gibt es überhaupt so viele CDs von der Lady, daß wenn diese Menschen alle kaufen wollen kein Engpaß entsteht?

Das wäre eine Schlagzeile die mich beeindrucken würde:
„Lady Gaga CDs restlos vergriffen – Plattenfirma kommt mit Nachpressungen nicht nach – Original-CDs am Schwarzmarkt zu horrenden Preisen“.

Ein Besuch beim örtlichen Elektro-diskonter (Plattenhändler gibt’s ja nimma) zeigt jedoch ein anderes Bild. Da werden die Paletten mit den CD-Stapeln der Lady von A nach B geschoben damit vielleicht doch ein verirrter Waschmaschineninteressent aus Versehen das Album um € 9,99 mitnimmt. Und was in den nächsten 2 Monaten nicht über den Ladentisch wandert geht zurück an den Absender. Dort werden die Dinger dann recycelt und immer öfter in Asphalt transformiert. Sollten Sie mal wieder auf der Südostagente im Stau stehen, hören sie genau hin. Unter ihren Reifen könnten die Überreste der letzten Alben von Robbie Williams, Michael Jackson & Take That eingearbeitet sein.

Ich werde jetzt nicht von der guten alten Zeit sabbern, aber „Die“ hatte schon was. Als ich zum Beispiel 1986 die neue LP von Falco kaufte (ich hatte diese damals vorbestellt!!! - um nicht leer auszugehen) und zwei Kerle hinter mir keine mehr kriegten. „Leider ausverkauft – sagte die Verkäuferin – die Plattenfirma kommt mit den Pressungen nicht nach“. Ein tolles Gefühl mit dieser LP aus dem Laden zu gehen.

1991 ergatterte ich den letzten Sitzplatz für die Premiere von „Terminator 2“. Mein Freund Goon weilte zu dieser Zeit in New York und berichtete mir glaubwürdig, daß in den USA die Menschen in den Gängen der Kinos saßen, um den Film am ersten Tag sehen zu können. Heute undenkbar. Hat eh schon jeder im Internet runtergeladen. Wann erlebten Sie das letzte mal, daß eine neue CD nicht lieferbar ist oder daß Sie keinen Kinoplatz mehr für einen Blockbuster kriegen konnten. Ich gebe es offen zu, ich vermisse diese Zeiten wo man nicht alles immer kriegen konnte, wo nicht jeder Laden ganzjährig Ananas verkauft, wo der Überfluß noch begreifbar war, wo man öfters ein „Nein – das haben wir nicht“ hörte. Heute gibt es scheinbar Alles, Überall und Immer. Bis sich am Ende herausstellt, daß die Lady Gaga viel weniger CDs verkauft als TOTO in den 80er Jahren Schallplatten und das BIO-Gemüse gar nicht vom Bauernhof in der Nachbarschaft kommt.

Andi Bauer

22. Mai 2011

Luft und Liebe

Sunday Morning Coming Down - die Kolumne

Ein paar Freunde haben mich aufgefordert über den „Lifeball“ zu bloggen. Ich fürchte, daß ich da der Falsche bin. Ich kenne mich nicht aus um was es da geht. Die reden dauern davon, daß Sie gegen Aids kämpfen wollen und dann ziehen Sie sich so an als ob Sie um eine Ansteckung fast betteln würden. Das Alles verwirrt mich sehr. Außerdem bin ich intolerant, weil ich zu vielen der gefeierten Klimaxe dieses Ereignisses eine andere Meinung habe.

Im Kurier steht, daß beim Lifeball die „Liebe“ gelebt wird. Leider gibt es keine ausreichende Erklärung welche Art oder Abart der Liebe damit gemeint ist. Und während vom Bundespräsidenten abwärts jeder Promi, Wichtigtuer und Journalist den Lifeball für den obersten Maßstab an Toleranz und Gutmenschentun preist, drängen sich mir einige bescheidene Fragen auf:

Nehmen die ganzen Prominenten & Schreiberlinge ihre Kinder zum Lifeball mit um dann auf die Bühne zu den Dragqueens zu zeigen um den Kinderchen Vorbilder zu präsentieren: „Mein lieber Bub, ich möchte daß du auch so wirst wenn du groß bist“? (DAS wäre zumindest konsequent)

Ist der Wiener Bürger und Steuerzahler damit einverstanden, daß der Lifeball im Rathaus abgehalten wird, oder ist es eh schon jeden wurscht was der Häupl mit der unserer Hauptstadt aufführt?

Wer kämpft jetzt genau wann und vor allem WIE gegen AIDS?

Wird beim „Gipfeltreffen der Toleranz“ auch toleriert, daß Menschen eine andere Meinung zum Lifeball haben dürfen, oder werden Diese wie bisher medial gekreuzigt?

Ist das verschleudern von Kondomen gegen AIDS der „Weisheit letzter Schluß“?

Darf man zum „Lifeball“ als biederer Familienvater auch hingehen oder wird das nicht so gerne gesehen.

Und zu guter letzt – wenn muß ich anrufen, daß Alfons Haider & Gery Keszler die heurige Staffel von „Dancing Stars“ gewinnen?

Auf Antworten freut sich

Andi Bauer

17. Mai 2011

ASSERPEITSCHAHN

Schön war er wieder der Songcontest.

Die Deutschen waren wieder mal tolle Gastgeber. Alles perfekt im Stechschritt organisiert und ausgerichtet. Was soweit ging das der Kerl vom ARD (oder war es der ZDF) den Lichttechniker vor der großen Show interviewte ob er den wisse wie viele Lichter er denn zu bedienen habe. Mit erstaunlicher Gelassenheit antwortete der Techniker auf diese blöde Frage freundlich und zuvorkommend und drückte ein paar Knöpfe für den neugierigen Schwätzer. Einzig das leicht schwuchtelige Bühnendesign haben sie sich von Österreichs heiligsten Event abgekupfert – dem Lifeball. Aber wenn der Kessler Gery nicht klagt, wird’s „Kane Welln“ geben. Und solange klar ist daß es eigentlich die Össis erfunden haben. So wie wir den Christoph Waltz, Michael Haneke, Falco und die schöne Landschaft erfunden haben.

Ansonsten lief alles nach Drehbuch. Die Deutschen haben ihr Versprechen gehalten Europa kein zweites Mal zu erobern und schickten zur Sicherheit die Lena gleicht noch mal – damit es ja keinen Sieg gibt. Die Osteuropäer & Balkanländer schieben sich die Punkte gegenseitig zu um es den Wessis wieder zu zeigen. Und die Össis lieferten als ehemalige Ostmärker brav wieder ihre 12 Punkte beim großen Bruder ab. Nur die Deutschen vielen aus der Rolle. Ich erinnere mich noch an selige Kindheitstage, wo von der Oma abwärts beim Songcontest geschimpft wurde. „Die Piefke hab`n uns wieder null Punkte gebn – die Gfrasta“. Da konnte man die Deutsche Hass-Liebe noch pflegen. Aber heuer, 12 Punkte für Nadines zittrigen Auftritt. Müssen Wir Sie jetzt dafür mögen?

Ach ja, gesungen wurde auch. Unsere Nadine war eh lieb und entsprach dem österreichischen Leitsatz, das es ums dabei sein geht. Die Top-Ten wurden nur knapp verfehlt. Wobei die italienische Schnulze mit nervigen Jazzeinschüben die zweiter wurde, keinen Deut besser war. Aber wer will es sich schon mit dem Berlusconi und der Mafia verscherzen. Die Schweden hingegen schossen mit billigen nichtsagenden Euro-Dance-Trash auf Platz 3 und erinnerten mit Schaudern daran, daß dieses Land außer Möbel mit zuwenig Schrauben, derzeit nichts zu bieten hat. Schickt ABBA nächste Jahr.

Großartig auch der Auftritt von Take That, die sich gekonnt maskierten, verkleideten und für Island angetreten sind – diese Schlingel. Was war noch? Heinzelmännchen auf Drogen die Schlager-Ska-Punk für Moldawien trällerten. Eine fade Schnulze einer ehemaligen Popnation von Blue. Schämt euch und fragt Sir Paul McCartney wie man ein Lied schreibt.

Am Ende des Tages bleiben entsetzliche Durchschnittlichkeit, wenig Mut und viel Peinlichkeit. Ich vermute, daß dies eine langfristige Strategie ist. Brot und Spiele fürs dumme Volk. Könnte sich jedoch irgendwann mal als Irrtum herausstellen.

Und Gewonnen hat auch Wer. Ein Duo aus einem Land in Asien daß keiner richtig schreiben oder aussprechen kann. Wie gesagt, schön wars.

Andi Bauer

8. Mai 2011

Ich bin käuflich

Sunday Morning Coming Down - die Kolumne

Unzählige Leser sind dieses Blogs sind zutiefst beeindruckt von der Unbestechlichkeit und unerschütterlichen Konsequenz des Autors, die korrupten Machenschaften der Mächtigen offenzulegen und auch die Gier und Heuchelei der Schauspieler - und Musikerelite regelmäßig aufzuzeigen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß dieser Blog als eine der letzten moralischen Instanzen in einer aus den Fugen geratenen Welt zu betrachten ist. Diese Einleitung dient als notwendige Vorbereitung für die vielen treuen Leser, da es zu befürchten ist, daß sich so mancher nach der Lektüre der folgenden Zeilen, angewidert abwenden wird.

Kurzum, alle wollen Geld von mir. Selbst der aufrechte Bio-Bäcker ist nicht auf meinen Vorschlag eingegangen, mir für drei gebrauchte Robbie Williams CDs (läuft nicht mehr täglich bei mir), ein Monat lang gratis die Semmerl zu liefern. Somit bekenne ich an dieser Stelle offen und mit ein bißchen Scham – meine Kunst ist käuflich. Nicht für jedermann – Gott behüte. Zum Beispiel für Sie nicht, werter Leser. Sie dürfen weiterhin meine Ergüsse im Internet kostenlos genießen.

Sollten Sie jedoch ein Verleger oder Chefredakteur sein, der etwas Neues und Frisches sucht – dann kaufen Sie mich. Ich schreibe Ihnen jede Woche eine tolle Kolumne. Und wenn sie am Sonntag kein Plätzchen mehr frei haben, dann verschieben wir das Ganze und nennen das Werk: „Monday Morning Coming Down“. Soweit flexibel bin ich. Inhaltlich bleibt es bei meiner Linie. Satirisch ernste Kommentare zur Film, Musik & Medienwelt – jede Woche frisch zum Frühstück.

Und von den Lesern an dieser Stelle, hoffe ich, daß Sie mir weiterhin treu bleiben.

Ein schönes Wochenende wünscht

Andi Bauer



Andreas Bauer
Gutshofstraße 5.
2130 Paasdorf
0699 182 233 69
andibauer@goodatwise.com

www.goodatwise.com

30. April 2011

Sunday Morning Coming Down - Heute mit einer Sektenwarnung

Seit einigen Jahren breitet sich eine neue gefährliche Sekte aus, welche sukzessive, die Menschen der westlichen Hemisphäre versklavt. Die Muster sind bekannt und allgegenwärtig. Größtes Glück, Heil & Erlösung wird versprochen, wenn man sich dem Kult anschließt. Der Einstieg wird den meist jungen Gläubigen leicht gemacht. Einmal drinnen, gibt es fast kein zurück mehr. Die Bewegung ist nicht kompatibel mit ähnlichen Kulten oder dem bisherigen Glauben der Einsteiger und grenzt sich und die Anhänger gnadenlos von Anderen ab. Schlimmer noch, eventuelle Nachahmer werden sofort mit einer Heerschar von Anwälten verfolgt und ohne Rücksicht mit allen Mitteln verklagt und vernichtet.
Der Sektengründer und Guru wirkt äußerlich wie ein umgänglicher freundlicher Mann in den besten Jahren. Seine öffentlichen Auftritte absolviert er immer im gleichen Outfit, welches einen 5-Tage Bart, ausgewaschene schwarze Jeans und einem alten Studentenpullover umfaßt. In dieser Montur präsentiert er in unregelmäßigen Abständen mit subtil, einnehmender Stimme und gespielter Bescheidenheit die neuen Weihen seines Kultes und die damit verbundenen Erlösungen.

Aber in Wahrheit geht es ums Geld – um viel Geld. Unzählige Milliarden haben Millionen hörige Jünger bereits gespendet und es hört nicht auf. Es beginnt mit kleinen Spenden für die es auch kleinere Gegenleistungen gibt. Diese funktionieren jedoch nur bedingt und brauchen ständige Entfaltungen – sogenannte updates – um den Glauben richtig zu praktizieren. In kürzester Zeit setzt der Suchteffekt ein und die verfallenen Opfer investieren ihre ganzen Ersparnisse in den Kult. Viele machen das freiwillig, da Sie gar nicht bemerken wie geschickt Sie verführt werden. Früher haben sich die Jünger öffentlich deklariert, indem sie sich demonstrativ weiße Plastikkabeln in die Ohren steckten. Heute ist die Unterwanderung der Gesellschaft fast vollendet. In allen Schichten findet man das Logo (eine Frucht dem ein kleiner Teil fehlt).

Erst gestern erwischte ich meine Tochter mit ihrem I-pod und auch meine Frau benützt bereits ein Apple-Notebook. Auf meinem Computer hat sich seit längerem I-Tunes eingenistet. Meine Familie scheint bereits verloren zu sein. Bis auf meinem Sohn, der auf den „Kult der X-Boxler“ schwört und von angebissenen Äpfeln nichts wissen will. Ich werde trotzdem nicht aufgeben, den zerstörerischen Apple-Kult anzuprangern. Ein jedoch schier unmögliches Unterfangen. Denn niemand ist uneinsichtiger und sturer hinsichtlich seines Glaubens als ein Apple-Jünger. Gegen den Fanatismus der Apple-Hörigen wirken selbst Mitglieder von Opus Dei wie eine Bande verwirrter Hippies.

Andi Bauer